Bilder-App fürs Smartphone Snapchat rückt Bilder an Behörden heraus

Mit Snapchat lassen sich Bilder verschicken, die nach ein paar Sekunden für immer verschwinden sollen. Doch nun hat die Firma zugegeben: In mehreren Fällen haben Ermittler Zugriff auf Snapchat-Bilder bekommen.

Smartphone-Fotograf David Hasselhoff (Symbolbild): Bilder-App verrät Nutzer
DPA

Smartphone-Fotograf David Hasselhoff (Symbolbild): Bilder-App verrät Nutzer


Rund 350 Millionen Bilder werden mit der Smartphone-App Snapchat nach Angaben des Unternehmens jeden Tag verschickt. Nach ein paar Sekunden löschen sich die Bilder von selbst - Sender und Empfänger sollen sich keine Gedanken darüber machen müssen, ob die verschickten (Nackt-) Bilder ihnen irgendwann später unangenehmen sein könnten.

So richtig verlassen konnten sich die Nutzer allerdings nicht auf Snapacht, in vergangenen Versionen ließen sich vermeintlich gelöschte Bilder wieder herstellen. Lässt man die App in einem Emulator laufen, können die Bilder ebenso extrahiert werden - und wer schnell genug ist, kann vor dem Verschwinden der Bilder noch schnell einen Screenshot anfertigen.

Nun aber hat die Snapchat-Firma in einem Blogeintrag erklärt, dass die vermeintlich sicheren Nachrichten noch auf einem anderen Weg in fremde Hände gelangen: Werden Ermittler mit einem richterlichen Durchsuchungsbeschluss bei Snapchat vorstellig, kann die Firma noch nicht vom Empfänger geöffnete Nachrichten herausgeben.

Seit Mai dieses Jahres habe man rund ein Dutzend solcher richterlichen Beschlüsse erhalten und daraufhin "Snaps" ausgehändigt, wie die Bilder genannt werden. Nach Angaben des Snapchat-Sicherheitsbeauftragten Micah Schaffer haben zwei Mitarbeiter für solche Fälle Zugriff auf die Daten. Offenbar setzt das Unternehmen nicht auf eine sichere Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Hat ein Nutzer ein Bild abgerufen, soll es nicht mehr auf Snapchat-Servern liegen und ausgehändigt werden können.

Der Fall zeigt, dass Nutzer die Versprechen von vermeintlich sicheren Apps genau prüfen müssen. Setzt der Anbieter nicht auf eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, kann er von Gerichten zur Herausgabe der Daten gezwungen werden. In den USA, wo Snapchat seinen Sitz hat, regelt das ein Gesetz namens Electronic Communications Privacy Act.

ore

Mehr zum Thema


insgesamt 10 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
vhe 15.10.2013
1.
Zitat von sysopDPAMit Snapchat lassen sich Bilder verschicken, die nach ein paar Sekunden für immer verschwinden sollen. Doch nun hat die Firma zugegeben: In mehreren Fällen hat die Polizei Zugriff auf Snapchat-Bilder bekommen. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/snapchat-rueckt-bilder-an-behoerden-heraus-a-928014.html
Ich versteh jetzt nicht so ganz, wo das Problem ist. SnapChat verspricht, die Bilder zu löschen, nachdem sie ausgeliefert worden sind. Die Polizei hat Zugriffe auf Bilder bekommen, bevor sie ausgeliefert wurden. Wo ist jetzt der Widerspruch?
felisconcolor 15.10.2013
2. Es gibt keinen Widerspruch
Zitat von vheIch versteh jetzt nicht so ganz, wo das Problem ist. SnapChat verspricht, die Bilder zu löschen, nachdem sie ausgeliefert worden sind. Die Polizei hat Zugriffe auf Bilder bekommen, bevor sie ausgeliefert wurden. Wo ist jetzt der Widerspruch?
ist halt nur ein Grund über den Dienst nur Bienchen und Blümchen zu schicken
joachim_m. 16.10.2013
3. optional
Es wird Zeit, dass die US-Firmen in Europa massiv strafrechtliche und wirtschaftliche Sanktionen erwartet, wenn wie Daten von EU-Bürgern an die US-Dienste herausgeben. Und wer wie Paypal in Europa meint, den US-Boykott gegen Kuba durchsetzen zu müssen, sollte hier schlicht ein Betätigungsverbot erhalten. Mal sehen, ob die USA dann noch länger Lust hat, das Recht anderer Länder und die Menschenrechten zu verletzen, allein, unsere Regierungen in Europa sind auch nicht besser, nur etwas dezenter. Wieso regt sich heute überhaupt noch einer über die Stasi auf, die Stasi, die haben wir auch längst!
frank_w._abagnale 16.10.2013
4. Ein redlicher Bürger
Wer nichts zu verbergen hat, wird nichts dagegen haben können, dass die Behörden bei ihrer Ermittlungstätigkeit supportiert werden.
Graphite 16.10.2013
5. Omg
bitte nicht mit dem blödesten aller Argumente "wer nichts zu verbergen hat.." kommen. der Dienst tut das was er gesagt hat, er löscht die daten nach dem versand. woher die Behörden wissen (incl aller vorbereitungen) dass da was in der Pipeline ist ist allerdings fraglich
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.