Online-Kampagne "Scroogled" Microsoft attackiert Google

Vorweihnachtliche Kriegserklärung: Auf einer eigens eingerichteten Website wirft Microsoft dem Konkurrenten Google Schiebung vor. Die Seite mit dem Namen "Scroogled" soll darauf hinweisen, dass Händler in Googles Shopping-Angebot für Geld bessere Platzierungen kaufen können.

Microsoft-Kampagne "Scroogled": Angriff gegen Google

Microsoft-Kampagne "Scroogled": Angriff gegen Google


Ebenezer Scrooge ist der vorweihnachtliche Buhmann der angelsächsischen Literatur. In Charles Dickens' berühmter Weihnachtsgeschichte ("A Christmas Carol") ist er der menschenfeindliche Geizhals, der Bösewicht, der von den drei Geistern der Weihnacht aber doch geläutert wird. Google Shopping, erklärt Microsoft nun, sei offenbar Ebenezer Scrooge begegnet, deshalb habe man die eigene Kampagne gegen den Konkurrenten "Scroogled" genannt, so das Unternehmen. Microsoft wirft Google vor, die Nutzer der Produktsuche Google Shopping auszutricksen.

Man könnte den Namen der Kampagne auch anders lesen, aber das wäre etwas unfein: Screwed ("geschraubt") ist ein Wort, das ursprünglich umgangssprachlich für "sexuell penetriert" steht, im übertragenen Sinn aber auch "übervorteilt" bedeuten kann. Es ist nicht auszuschließen, dass Microsoft genau diese Assoziation wecken will. Auch der Vergleich mit Ebenezer Scrooge hinkt - der gilt nämlich vor allem als geizig und erkennt am Ende dann doch seinen Irrtum.

Microsoft wirft Google auf einer eigens eingerichteten Website dagegen vor, Nutzer gezielt zu täuschen: Die Suchergebnisse, die in der Produktsuche Google Shopping angezeigt würden, seien gar keine Suchergebnisse, die nach "Relevanz" sortiert seien - die Reihenfolge der Ergebnisse "basiert teilweise darauf, wie viel die Händler bezahlen". Verbraucher könnten deshalb "leicht eine Werbeanzeige mit einem ehrlichen Suchergebnis verwechseln", heißt es in einem Blogeintrag, in dem Microsoft die Kampagne erläutert.

Google habe bereits im Mai 2012 sein Motto "Don't be evil" über Bord geworfen, heißt es auf der Webseite, "einfach gesagt sind alle Shopping-Ergebnisse mittlerweile bezahlte Anzeigen". Beim eigenen Suchprodukt, Bing, sei das selbstverständlich anders, so Microsoft.

Tatsächlich erklärte Google kürzlich in einem offiziellen Blog-Eintrag, man habe "die Google Produktsuche in den USA auf ein kommerzielles Modell auf der Basis von Product Listing Ads umgestellt". Demnächst werde man dieses Modell auch in Deutschland und anderen Ländern einführen, bis Mitte 2013 werde die Umstellung abgeschlossen sein. Man glaube "dass eine kommerzielle Beziehung zu den Händlern zu besseren und aktuelleren Produktinformationen und damit zu besseren Einkaufsergebnissen für die Benutzer" führen werde. Gleichzeitig aber auch für "eine bessere Qualität des Traffics für die Händler".

Zu Microsofts aggressiver vorweihnachtlicher Kampagne hat Google bislang nicht Stellung genommen.

cis



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