Online-Drogenhandel Gründer von Silk Road schuldig gesprochen

Der Gründer der Online-Drogenbörse Silk Road, Ross Ulbricht, muss sich auf eine lange Haftstrafe einstellen. Die Jury eines New Yorker Bezirksgerichts befand den 30-Jährigen in allen Anklagepunkten für schuldig.

Geschlossene Website eines Silk-Road-Nachfolgers: Drogendeals per Internet ermöglicht
REUTERS

Geschlossene Website eines Silk-Road-Nachfolgers: Drogendeals per Internet ermöglicht


New York - Der Gründer und mutmaßliche Betreiber der Online-Drogenplattform Silk Road ist von einem Gericht im US-Bundesstaat New York schuldig gesprochen worden. Laut Urteil betrieb Ross William Ulbricht unter dem Pseudonym "Dread Pirate Roberts" jahrelang einen Drogenumschlagplatz im Internet: Über seine Website verdiente er Bitcoin im Wert von umgerechnet 15,8 Millionen Euro. Ihm droht nun lebenslange Haft.

Der 30-Jährige habe in drei Jahren mehr als eine Million Drogendeals ermöglicht, heißt es im Urteil. Doch nicht nur mit Rauschgift wurde bei Silk Road gehandelt: Die Internetnutzer konnten auf der Plattform auch Waffen und gefälschte Ausweise kaufen sowie angeblich Auftragsmörder anheuern. Silk Road hatte Hunderttausende Nutzer weltweit.

Mehr als zweieinhalb Jahre hatten das FBI und die Drogenbehörde DEA nach dem Mann gesucht, der sich hinter dem Namen "Dread Pirate Roberts" versteckte. Im Oktober 2013 nahm die Bundespolizei Ulbricht fest und schloss die Plattform. Die Ermittlungen waren kompliziert. Die Website war über eine verschlüsselte Internetverbindung gesichert und Transaktionen wurden über die Onlinewährung Bitcoin abgewickelt.

Vergangene Woche war bereits der Bitcoin-Händler Robert Faiella, der über Silk Road Geschäfte abgewickelt hatte, zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Ein weiterer Verdächtiger, der zum engen Umfeld der Website-Betreiber gehören soll, wurde nach FBI-Angaben vergangenen Dienstag festgenommen.

Der Prozess um Ulbricht lief seit Mitte Januar. Diverse auf seinem Laptop sichergestellten Dokumente, für Silk-Road-Transaktionen verwendete Einheiten der Digitalwährung Bitcoin in Millionenwert sowie ein ehemaliger Wegbegleiter und Ermittler belasteten Ulbricht vor der Jury. Einige Zeugen, die die Verteidigung für wichtig hielt, wurden vom Gericht nicht zugelassen.

Trotz der erdrückenden Beweislage bleiben Zweifel, ob Ulbricht wirklich Silk-Roads-Drahtzieher "Dread Pirate Roberts" ist - und ob nicht mehrere Personen unter dem Decknamen agieren. So sagte "Dread Pirate Roberts" dem US-Magazin "Forbes" im Juli 2013: "Ich habe Silk Road nicht gestartet, es war mein Vorgänger". Forbes-Redakteur Andy Greenberg, der das Interview führte: "Das Erste, was er mir sagte, war: 'es gibt mehrere Dread Pirate Roberts'".

Schon die Wahl des Pseudonyms spricht eher gegen einen Einzeltäter - es stammt aus dem Film "The Princess Bride" von 1987 und steht dort für einen Charakter ohne klare Identität. Einige Prozessbeobachter sehen in dem harten Durchgreifen der US-Regierung eine Art Exempel. So solle gezeigt werden, dass der Staat auch im sogenannten Darkweb die Kontrolle habe, hieß es am Rande der Verhandlung immer wieder.

Die US-Regierung hat über Monate versucht, Silk Road auszuheben - zumindest das Original, Nachahmerseiten sind noch immer online. Jared Der-Yeghiayan, ein Agent der Behörde Homeland Security, unterhielt als verdeckter Ermittler bis zu 18 Nutzerkonten bei Silk Road. Er arbeitete sich bis zum Administrator hoch und gewann das Vertrauen von "Dread Pirate Roberts". Über zwei Jahre habe er Tausende von Stunden auf der Plattform verbracht, sagte der Agent vor Gericht aus.

Im Oktober 2013 stellten die Ermittler die wohl entscheidende Falle: Der-Yeghiayan lockte Ulbricht unter einem Vorwand in einen Chat im Foren-Bereich von Silk Road und überführte ihn mutmaßlich durch eine markierte E-Mail, die dem Ermittler zufolge nur der wahre "Dread Pirate Roberts" erkennen konnte. Die Einsatzkräfte nahmen Ulbricht in einer Bibliothek fest, beschlagnahmten seinen Laptop und durchsuchten seine Wohnung in San Francisco.

Es waren neben Der-Yeghiayan noch etliche andere Geheimagenten im Einsatz. Einer von ihnen soll sich gegenüber Ulbricht sogar als Auftragskiller ausgegeben und ihm vorgegaukelt haben, für 40.000 Dollar einen unbequemen Silk-Road-Admin aus dem Weg geräumt zu haben. Obwohl es sich dabei um eine Täuschung handelte, könnte Ulbricht noch ein separater Prozess wegen Auftrags zum Mord gemacht werden.

Das Strafmaß soll im Mai verkündet werden. Ulbricht droht im schlimmsten Fall eine lebenslange Haftstrafe.

kry/AP/AFP/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.