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Veröffentlichung des US-Senats: So sahen die russischen Facebook-Anzeigen aus

Foto: U.S. House of Representatives

Manipulationen im US-Wahlkampf Plötzlich sind Google und Facebook ganz kleinlaut

Vor dem US-Kongress müssen sich Facebook, Twitter und Google verantworten, weil sie die russische Einmischung in die Präsidentschaftswahl duldeten. Die Konzerne geben sich reuig - denn sie wollen schärfere Gesetze verhindern.

"Satan sagt: Wenn ich gewinne, gewinnt Clinton! - Klicke 'Gefällt mir', um Jesus zum Gewinn zu verhelfen!" Zwischen diesen Zeilen steht ein Bild , auf dem sich ein bärtiger Jesus und Satan mit Teufelshörnern im Armdrücken messen.

Auf einem anderen Bild  lächelt US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton einer jungen Frau mit Kopftuch zu, darunter steht: "Unterstützt Hillary. Rettet amerikanische Muslime!"

Das sind nur zwei Beispiele für verdächtige Facebook-Anzeigen zur amerikanischen Präsidentschaftswahl, die nach Angaben des Konzerns von Russland finanziert worden sein sollen (weitere in dieser Fotostrecke). Veröffentlicht hat sie der Geheimdienstausschuss des US-Senats in Washington.

Im Rahmen mehrerer Anhörungen  muss der Tech-Konzern dem amerikanischen Kongress diese Woche Rede und Antwort stehen im Skandal um eine vermutete russische Einflussnahme auf die US-Wahlen 2016. Auch Top-Vertreter von Google und Twitter sagten aus - und gaben sich demütig beim Versuch, ihre Dienste aus der Schusslinie zu manövrieren. "Im Rückblick hätten wir uns da einen besseren Überblick verschaffen müssen", beschwichtigte ein hochrangiger Facebook-Anwalt ungehaltene Mitglieder des Geheimdienstausschusses. Vertreter von Google und Twitter äußerten sich ähnlich.

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Veröffentlichung des US-Senats: So sahen die russischen Facebook-Anzeigen aus

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Denn der Fokus auf die Tech-Konzerne kommt inmitten einer überaus heiklen politischen Lage. Gerade eben hat Sonderermittler Robert Mueller in der Russlandaffäre Anklage gegen Donald Trumps früheren Wahlkampfmanager Paul Manafort erhoben. Und seit vielen Monaten schon jagt man in den USA Informationen hinterher, die den Verdacht der russischen Wahlmanipulation belegen sollen.

Hetzerische Anzeigen, aufwieglerische Videos

Es ist eine mühselige Schnitzeljagd, auf deren Weg in den vergangenen Monaten immer wieder interessante Details bekannt geworden sind. Die Anhörungen markieren nun den Höhepunkt der Aufklärungsbestrebungen bezüglich russischer Aktivitäten auf den Plattformen amerikanischer Internetunternehmen.

Tatsächlich rückten die oft so schweigsamen Tech-Konzerne im Rahmen der Anhörungen mit neuen Zahlen bezüglich einer russischen Desinformationskampagne heraus:

  • Twitter identifizierte nach eigenen Angaben 37.000 automatisierte Accounts mutmaßlich russischen Ursprungs. Diese Konten hätten in den drei Monaten vor der US-Präsidentenwahl im November 1,4 Millionen Twitter-Botschaften gestreut, die potenziell 288 Millionen Menschen erreicht hätten.
  • Facebook teilte mit, russische Quellen hätten zwischen 2015 und 2017 Kommentare, Berichte und andere Inhalte in die Timelines von bis zu 126 Millionen Nutzern in den USA gespült.
  • Auf Facebooks Tochternetzwerk Instagram seien im Jahr 2016 rund 120.000 manipulative Inhalte aus russischen Quellen platziert worden, die rund 20 Millionen Nutzer in den USA erreicht hätten.
  • Google gab ebenfalls an, manipulative Inhalte entdeckt zu haben. Wie bei Facebook stünden diese mit der in St. Petersburg sitzenden Einrichtung Internet Research Agency in Verbindung, die Verbindungen zum Kreml haben soll. Auf der Google-Videoplattform YouTube wurden demnach 18 seither gesperrte Kanäle gefunden, die "wahrscheinlich" mit der russischen Kampagne verbunden seien. Insgesamt seien dort rund 1100 englischsprachige Videos hochgeladen worden, die in den eineinhalb Jahren vor dem Wahlsieg Trumps etwa 309.000 Mal angeklickt worden seien.

Die plötzlich realistisch gewordene Möglichkeit einer deutlich strengeren Regulierung durch die US-Politik bewegt die Tech-Größen des Silicon Valley nicht nur zu Selbstkritik. Sie präsentieren auch ein ganzes Bouquet an Maßnahmen zur Eindämmung des Problems, als Friedensangebot an die verstörten Politiker beider Parteien. Die sind im Rahmen der Manipulationsvorwürfe nach Jahren der großzügigen Handhabe gegenüber dem wirtschaftsstarken Silicon Valley plötzlich misstrauisch geworden angesichts der Macht der Firmen.

Zuckerberg kündigt massive Sicherheitsoffensive an

Facebook-Chef Mark Zuckerberg etwa kündigte zeitgleich zu dem Termin in Washington massive Investitionen in die Sicherheit seiner Angebote an. Sein Unternehmen werde dafür so viel Geld ausgeben, "dass es Folgen hat für unsere Profitabilität", sagte Zuckerberg.

In einem auf Facebook veröffentlichten Brief  an Investoren ließ er zudem verlauten, es sei ihm "todernst" damit, Vorwürfe der russischen Einflussnahme zu untersuchen.

Der Schutz der Nutzer sei wichtiger als Profitmaximierung. Dabei dürfte auch dieser Schritt letztlich ein Manöver Zuckerbergs sein, Profite sicherzustellen - indem so strengere Gesetze für die eigene Plattform abgewendet werden sollen. Zuckerberg hatte ohnehin erst einmal gute Quartalszahlen zu verkünden: Von Juli bis September steigerte Facebook seinen Gewinn um 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum - auf 4,7 Milliarden Dollar.

"Irre Idee" hat heute höchste Priorität

Die Russlandaffäre soll diesem Zuwachs nicht gefährlich werden, dazu hat Zuckerberg innerhalb weniger Monate eine 180-Grad-Wende vollzogen. Kurz nach der Wahl hatte er die Vorstellung, seine Plattform könne durch das Verbreiten von Fake News Donald Trump geholfen haben, noch als "irre Idee" bezeichnet. Im April erklärte Facebook hingegen, dass das Onlinenetzwerk für politische Einflussnahme missbraucht worden sei - und kündigte "aggressive Schritte" für mehr Werbetransparenz an. Dazu gehören 1000 neue Prüfer und die neue Pflicht für Anzeigenkunden, ihre Finanzierung offenzulegen.

Auch Twitter hatte in einer öffentlichkeitswirksamen Aktion kurz vor den Terminen in Washington die beiden Medienorganisationen RT (ehemals Russia Today) und Sputnik als Werbekunden von der Plattform verbannt. RT behauptet seinerseits, Twitter habe dem Medium sogar vor der Wahl ein maßgeschneidertes Werbeangebot vorgelegt, um RT als Anzeigenkunden zu gewinnen - und veröffentlicht zum Beleg entsprechende Dokumente .

Nun hat Twitter eine neue Transparenzinitiative für Anzeigen verkündet. Google kooperiert ebenfalls beim Verdacht auf Manipulationen mit den Behörden und betonte, es gebe strikte Werberegeln.

Die Botschaft der US-Tech-Konzerne ist klar: Wir bekommen das Problem schon selbst in den Griff. Doch die Skepsis der Politik ist geweckt. "Google ist im Besitz allen Wissens, das die Menschheit je entwickelt hat. Und Sie können bei einer in Rubel bezahlten politischen Anzeige nicht zu dem Schluss kommen: 'Hmm, diese Verbindung lässt auf nichts Gutes schließen'?", fragte ein wütender Senator einen Google-Vertreter. Die US-Politik will offenbar nicht die nächsten Wahlen 2020 als Testfall abwarten, um zu sehen, ob die Tech-Konzerne ihre Versprechen halten werden.


Zusammengefasst: US-Politiker wollen von den großen Tech-Konzernen wissen, in welchem Ausmaß Russland deren Dienste für Manipulationsversuche zur US-Wahl genutzt hat. Google, Facebook und Twitter geben sich kleinlaut und sind zu Zugeständnissen bereit. Sie wollen offenbar strengere Gesetze verhindern.

Mit Material von dpa
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