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16. Mai 2014, 13:40 Uhr

Glenn Greenwalds Buch

Der Snowden-Thriller

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Ohne Edward Snowden wüsste die Welt nichts vom Komplettzugriff der NSA aufs Internet, vom massenhaftem Ausspähen. Ohne den Journalisten Glenn Greenwald auch nicht. Er hat über die Enthüllungen nun ein spektakuläres Buch geschrieben.

Vor rund einem Jahr saß Edward Snowden in einem Hotelzimmer in Hongkong. Der junge Mann hatte sich entschieden, die streng geheime Internetüberwachung der USA öffentlich zu machen. Er hatte dafür seine Heimat verlassen, seine Freundin, seine Familie. Ihm war klar, dass ihn sein Geheimnisverrat mindestens ins Gefängnis bringen könnte.

Nur eines sollte nicht passieren: Snowden wollte sein Leben nicht umsonst aufgegeben haben. Seine NSA-Enthüllungen sollen eine öffentliche Debatte auslösen. Um das sicherzustellen, vertraute er sich den Journalisten Glenn Greenwald und Laura Poitras an. Über diese Zusammenarbeit und die Folgen hat der rastlose Greenwald nun ein Buch geschrieben: "No Place to Hide", in der deutschen Fassung einfallslos "Die globale Überwachung".

Snowden hat den beiden Journalisten ein Archiv übergeben, eine Sammlung streng geheimer Dokumente aus dem Innenleben der NSA - der größte Geheimnisverrat in der Geschichte des Geheimdienstes. Weltweit klinkt sich die NSA in den Datenverkehr ein, zum Teil mit Hilfe von Unternehmen und befreundeten Geheimdiensten, weitgehend ohne Aufsicht und Schranken - ein Skandal, der seit Monaten die Welt erschüttert, politische und wirtschaftliche Beziehungen belastet.

Das Buch ist auch für technische Laien verständlich

Wenn Greenwald beschreibt, wie er und Poitras ihre Quelle in Hongkong treffen, wie die ersten Artikel entstehen und wie die Zusammenarbeit mit dem "Guardian" fast scheitert, liest sich das wie ein Thriller. Kein Wunder, dass sich Sony Pictures die Filmrechte gesichert hat und die "James Bond"-Produzenten Michael Wilson und Barbara Broccoli auf das Projekt angesetzt hat.

Wichtiger noch - und ebenso gelungen - ist die Beschreibung des geradezu wahnhaften NSA-Systems zur weltweiten Überwachung sämtlicher Kommunikation. Vieles davon haben Greenwald und Kollegen, darunter auch vom SPIEGEL, bereits enthüllt. Gut verständlich erklärt er, was sich hinter Programmen wie XKeyscore, Prism und Blarney verbirgt, ohne technisch weniger versierte Leser abzuschrecken.

Vor allem ist das Buch eine messerscharfe Analyse und Einordnung der NSA-Aktivitäten. Greenwald zeigt, wie die US-Regierung spätestens seit dem 11. September 2001 im Namen der "nationalen Sicherheit" mit allerlei Sonderrechten die Verfassung und die darin verbrieften Bürgerrechte aushöhlt. Greenwald warnt: Weil Privatsphäre so wichtig ist, jeder von uns etwas zu verbergen hat und uns das erst zu freien Menschen macht, ist die Massenüberwachung so gefährlich.

Den amerikanischen Medien wirft er Duckmäusertum vor

Vor diesem Hintergrund erscheinen viele Auszüge aus den geheimen Dokumenten geradezu grotesk, etwa wenn ein NSA-Mitarbeiter einen eigenen Fehler bei seinen Vorgesetzten meldet - er hatte aus Versehen illegalerweise einen US-Bürger ausgeforscht - und er die lapidare Rückmeldung bekommt: kein Grund zur Sorge. Metadaten über US-Bürger werden ohnehin gesammelt. Auf anderen Folien ist davon die Rede, sich einfach alle Internetdaten abzugreifen und zu speichern: "Collect it all".

An den hehren Motiven seines Helden lässt Greenwald keinen Zweifel. Snowden erscheint in dem Buch so aufgeräumt und langweilig wie in dem Video aus dem Hotelzimmer in Hongkong, mit dem er sich vor bald einem Jahr der Öffentlichkeit stellte: ein schlauer junger Mann, der über sich hinausgewachsen ist und die Welt verändert hat. Denn wer nicht nach seinen Überzeugen handele, so zitiert ihn Greenwald, der habe am Ende gar keine.

Ebenso setzt sich Greenwald mit den US-Medien auseinander, denen er eine zu große Nähe zur Regierung und Duckmäusertum vorwirft. Ausführlich beschreibt er, wie er von Journalisten-Kollegen als "Blogger" und "Aktivist" bezeichnet wird - dem ersten Schritt zur Strafverfolgung durch die Regierung. Unter Obama, klagt Greenwald, sei die Verfolgung von Whistleblowern und die Einschüchterung von Journalisten so schlimm wie seit der Nixon-Ära nicht mehr.

Für Greenwald, der bereits mehrere Bücher verfasst und sich einen Namen als Verfechter von Bürgerrechten gemacht hat, ist es die Story seines Lebens. Das merkt man auch: Das Buch ist engagierter, furchtloser Journalismus. Dabei ist das, was er darin beschreibt, wirklich zum Fürchten.

Glenn Greenwald: Die globale Überwachung. Der Fall Snowden, die amerikanischen Geheimdienste und die Folgen. Droemer Verlag; 368 Seiten; 19,99 Euro.

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