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06. Mai 2019, 09:55 Uhr

Digitale Gewalt gegen Frauen

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erst wurde sie belästigt, dann verklagt: Die ehemalige österreichische Grünenpolitikerin Sigi Maurer erhielt 2018 obszöne Facebook-Nachrichten. Als sie sich wehrte, indem sie die Posts sowie den mutmaßlichen Absender auf Twitter veröffentlichte, wurde sie wegen übler Nachrede von ihm verklagt. Ein Gericht verurteilte Maurer zur Zahlung von mehreren Tausend Euro - im März wurde das Urteil aber wieder aufgehoben.

Auf der Digitalkonferenz re:publica, die vom heutigen Montag an in Berlin tagt, wird Maurer in ihrem Talk "It's the patriarchy, stupid" von ihren Erfahrungen berichten - und warum es kein Happy End gibt, obwohl sie den Rechtsstreit (vorerst) gewonnen hat, auch mit Hilfe eines Crowdfundings.

Frauen, erst recht, wenn sie in der Öffentlichkeit stehen wie Politikerinnen, Gamerinnen und Autorinnen, sind immer wieder Hasskommentaren, Shitstorms und Drohungen ausgesetzt. Die digitalen Faustschläge können ganz unterschiedlich ausfallen: Manchmal enden Meinungsverschiedenheiten in öffentlich geäußerten sexuellen Gewaltfantasien, in anderen Fällen werden private Informationen oder Bilder veröffentlicht.

Auch im Verborgenen können digitale Übergriffe als Form häuslicher Gewalt stattfinden, etwa wenn Ex-Partner Psychoterror über Privatnachrichten ausüben. Der Aufschrei ist groß, wenn Männer ihre Frauen in Saudi-Arabien mit einer staatlich zertifizierten Überwachungsapp tracken. Doch auch hierzulande werden Frauen von ihren Partnern, Ex-Partnern oder Unbekannten etwa mit Spysoftware ausgespäht.

"Die digitale Welt erweitert die Angriffsfläche für Belästigungen und Nachstellungen - der Stalker steht jetzt nicht mehr nur morgens und abends vor der Haustür, sondern er hat das Opfer 24/7 im Visier", sagt Riccarda Theis von der Opferhilfeorganisation Weißer Ring. Und auch in Deutschland kann häusliche Gewalt tödlich enden: An jedem dritten Tag wird durchschnittlich eine Frau von ihrem Partner umgebracht.

Anne Roth, Referentin für Netzpolitik der Linksfraktion, hat sich ausführlich mit dem Thema befasst und schon im Dezember beim Congress des Chaos Computer Clubs mit einem Vortrag auf digitale Gewalt aufmerksam gemacht. "Leider gibt es noch wenige Studien dazu, weil das Thema hierzulande einfach kein Thema ist", sagt sie. "Bei internationalen Menschenrechtsorganisationen, die sich mit IT befassen, steht dieses Thema ganz selbstverständlich auf der Agenda. Da begegnet einem das sofort."

Mit dem Schwerpunktthema "Digitale Gewalt gegen Frauen" wollen wir im Netzwelt-Ressort von SPIEGEL ONLINE in den kommenden Wochen ein Schlaglicht auf verschiedene Formen digitaler Gewalt gegen Frauen werfen - und aufzeigen, was sich dringend ändern muss.


App der Woche: "Mighty - Self Defense Fitness"
getestet von Tobias Kirchner

"Mighty - Self Defense Fitness" ist eine Sport-App, die beim Training von Selbstverteidigungsübungen hilft. Sie richtet sich vor allem an Frauen, die sich sicherer fühlen wollen. Es gibt aber auch andere Sport- und Fitnessaufgaben. Die Übungen werden sehr anschaulich in einem Video vorgemacht. So fällt es deutlich leichter, sie nachzumachen, als wenn es nur einen Text oder Fotos gibt, die die Bewegungen beschreiben.

Parallel zu den Übungen läuft ein Timer, der dafür sorgt, dass man die Trainingszeit und Wiederholungen gut einschätzen kann. Einsteigerübungen können kostenlos ausprobiert werden. Wer die mehr als 200 Übungen - von einfachen Grundlagen bis hin zu komplexen Work-Outs - von Mighty nachmachen möchte, muss sich für ein Abo-Modell entscheiden.

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Fremdlink: Drei Tipps für die re:publica

Ich wünsche Ihnen eine spannende re:publica-Woche!

Sonja Peteranderl

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