Digital News Report 2020 Jugendliche informieren sich bei Instagram über Corona

Soziale Netzwerke werden für den Nachrichtenkonsum junger Erwachsener in Deutschland immer wichtiger, auch beim Thema Corona. Das Vertrauen in die Medien geht derweil weiter zurück - weltweit.
Smartphone-Nutzer vor dem Instagram-Logo

Smartphone-Nutzer vor dem Instagram-Logo

Foto: Dado Ruvic/ REUTERS

Wer deutsche Jugendliche über die Auswirkungen der Corona-Pandemie informieren will, ist bei Instagram durchaus richtig. Denn das Netzwerk, in dem sonst Influencer neue Küchengeräte zeigen oder entfernte Bekannte ihren Brunch fotografieren, wird als Nachrichtenquelle immer wichtiger. Das geht aus dem diesjährigen "Reuters Institute Digital News Report" hervor (hier als PDF ).

Dabei werden jährlich Onlineumfragen in zahlreichen Ländern durchgeführt und einheitlich ausgewertet. In Deutschland befragte das Umfrageinstitut YouGov rund 2000 Personen, damit gilt die Studie als repräsentativ. 

Der Untersuchung zufolge informierten sich zuletzt 38 Prozent der 18- bis 24-Jährigen bei Instagram über das Coronavirus. Anders als in Großbritannien oder den USA ist die Fotoplattform hierzulande unangefochten. Betrachtet man die Trends der letzten Jahre, wirkt das kaum überraschend. Bei der Befragung im Jahr 2019 hatten noch 22 Prozent der jungen Erwachsenen in Deutschland soziale Medien als wichtigste Nachrichtenquelle angegeben. Ein Jahr später liegt dieser Wert bei 30 Prozent. Fast jeder Zehnte bezieht seine Nachrichten ausschließlich über soziale Medien.

Ist das nun schlimm? Nicht unbedingt, so der "Digital News Report". Grundsätzlich seien Konsumenten klassischer Medien über das Coronavirus zwar besser informiert gewesen, was man von Nutzern, die ihre Nachrichten aus sozialen Medien holten, im Durchschnitt nicht behaupten könne. Aber: Sie waren "entgegen einiger Befürchtungen auch nicht falsch informiert", so die Forscher.

Die Angst vor der Verbreitung falscher Nachrichten ist hoch

Für seinen diesjährigen Report hat das in London ansässige Institut Umfragen in insgesamt 40 Ländern auf sechs Kontinenten ausgewertet. Die meisten Daten wurden dabei im Januar und Februar erhoben, kurz bevor die Auswirkungen der Corona-Pandemie Wirtschaft und Gesellschaft in vielen Ländern lahmlegten. In sechs Ländern, darunter in Deutschland, wurde im April eine zweite Befragung durchgeführt. Viele der bereits beobachteten Trends hat die Coronakrise verstärkt.

  • Grundsätzlich sind mehr Menschen bereit, für Onlinejournalismus zu zahlen. Insgesamt aber ist die Bereitschaft noch immer gering. Nur zehn Prozent der Deutschen gaben an, in den vergangenen zwölf Monaten für Nachrichten im Netz bezahlt zu haben. In den USA waren es doppelt so viele, in Norwegen etwa 42 Prozent.

  • Die Angst vor der Verbreitung von Fake News ist weiterhin hoch. Die verdächtige Quelle aber unterscheidet sich von Land zu Land. In den USA, Brasilien oder Südafrika fürchtet man vor allem Falschnachrichten aus dem Mund von Politikern. In Deutschland ist die Angst vor dem Einfluss ausländischer Regierungen größer.

  • Älteren Internetnutzern ist unabhängiger Journalismus deutlich wichtiger als jüngeren: 88 Prozent der über 55-Jährigen halten ihn für das Funktionieren einer Gesellschaft für unerlässlich. Bei den 18- bis 24-Jährigen sagen das nur knapp 56 Prozent.

Insgesamt setzt sich dem Report zufolge der Vertrauensverlust in die Medien weltweit fort. Immer weniger Menschen sagen, sie vertrauen "den meisten Nachrichten", die sie konsumieren. 38 Prozent stimmen dieser Aussage zu, das sind vier Prozentpunkte weniger als in der letzten Untersuchung. Die größten Einbußen gab es in Hongkong und Chile, wo die politische Berichterstattung über Proteste und Demonstrationen Einfluss auf das Vertrauen in lokale Medien hatte.

58 Prozent der Befragten vertrauen der "Bild"-Zeitung nicht

Noch um einiges geringer ist der Glaube an eine ehrliche Berichterstattung allerdings in Großbritannien. Nur 28 Prozent der Briten vertrauen auf die Richtigkeit der Nachrichten, die sie lesen, hören oder sehen.

Obwohl die Berichterstattung über Corona-Themen vielen Medien Leser zurückbrachte, litten auch Journalisten hierzulande an einem graduellen Vertrauensverlust. 45 Prozent der Befragten glauben den meisten News, die sie konsumieren, ein Abstieg um zwei Prozentpunkte. Fast allen Zeitungen, Verlagen, Sendeanstalten und Medienhäusern wurde 2020 eher misstraut als noch vor einem Jahr. Nirgends aber zeigt sich der Zweifel so groß wie bei der "Bild"-Zeitung. 58 Prozent der Befragten sagen, sie vertrauten dem Boulevardblatt nicht.

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