Yandex, VK.com und Co. Putin ruiniert Russlands IT-Branche

Die russische Internetbranche floriert, Firmen wie Yandex machen gewaltige Gewinne. Doch jetzt knöpft sich Präsident Putin die Unternehmen vor. Ein erfolgreicher Gründer hat das Land bereits verlassen.
Wladimir Putin: Scharfe Worte gegen die erfolgreiche Suchmaschine Yandex

Wladimir Putin: Scharfe Worte gegen die erfolgreiche Suchmaschine Yandex

Foto: RIA NOVOSTI/ REUTERS

Russlands Suchmaschine Yandex ist ein stolzes Unternehmen. In den vergangenen fünf Jahren hat der Konzern die Zahl seiner Mitarbeiter auf rund 5000 verdoppelt. "Wir respektieren Google, aber wir sind besser", lautet das inoffizielle Firmenmotto. Yandex hat über anderthalb Jahrzehnte alle Angriffe des US-Giganten auf den russischen Markt abgewehrt, die Russen halten dort noch immer rund 60 Prozent Marktanteil.

Doch Google ist offenbar nicht der mächtigste Gegner, mit dem Yandex zu kämpfen hat. Weil die Führung der Suchmaschine hin und wieder zarte Sympathien für die Meinungsfreiheit im Internet und Russlands Opposition durchblicken lässt, hat sie sich den Zorn Kreml-treuer Aktivisten zugezogen. Russlands Präsident Wladimir Putin streut persönlich Zweifel an der patriotischen Gesinnung der russischen Suchmaschine.

Auf einem Medienforum des Putin-Wahlvereins "Volksfront" in Sankt Petersburg ging es um digitale Themen und auch um die von Edward Snowden aufgedeckte Massenüberwachung des Internets. Ein konservativer Blogger wandte sich unvermittelt mit der Bitte an Wladimir Putin, Russland von "dieser digitalen Aggression zu befreien". Damit meinte er aber nicht den US-Geheimdienst NSA, sondern Yandex. Die Suchmaschine führe sich wie ein Massenmedium auf, indem es ähnlich wie Google News jeden Tag auch Top-Nachrichten präsentiere. Dafür aber habe Yandex keine Lizenz.

Fatale Folgen für die Suchmaschine

Der Kreml-Chef tat nichts, um Russlands erfolgreichste IT-Firma in Schutz zu nehmen. Im Gegenteil. Gleich zweimal seufzte der Präsident, mit Yandex sei es leider "auch nicht so ganz einfach". Die Unternehmensgründer hätten unter ausländischem Einfluss gestanden. Man habe sie gezwungen, "soundso viele Amerikaner, soundso viele Europäer in der Chefetage" zu installieren. Auch sei Yandex, dessen Aktien an der New Yorker Börse gehandelt werden, in Teilen im Ausland registriert, "und nicht nur wegen der Besteuerung, sondern auch aus anderen Überlegungen".

Für Yandex waren Putins Worte verheerend. Der Kurs brach um mehr als fünf Prozent ein, obwohl der Konzern am selben Tag blendende Quartalszahlen vorlegte, ein Plus von fast 20 Prozent beim Quartalsgewinn.

Putins Netzkritik ging noch weiter. Das Internet sei ursprünglich ein "Spezialprojekt der CIA" und entwickle sich entsprechend weiter.

Blockadetechnik wie in China

Putin blickt seit langem skeptisch auf das Internet. Gleich nach seiner Rückkehr in den Kreml 2012 ließ er ein neues Internetgesetz verabschieden. Es ermächtigt Behörden, Websites ohne Gerichtsbeschluss zu blockieren. Yandex kritisierte die Regelung, mit der der Kreml offiziell gegen Kinderpornografie im Netz zu Felde zieht. Die Technik, die Russlands Internetanbieter anschaffen, gleicht jener, die Chinas Zensoren zur Blockade unbotmäßiger Websites einsetzten.

Neu ist, dass der Kreml auch Russlands bislang sehr erfolgreiche IT-Branche unter Beschuss nimmt. Bislang war die New Economy die größte wirtschaftliche Erfolgsgeschichte des neuen Russland. Yandex machte im vergangenen Jahr mit knapp 900 Millionen Euro Umsatz rund 300 Millionen Euro Gewinn.

Kleinkrieg mit dem Geheimdienst

Doch der Wind wird rauer für Russlands IT-Schmieden. So musste Mitte April der Gründer von VK.com - einem 200 Millionen Nutzer starken sozialen Netzwerk - sein Unternehmen verlassen. VK.com-Chef Pawel Durow hatte sich über Jahre einen Kleinkrieg mit Russlands Inlandsgeheimdienst FSB geliefert. Zuletzt war er aufgefordert worden, Foren von Unterstützern der Maidan-Revolution in Kiew zu schließen und die Daten der Nutzer an den Geheimdienst weiterzugeben. Durow weigerte sich, so wie er sich 2012 bereits Anordnungen widersetzt hatte, gegen Unterstützer des Oppositionsführers Alexej Nawalny vorzugehen.

"Ich weiß nicht, wo das enden wird", twitterte er damals. "Aber noch stehen wir." 2013 verlor Durow dann endgültig die Hoheit über sein eigenes Unternehmen. Er hatte sich mit Gründungsteilhabern zerstritten. Sie verkauften nach langen Verhandlungen an einen Investor mit Verbindungen zu Igor Setschin, einem mächtigen Putin-Vertrauten. Durow hält den Investor für einen Strohmann des Kreml .

Unternehmensgründer auf der Suche nach Freiheit

Den Machtkampf hat Durow verloren. VK.com stehe nun "unter voller Kontrolle von Igor Setschin und Alischer Usmanow", einem Kreml-treuen Oligarchen, schrieb Durow. Er hat nicht nur das Unternehmen verlassen, sondern auch sein Heimatland. "Unglücklicherweise ist das Land momentan nicht geeignet für Internet-Business", teilte er mit.

Durow hat sich mit einer Gruppe Programmierer nach Dubai abgesetzt, als nächstes soll ein Stopp in Singapur folgen. Der Russe will seine Messenger-App Telegram weiter entwickeln, ein Konkurrenzprodukt zu WhatsApp. Durow hat zudem angekündigt, ein neues soziales Netzwerk aufzubauen.

Er suche noch nach einem geeigneten Standort für das Projekt, ließ er wissen und bat um Vorschläge: "Damit ihr eine Idee von unseren Präferenzen habt: Wir mögen Freiheit, ein starkes Justizsystem, kleine Regierungen, freie Märkte, Neutralität und Bürgerrechte."

Und zum ersten Mal seit langer Zeit nutzte Durow für seine Botschaft nicht mehr die eigene Plattform VK.com. Statt dessen benutzte er Facebook.

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