Nach Polizeizugriff Boerse.bz stellt den Betrieb ein

Die Betreiber haben eines der größten Foren für illegale Kopien von Filmen, Serien und Musik geschlossen. Die Polizei hatte 121 Wohnungen mutmaßlicher Helfer von boerse.bz durchsucht.
Forum für Links: Boerse.bz war Anlaufpunkt für illegale Kopien

Forum für Links: Boerse.bz war Anlaufpunkt für illegale Kopien

"Vielen Dank für die tollen Jahre" - mit dieser Nachricht verabschieden sich die Betreiber von boerse.bz am Dienstagabend. Das Forum war eine der größten Anlaufstellen für Links auf illegale Kopien von Filmen, Serien und Musik im deutschsprachigen Internet.

In der vergangenen Woche waren bundesweit mehr als 400 Polizisten ausgerückt. Sie durchsuchten 121 Objekte und stellten zahlreiche Computer und Speichermedien sicher. Der Schlag richtete sich offenbar gegen sogenannte Uploader. Die sorgen dafür, dass aktuelles Material auf den Online-Speichern - sogenannten Filehostern - verfügbar ist.

Festnahmen gab es bei der Operation laut Polizei nicht. Ob auch die Betreiber des Forums identifiziert werden konnten, ist noch unklar. Auch wie die Ermittler die Uploader identifizierten, ist bisher nicht bekannt. Ein mit dem Fall vertrauter Anwalt vermutet, dass die Behörden Zugriff auf den Server von boerse.bz hatten. Alternativ könnte einer der Betreiber mit den Ermittlern kooperiert haben.

Jedenfalls kam die Polizei an die IP-Adressen von Uploadern und konnte sie so mit Hilfe der Provider identifizieren. Den mutmaßlichen Helfern der Seite wird vorgeworfen, von den illegalen Kopien auch finanziell profitiert zu haben. Laut Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) sollen die Betreiber "Gewinne von bis zu mehreren Tausend Euro monatlich" erwirtschaftet haben.

Boerse.bz am Mittwoch: Keine illegalen Kopien unter dieser URL

Boerse.bz am Mittwoch: Keine illegalen Kopien unter dieser URL

Das Geld kam offenbar von den Filehostern, auf denen die illegalen Kopien gespeichert waren. Die Online-Speicher bieten kostenpflichtige Abonnements an, damit Nutzer großen Datenmengen schnell herunterladen können. Von diesen Provisionen sollen besonders eifrige Uploader etwas abbekommen haben.

Die Strafverfolger haben zuletzt ihre Bemühungen verstärkt, dem digitalen Untergrund beizukommen. Ende Oktober waren Ermittler zu den Betreibern der illegalen Streaming-Plattform kinox.to ausgerückt. Die Seite hatte den Platz der vor zwei Jahren hochgenommenen Seite kino.to eingenommen. Die mutmaßlichen Betreiber von kinox.to sind seitdem auf der Flucht. Die Polizei stuft sie als gewaltbereit ein.

Deutsche Fahnder haben auch bei einen internationalen Schlag gegen illegale Drogenplattformen mitgewirkt. In Hessen stellte die Polizei fünf Server sicher, die zu vier im Tor-Netzwerk verstecken Shops gehören soll. Einen der Betreiber fasste die Polizei in Ungarn. Auch hier ist der genaue Weg der Ermittlungen bisher nicht bekannt.

Die Präsidentin des Hessischen Landeskriminalamts, Sabine Thurau, sagte zum Schlag gegen die Drogenplattformen: Es sei Ziel der Aktion gewesen, das allgemeine Vertrauen in die Anonymität des Internets, auch des sogenannten Darknet, nachhaltig zu erschüttern. "Es gibt keine absolute Anonymität im Internet", sagte Thurau.

ore
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