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01. Mai 2016, 20:25 Uhr

re:publica 2016

Snowden-Kritiker, Snowden-Freunde und Snowden selbst

Am Montag beginnt die zehnte re:publica, Deutschlands wichtigste Netzkonferenz. Zehnmal so viele Gäste wie beim ersten Mal werden erwartet. Und ein paar Redner, die man hier früher kaum geduldet hätte.

Es ist kaum mehr zu überschauen, wenn man ehrlich ist. Die Berliner Re:Publica, irgendwann früher einmal das Klassentreffen der deutschen Blogosphäre, findet dieses Jahr zum zehnten Mal statt - und sie ist fast bis zur Unkenntlichkeit gewachsen. 850 Redner treten auf. Teilweise finden, wenn man die parallel und am gleichen Ort anberaumte "Media Convention" mitrechnet, bis zu 19 Veranstaltungen gleichzeitig statt. Das Gesamtprogramm wäre, aneinandergehängt, über 500 Stunden lang.

Von der rebellischen Grundhaltung ist zwar noch etwas übrig - es gibt auch Veranstaltungen über kreativen Protest auf der Straße und ein "Anarchistisches Meetup" -, aber dass die Re:Publica längst eine Mainstreamveranstaltung ist, lässt sich leicht an manchen Protagonisten erkennen, die man hier noch vor ein paar Jahren kaum zu sehen bekommen hätte.

"Bild"-Onlinechef Julian Reichelt kommt zum Beispiel, ein rotes Tuch für Internetaktivisten und die deutsche Linke und, besonders pikant, aufrechter Verteidiger der Überwachungspraxis des US-Geheimdienstes NSA und Kritiker Edward Snowdens. Der steht auch im Programm, wird wohl in einer Veranstaltung mit dem Oxford-Philosophen Luciano Floridi per Livestream zugeschaltet. EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU) kommt, und auch Berlins Bürgermeister Michael Müller (SPD).

Der Begriff "Internetgemeinde" hat seinen Sinn schon vor einiger Zeit verloren, aber ein paar von den alten Themen sind immer noch da. Neben Überwachung, Datenschutz und digitaler Freiheit sind aber auch noch ein paar dazugekommen: Wie verändern Roboter die Arbeitswelt? Welche Rolle spielen soziale Medien in afrikanischen Diktaturen? Wie funktionieren Sexblogs? Sollen Medien ertrunkene Flüchtlinge zeigen? Und wie steht es um die Zukunft frei zugänglicher sogenannter Open-Source-Software?

Als die Re:Publica 2007 zum ersten Mal stattfand, kamen 700 Menschen in die Berliner Kalkscheune, um über die Wechselbeziehung zwischen Gesellschaft und "Web 2.0" zu diskutieren. 2016 werden zehnmal so viele erwartet, mit 7000 Besuchern rechnen die Veranstalter.

Der Standard-Eintrittspreis liegt mittlerweile bei 169 Euro. Wem das zu viel ist: Die Eventmacher kündigten an, Aufnahmen zahlreicher Veranstaltungen binnen wenigen Tagen auf YouTube zu veröffentlichen.

Alle Panels und Vorträge auf der Hauptbühne können Sie sich auch hier bei SPIEGEL ONLINE ansehen:

Im Livestream.

Los geht es am Montag um 10.00 Uhr.

cis/AFP

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