S.P.O.N. - Die Mensch-Maschine Wie es bei Sascha Lobo weitergehen soll

Unser Kolumnist Sascha Lobo bittet alle Leser um Rat: Soll sich die Mensch-Maschine weniger mit Edward Snowden und der Totalüberwachung befassen? Welche Teile der digitalen Welt sollten künftig intensiver beleuchten werden? Stimmen Sie ab!
Edward Snowden (Videobild): Enthüllungen als digitaler Meteoriteneinschlag

Edward Snowden (Videobild): Enthüllungen als digitaler Meteoriteneinschlag

Foto: FREDERICK FLORIN/ AFP

In den bisher 187 Mensch-Maschine-Kolumnen, die an dieser Stelle seit dem 12. Januar 2011 erschienen, habe ich kaum ein halbes Dutzend Mal das Wörtchen "ich" benutzt. Das ist zugleich sinnvoll, weil so eine objektivere Position zustande kommen kann. Und es ist anmaßend, weil ich weiter entfernt von einer klassisch journalistischen Objektivposition kaum sein könnte und deshalb das fehlende "ich" das Potenzial hat, meine Absichten zu verschleiern. Diese Absichten möchte ich hier offenlegen, aus einem ganz besonderen Grund, der einer etwas langatmigen Erklärung bedarf. Das "ich" ist dabei notwendig, weil ich das Gefühl habe, die Unterstützung des Publikums zu brauchen. Bitte überweisen Sie - haha, nein, es geht nicht um Geld. Sondern um die zukünftige Ausrichtung dieser Kolumne.

Ich habe das Privileg, als Kolumnist nicht Teil des redaktionellen Alltags zu sein. Gleichzeitig macht mir SPIEGEL ONLINE keinerlei Vorschriften über die Ausgestaltung meiner Kolumne. Wenn man von Änderungen aus Gründen des Stils und des Textflusses absieht, hat die Redaktion in dreieinhalb Jahren nur ein einziges Mal darum gebeten, dass ich eine Passage inhaltlich abschwächen oder streichen möge, weil mir eine Formulierung über einen damaligen, prominenten Mitarbeiter des Hauses eine Spur zu fäkal geraten war. Im sehr dehnfähigen Rahmen "Digitale Welt" kann ich also über alles und das Gegenteil davon schreiben, ohne jede Festlegung einer politischen Himmelsrichtung. Nicht einmal die sonst für Nachrichtenseiten einigermaßen essenzielle Aktualität muss ich beachten.

Dieses Privileg hat irgendwann dazu geführt, dass ich für die Mensch-Maschine jede Woche zwei Schritte vom Newsgetöse zurücktrete und überlege, was in der digitalen Sphäre wichtig ist. Ohne, dass ich das von Anfang an so geplant hätte, hat sich damit ein aufklärerischer Auftrag in meine Kolumne geschlichen: Dem Massenpublikum, das sich auf SPIEGEL ONLINE zweifellos erreichen lässt, die digitale Gesellschaft zu erklären, Zusammenhänge zu analysieren und Folgen abzuschätzen. Und zwar nicht ohne schlechte Wortspiele wie auf Twitter, absurde Metaphern wie auf Facebook und unterhaltsame Schmähungen wie auf Speed. Meine Kolumnen sollen eine Mischung aus Interneterklärung, Internetaufklärung und digitalgesellschaftlicher Wirkungskommunikation sein mit einer quasihomöopathischen Beimischung von Quatsch.

Mein (selbstgegebener) Auftrag hat sich allerdings seit über einem Jahr stark verengt. Von den 61 Kolumnen seit Snowdens erstem Leak handeln rund 61 von der Totalüberwachung. Über den Grund dafür habe ich im Oktober 2013 metaphert: "Mit einem tollwütigen Tiger im Raum verwandelt sich jedes andere Gespräch in einen schlechten Scherz zur Ablenkung." Tatsächlich halte ich die Enthüllungen von Edward Snowden für einen digitalen Meteoriteneinschlag, was natürlich noch eine der erwähnten absurden und gleichzeitig verbogenen Metaphern ist. Das zeigt aber trotzdem ganz gut an, dass mir durch die Wucht des Ereignisses mein Relevanzkompass kaputt gegangen ist. Oder besser: sich von dem des Publikums entfernt hat.

Nach wie vor ist für mich der in diesem Moment unverändert geschehende, millionenfache Grundrechtsbruch, die Totalüberwachung, die antidemokratische Abschaffung der Privatsphäre im Netz durch übergeschnappte Behördenhorden das wichtigste Digitalthema, inklusive der schleppenden bis nicht vorhandenen politischen Aufarbeitung. Aber ich ahne, dass sich in die allwöchentliche Behandlung des Themas eine Ritualisierung eingeschliffen haben könnte. Und die kann sehr schädlich sein, denn erwartbare Gewohnheitsempörung entfaltet kaum mehr eine Wirkung.

Normalerweise beinhaltet das Publizieren in Massenmedien automatisch, dass man eine Position der Bühnensicherheit oder sogar Verkündungsgewissheit einnimmt, es geht wohl auch kaum anders. Ich möchte mir hier aber den Luxus erlauben, meinen Zweifel gegen alle journalistische Praxis öffentlich zu machen. Deshalb möchte ich zur weiteren Entwicklung meiner Kolumne diejenigen fragen, für die ich schreibe: das Publikum, also Sie. Sie können hier an zwei Abstimmungen teilnehmen, die über die Zukunft der Mensch-Maschine-Kolumne mitentscheiden. Die Ergebnisse möchte ich nicht als sklavisch einzuhaltendes Diktat verstehen, aber als wichtigen Anhaltspunkt zur Auflösung meines Zweifels. Meinen persönlichen Dank für Ihre Teilnahme.

tl;dr

Bestimmen Sie mit über die zukünftige Ausrichtung der Mensch-Maschine-Kolumne. Gewinnen Sie dabei kein iPad Air (Retina, 64GB).

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