Smartphone-Dienste ZDF plant App-Offensive

Die App der ARD-"Tagesschau" hat gerade die Eine-Million-Nutzer-Marke durchbrochen, jetzt geht das ZDF in die Offensive. Nach SPIEGEL-Informationen soll demnächst eine Mediathek-App starten. Kostenlos - und trotz der Kritik der Verleger.
ZDF-Programmdirektor Bellut, ZDF-Intendant Schächter: Alle Angebote kostenlos

ZDF-Programmdirektor Bellut, ZDF-Intendant Schächter: Alle Angebote kostenlos

Foto: Jörg Carstensen/ dpa

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Markus Schächter

Trotz aller Kritik von Verlegern setzen und weiter voll auf die Verbreitung ihrer Inhalte auf und -Computern. Die ARD hat gerade ihre kostenlose "Tagesschau"-Variante für iPhone und iPad gestartet - mehr als eine Million mal wurde sie bisher heruntergeladen - und nun wird auch das ZDF nachziehen. Spät, aber massiv. Noch in diesem Frühjahr soll eine App-Variante der ZDF-Mediathek online gehen, bereits im Sommer folgen "heute" und ZDF.de als App. Und für Januar 2012 ist der Start einer Sport-App geplant. Das geht aus einem Brief von Intendant an die Mitglieder des ZDF-Fernsehrats hervor, der dem SPIEGEL vorliegt. Alle Angebote wird das ZDF kostenlos anbieten.

Der Fernsehrat wird sich am Freitag mit der "Zugänglichkeit der ZDF-Onlineangebote über mobile Endgeräte" befassen. In dem Gremium sind auch zwei Vertreter des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger BDZV - der Verleger Hermann Balle und der Ehrenvorsitzende des Zeitungsverlegerverbandes Nordrhein-Westfalen Clemens Bauer.

"Kostenpflichtige Angebote zu Lasten der Verlage"

Apps

Die Verleger wollen ihre Inhalte über am liebsten kostenpflichtig anbieten und fürchten, dass kostenlose Angebote von ARD und ZDF ihnen dieses Geschäft unnötig erschweren. Wolfgang Fürstner, Chef des Branchenverbands der Zeitschriftenleger VDZ hatte die große Nachfrage nach der "Tagesschau"-App erst kürzlich als "schlagenden Beweis" dafür bezeichnet, dass kostenlose Angebote zu Lasten kostenpflichtiger Angebote der Verlage gehen.

Monika Piel

Schächter stellt sich in seinem Brief dieser Kritik der Verleger nur indirekt. Schon staatsvertraglich sei nichts anderes möglich, die Apps kostenlos anzubieten, so die Argumentationslinie des Intendanten. Die ARD-Vorsitzende hatte eine Bezahl-Lösung für die öffentlich-rechtlichen Apps kürzlich als möglichen Lösungsansatz für den Konflikt ins Spiel gebracht. Das ZDF dürfe "seine staatsvertraglich bestimmten und im Telemedienkonzept konkretisierten Angebote nicht entgeltlich anbieten", so Schächter nun. Da auch die neuen Apps für Angebote wie ZDFmediathek, zdf.de oder heute.de dem Abruf der auftragsgemäß verbreiteten Telemedien dienten, könnten sie "nicht Gegenstand kommerzieller Betätigung sein".

Etwas anderes, so Schächter, seien dagegen Angebote "außerhalb des gesetzlichen Auftrags". Solche Applikationen könnten als kommerzielle Tätigkeit durch die ZDF-Tochter ZDF-Enterprises angeboten werden. Als Beispiel nennt Schächter die Rezepte aus der Sendung "Lanz kocht", die bereits jetzt von ZDF Enterprises für iPhone und iPad angeboten werden - zum Preis von 1,59 Euro.

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