Nach heftiger Kritik EU-Kommission zieht umstrittenen Roaming-Vorschlag zurück

Die EU-Kommission knickt ein: Eigentlich wollte sie das kostenfreie Roaming auf 90 Tage befristen, jetzt zieht sie den Vorschlag zurück. Der heftige Protest von Bürgern und Verbraucherschützern zeigte offenbar Wirkung.

Handynutzerin
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Nach massiver Kritik lenkt die EU-Kommission bei der Neuregelung der Handykosten ein: Der Vorschlag, laut dem Anbieter kostenfreies Roaming im EU-Ausland auf 90 Tage im Jahr befristen können, soll überarbeitet werden. Dies habe Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker angeordnet, teilte seine Behörde mit. Details, welche Passagen der Regelung nun geändert werden sollen und wie, sind bislang nicht bekannt.

Eine Neuregelung der Roaming-Gebühren soll Mitte 2017 in Kraft treten. Angekündigt worden war sie als "Wegfall" der Roaming-Gebühren, auch wenn Einschränkungen stets vorgesehen waren. Durch sogenannte Fair-Use-Regeln soll etwa sichergestellt werden, dass Bürger nicht einfach im EU-Ausland eine Handykarte mit günstigem Datenvolumen kaufen, sie dann aber ausschließlich in ihrem Heimatland nutzen, wo die Standardtarife womöglich deutlich teurer sind.

Die Kommission, die die Details dieser Regeln ausarbeiten soll, hatte diese Woche vorgeschlagen, dass Anbieter ihren Kunden nur mindestens 90 Tage pro Jahr erlauben müssen, ohne Zusatzkosten im EU-Ausland im Internet zu surfen oder zu telefonieren oder SMS zu verschicken. Alles an Roaming-Freiheit, was darüberhinaus geht, wäre dann eine freiwillige Leistung der Anbieter.

Auf ihrer Website hatte die EU-Kommission ein Formular eingerichtet, über das digital Feedback gesammelt wurde. Eigentlich sollte dies über den Zeitraum von vier Wochen geschehen, jetzt will die Kommission ihren Vorschlag schon früher überarbeiten. Vor allem Verbraucherschützer hatten die veröffentlichten Pläne kritisiert.

Die Regelungen zum Roaming sollen nun überarbeitet und mit den Mitgliedstaaten abgestimmt werden. Am 15. Dezember sollen sie beschlossen werden. Am kommenden Mittwoch wird Juncker seine Rede zur Lage der Union halten. Beobachter halten es für wahrscheinlich, dass er dabei auch auf das Thema Roaming eingehen werde.

brt/dpa



insgesamt 53 Beiträge
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hansfahl 09.09.2016
1. Junker wieder
den Mann sollte an ganz genau im Fokus haben. Ein echter Wolf im Schafspelz, der für die Bürger sogar nichts übrig hat. Man denke nur an seine Arbeit in Luxemburg. Der kenn genau nur einen Begünstigten und das ist er selbst.
toledo 09.09.2016
2. Unfassbar
dass man als Bürger Europas überhaupt beschränkt werden soll, wo man etwas günstig einkaufen kann oder nicht. Nur die Nachteile Europas.. die darf der Steuerzahler bezahlen. Ähnliche Restriktionen findet man auch im Tabaksteuer und Energiebereich. Die Einfuhr beispielsweise in Polen ordnungsgemäß versteuerter Zigaretten wird auch auf 4 Srangen pro Personen beschränkt oder die Einfuhr von Sprit auf 20 Liter im Kofferraum. In dieser Form ist Europa für den Verbraucher überflüssig.
just_tahl 09.09.2016
3. Immerhin..
.. wird hier auf die Bürger gehört. Ich kann die Bedenken der Kommision in Bezug auf den Missbrauch allerdings auch nachvollziehen.
rstevens 09.09.2016
4. Warum auch echten Wettbewerb ermöglichen
> Durch sogenannte Fair-Use-Regeln soll etwa sichergestellt werden, > dass Bürger nicht einfach im EU-Ausland eine Handykarte mit > günstigem Datenvolumen kaufen, sie dann aber ausschließlich > in ihrem Heimatland nutzen, wo die Standardtarife womöglich > deutlich teurer sind. Schade, dass man hier wieder einschränken möchte. Eine unbeschränkte Öffnung würde echten Wettbewerb ermöglichen. Ich sehe da im Grunde auch kein großes Risiko. Selbst Billiganbieter aus dem Ausland müssen im Inland die nötige Infrastruktur haben, um die Dienste anbieten zu können. Roaming im Ausland geht nur, wenn es auch Roaming-Partner gibt, es muss also eine Vereinbarung für einen Kostenausgleich geben. Spätestens über diesen Mechanismus würden sich die Preise angleichen und ein Missbrauch könnte verhindert werden.
hansfrans79 09.09.2016
5. Schade
Das war eine gute Idee der Komission, leider wittern viele Wutbürger gleich eine Verschwörung und "Lobyismus" Die Preise werden in den ärmeren Längern Europas steigen, wenn die Reichen ihre Verträge dort abschließen, aber die meiste Zeit in ihrem Heimatland nutzen.
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