Sicherheitsbedenken Arabische Staaten wollen Datenübertragung per Blackberry sperren

Keine E-Mails, keine Messenger-Programme: Die Vereinigten Arabischen Emirate wollen den Zugang zum Internet für Smartphones der Firma Blackberry sperren. Auch Saudi-Arabien gab ähnliche Pläne bekannt - Kritiker bezeichnen das als Zensur.

Blackberry-Smartphone: Sicherheitsbedenken in arabischen Staaten
SPIEGEL ONLINE

Blackberry-Smartphone: Sicherheitsbedenken in arabischen Staaten


Abu Dhabi - In den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) wird die Datenübertragung per Blackberry vom kommenden Herbst an verboten. Das Verbot, das vom 11. Oktober an gelten soll, wird sowohl die Einwohner der Emirate als auch Geschäftsreisende und Touristen treffen, die dieses Smartphone nutzen. Die Telekommunikationsbehörde des Golfstaates begründete das Verbot am Sonntag damit, dass die verschlüsselten Daten direkt von einem Server im Ausland übertragen werden, dies bedrohe die "nationale Sicherheit" der Emirate.

Anders als bei anderen internetfähigen Mobiltelefonen würden die Daten von Blackberry-Nutzern in Übersee gespeichert, erklärte die Aufsichtsbehörde für Telekommunikation (TRA). Dort seien die Gesetze der Emirate für solche Dienste nicht anwendbar. Es handele sich nicht um Zensur, betonte TRA-Chef Mohammed al-Ghanem. Sollte eine "akzeptable Lösung" für das Problem entwickelt und installiert werden, stellte die Behörde eine Aussetzung der Sperre in Aussicht.

Durch das Verbot wird das Empfangen und Senden von E-Mails unmöglich, das Surfen im Netz und auch der Messenger-Dienst von Blackberry. Aus dem Smartphone würde dann in den Emiraten ein ganz simples Handy - es sei denn, der Blackberry-Hersteller Research in Motion (RIM) findet noch zu einer Einigung mit der Behörde.

Auch Saudi-Arabien will die Nutzbarkeit der Smartphones einschränken. Nach Angaben der staatlichen Saudi Telecom wird hier der Messenger-Dienst der Geräte gesperrt. Nach Informationen der Agentur Reuters soll die Abschaltung noch in diesem Monat erfolgen. Gründe wurden nicht genannt. In Saudi-Arabien nutzen etwa 700.000 Menschen Blackberrys. Nokia- oder Apple-Handys sind hier wie auch in den VAE nicht betroffen.

Zensur, Filterung und Überwachung?

Die TRA hatte bereits in der vergangenen Woche Bedenken wegen der Blackberrys geäußert. Viele fassten dies als Unzufriedenheit darüber auf, dass die Emirate vor allem den populären Messenger-Dienst nicht überwachen könnten. "Die Regierung betrachtet die Blackberry-Dienste - insbesondere den Kurznachrichten-Dienst - als Hindernis bei ihrem Ziel, Zensur, Filterung und Überwachung voranzutreiben", schrieb die Organisation Reporter ohne Grenzen.

Im April hatte der Golf-Staat Bahrain seine Bürger davor gewarnt, die Messenger-Software des Blackberrys zur Verbreitung lokaler Nachrichten zu nutzen. Auch dies wurde von Journalistenverbänden als Zensur kritisiert. Bahrain erklärte am Sonntag, vorerst nicht dem Beispiel der Emirate zu folgen.

Reporter ohne Grenzen hatte am vergangenen Donnerstag die Festnahme mehrerer Blackberry-Nutzer in den VAE kritisiert. Diese sollen versucht haben, sich per Blackberry zu einer Protestaktion gegen steigende Benzinpreise zu verabreden. Die Organisation erklärte, zu den Festgenommenen zähle ein 18-Jähriger aus dem Emirat Ras al-Khaima, der bereits seit zwei Wochen festgehalten werde.

In den Emiraten nutzen etwa 500.000 Menschen einen Blackberry, die meisten davon sind Geschäftsleute. Experten sagten scharfe Proteste gegen die Maßnahme voraus: "Das wird einen solchen Aufruhr geben, dass es am Ende tatsächlich nicht passieren und eine Lösung gefunden wird", sagte Irfan Ellam, ein Telekom-Analyst von Al Mal Capital. "Das Blackberry wird von vielen Unternehmen als unverzichtbar betrachtet. Wenn man also will, dass ein Land attraktiv für Investoren ist, dann ist es unsinnig, Blackberry-Dienste zu sperren."

sto/dpa/Reuters/apn



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