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Ex-CIA-Analyst behauptet Edward Snowdens Laptops enthielten keine Geheimnisse

Was war auf den vier Laptops, die NSA-Whistleblower Edward Snowden bei seinem Flug von Hawaii nach Hongkong mitnahm? Nun sagt ein ehemaliger CIA-Analyst, der Snowden besucht hat: Die Laptops waren nur ein Ablenkungsmanöver.

Moskau - Vier Laptops hatte Whistleblower Edward Snowden im Gepäck, als er von Hawaii nach Hongkong flog, um von dort aus den NSA-Überwachungsskandal loszutreten. Seit seinen ersten Enthüllungen bekräftigen Geheimdienstvertreter immer wieder, dass man davon ausgehen müsse, dass sowohl China als auch Snowdens jetziges Gastland Russland Zugriff auf die Rechner hatten - und damit auf die Geheimdokumente. Snowden hatte das stets bestritten.

Nun sagt ein ehemaliger CIA-Mitarbeiter, der Snowden vergangene Woche besuchte: Die Laptops waren nur ein "Ablenkungsmanöver". Ray McGovern, der früher für die CIA als Analyst tätig war, erklärte, die geheimen Dokumente hätten sich auf kleineren Datenträgern wie USB-Sticks und Festplatten befunden. Auf den Laptops sei "nichts" gespeichert gewesen. Die tatsächlichen geheimen Daten seien auch nicht den chinesischen Behörden übergeben worden.

Geschützt von russischen Sicherheitsleuten

Snowden hatte sich vergangenen Mittwoch in Russland mit McGovern und zwei weiteren ehemaligen Geheimdienstleuten getroffen, die allesamt zu Kritikern des Systems geworden sind. Neben McGovern gehörten zu der Delegation die ehemalige FBI-Agentin Coleen Rowley, die frühere Mitarbeiterin des US-Justizministeriums Jesselyn Radack und der ehemalige NSA-Beamte Thomas Drake, den die US-Regierung wegen angeblichen Geheimnisverrats im Zusammenhang mit einem NSA-Projekt namens "Trailblazer" verklagt hatte. Drake hatte eine hohe Position innerhalb der NSA bekleidet und war 2001 ausgestiegen. Letztendlich wurden die meisten Anklagepunkte gegen ihn fallengelassen, bis auf einige vergleichsweise harmlose, derer Drake sich schuldig bekannte. Die Gruppe war nach Moskau gereist, um Snowden einen Preis für "Integrität im Geheimdienstgeschäft" zu verleihen.

McGovern sagte der Nachrichtenagentur Reuters, Snowden habe Drake als "Vorbild" für seine Entscheidung genannt, die Überwachungsinfrastruktur der NSA öffentlich zu machen. Snowden bereue seine Entscheidung nicht. Er sei in Russland "gut geschützt" und könne "so ziemlich das tun, was er will". McGovern verriet nicht, wo die Gruppe Snowden getroffen hatte. Sie seien jedoch mit Metalldetektoren überprüft worden. Snowden werde augenscheinlich von russischen Sicherheitsbeamten bewacht.

"Eine sehr gefährliche Zeit für Whistleblower"

Die Enthüllungsplattform WikiLeaks hatte am Wochenende ein Video von dem Treffen und der Preisverleihung veröffentlicht. Die US-Anwältin Jesselyn Radack, die ebenfalls an dem Treffen teilnahm, warnte Snowden vor einer Rückkehr in die Vereinigten Staaten. "In den USA ist jetzt eine sehr gefährliche Zeit für Whistleblower", sagte sie dem Kreml-nahen russischen Fernsehsender RT.

Russland hat dem früheren Mitarbeiter des Geheimdienstes NSA, der mit seinen Enthüllungen über die US-Spähprogramme weltweit für Furore gesorgt hatte, vorläufiges Asyl gewährt. Snowden war am 23. Juni aus Hongkong kommend auf dem Moskauer Flughafen Scheremetjewo gelandet. Anschließend saß er dort länger als einen Monat fest.

Die USA fordern seine Auslieferung. Sie wollen Snowden wegen Geheimnisverrats vor Gericht stellen. Zuletzt war bekannt geworden, dass der US-Geheimdienst CIA bereits 2009 auf Snowden aufmerksam geworden sein soll - weil er unberechtigterweise auf Daten zugreifen wollte. Russland lehnt eine Abschiebung Snowdens in die USA ab.

Der Whistleblower hatte sich in dieser Woche mit seinem Vater getroffen, der dafür nach Russland gereist war. Sein Sohn sei dort frei und sicher, sagte Lon Snowden. Dafür sei er sehr dankbar. Zwar sei er nicht der Sprecher seines Sohnes; allerdings habe er Zweifel, ob Edward Snowden gefahrlos in die USA zurückkehren könne.

Russland macht dieser Tage einmal mehr durch eigene Programme zur Internet- und Telekommunikationsüberwachung von sich reden.

cis/chs/Reuters
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