Überwachung San Francisco verbietet Behörden Gesichtserkennung

Im Silicon Valley arbeiten Dutzende Firmen an Technologien zur Gesichtserkennung. Ein paar Kilometer nördlich, in San Francisco, will man auf den Einsatz dieser Überwachungstechnik verzichten.

Eine Überwachungskamera an einem Gebäude im Finanzdistrikt von San Francisco
AP

Eine Überwachungskamera an einem Gebäude im Finanzdistrikt von San Francisco


Als erste Stadt in den USA hat San Francisco den Einsatz von Gesichtserkennung durch Behörden verboten. Die Gefahr, dass solche Technologien die Bürgerrechte verletzen können, überwiege die behaupteten Vorteile bei Weitem, entschied der Stadtrat der kalifornischen Metropole am Dienstag (Ortszeit). Der Einsatz von Gesichtserkennung drohe rassistische Ungerechtigkeit zu verschärfen und "bedroht unsere Möglichkeit, frei von ständiger Beobachtung durch die Regierung zu leben", heißt es in dem Beschluss.

Die städtische Polizei und andere städtische Behörden dürfen gemäß der Entscheidung keinerlei Gesichtserkennungstechnologie erwerben, besitzen oder nutzen. Flughäfen oder andere von den Bundesbehörden betriebene Einrichtungen sind von dem Verbot ausgenommen.

Kritiker argumentieren, Systeme zur Gesichtserkennung bedeuteten einen starken Eingriff in die Privatsphäre. Zudem drohe die Gefahr, dass Unschuldige fälschlich als Straftäter identifiziert werden könnten. Die US-Bürgerrechtsorganisation ACLU warnt, mit der Technologie könne die Öffentlichkeit wahllos und ohne konkreten Verdacht oder Anhaltspunkt flächendeckend überwacht werden.

Fehler im System

Befürworter der Technologie halten dem entgegen, Gesichtserkennung helfe der Polizei im Kampf gegen Kriminalität und schaffe mehr Sicherheit.

Einem Bericht der "New York Times" zufolge setzen die chinesischen Behörden Gesichtserkennung ein, um Angehörige der muslimischen Minderheit der Uiguren landesweit zu überwachen. Demnach wurde Chinas immenses Netz an Überwachungskameras so programmiert, dass die Gesichtserkennung Uiguren aufgrund ihres Aussehens herausfiltern kann.

Fehlerlos funktioniert dieses System aber offensichtlich keineswegs. Ende 2018 war ein Fall bekannt geworden, in dem Gesichtserkennungssoftware in der chinesischen Stadt Ningbo auf ganzer Linie versagt hatte: Das System verwechselte ein Werbefoto auf einem vorbeifahrenden Bus mit der Leiterin eines großen Klimaanlagen-Konzerns.

mak/afp

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heinzstocker414 15.05.2019
1. Die haben es begriffen ...
... wäre zu wünschen, dass unsere Politiker genauso einsichtig sind!
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