Soziale Netzwerke Millionen Minderjährige tricksen Facebook aus

Sie geben ein falsches Geburtsdatum ein und umgehen die Zugangskontrollen: Etwa 7,5 Millionen Kinder sind laut einer Studie verbotenerweise bei Facebook angemeldet. Nun warnen Verbraucherexperten aus den USA vor den Gefahren - und SchülerVZ wittert seine Chance.
Facebook: Neu angemeldete Nutzer müssen ihr Profil selbst abschotten

Facebook: Neu angemeldete Nutzer müssen ihr Profil selbst abschotten

Foto: AFP

Hamburg - Facebook ist für sie tabu, doch sie melden sich trotzdem an: Knapp 7,5 Millionen Facebook-Nutzer in den USA sind jünger als 13 Jahre. Das besagt eine Studie im Auftrag des Magazins "Consumer Reports" . Das Problem: Sie alle verstoßen gegen die Regeln des Netzwerks. Denn anmelden dürfen sich laut den allgemeinen Geschäftsbedingungen nur Nutzer, die mindestens 13 Jahre alt sind. Die Auftraggeber der Studie sehen darin ein großes Risiko: Eine Million minderjährige Mitglieder seien bereits auf der Seite gemobbt, belästigt oder sogar bedroht worden, mahnen die Erwachsenen.

Insgesamt geht die Studie von 20 Millionen Nutzern in den USA aus, die jünger als 16 Jahre sind, Facebook selbst gibt die Anzahl mit knapp 35 Millionen an. Davon seien 5 Millionen Nutzer gerade einmal zehn Jahre alt oder jünger. Diese Zahl haben Forscher anhand einer Befragung von mehr als 2000 Haushalten in den USA ermittelt. Die Auftraggeber der Studie werfen den Eltern dieser Kinder vor, ihre Aufsichtspflicht zu verletzen. Es sei beunruhigend, dass die Mehrheit der Eltern von Kindern, die jünger als zehn Jahre sind, "weitgehend unbekümmert ihre Kinder die Seite nutzen lassen", sagt Jeff Fox, ein Redakteur des Verbraucher-Magazins.

Und wer seine Kinder unkontrolliert bei einem sozialen Netzwerk walten lässt, nehme ein Sicherheitsrisiko für den Nachwuchs in Kauf. Laut dem Bericht waren allein in den USA im vergangenen Jahr mehr als 5 Millionen Haushalte von einer Art des Datenmissbrauchs betroffen, darunter Identitätsdiebstähle und vireninfizierte Rechner. Auch würden die Kinder bei Facebook häufig Opfer von Mobbing-Attacken. Der Nachwuchs müsse vor Bedrohungen im Netz geschützt werden, heißt es in der Studie. Vor betrügerischen Links, die auf infizierte Seiten führen, und vor Einladungen von Fremden.

SchülerVZ sagt Facebook den Kampf an

Das deutsche Angebot SchülerVZ versucht, zumindest auf diesem Gebiet gegenüber dem Konkurrenten Facebook gut dazustehen. Die Nutzer (sie müssen laut Nutzungsbedingungen mindestens zwölf Jahre alt sein) werden nur über eine Einladung von einem anderen Mitglied aufgenommen. Die Profile sind bei einer Neuanmeldung standardmäßig auf die höchste Privatsphäre-Einstellung gestellt. Für Suchmaschinen sind die zurzeit angemeldeten fünf Millionen Profile nicht erreichbar. Bei Facebook müssen Mitglieder ihr Profil zunächst manuell nach außen hin abschotten. Eine Sprecherin sagte gegenüber SPIEGEL ONLINE: "Wir bieten den Nutzern einen höheren Schutz und grenzen uns damit deutlich von der Konkurrenz ab."

Die Betreiber des SchülerVZ entsprechen damit bereits vielen Vorgaben einer Selbstverpflichtung, die von der EU-Kommission entwickelt worden ist. Darin werden die Betreiber der sozialen Netzwerke aufgerufen, Profile Minderjähriger grundsätzlich nur so einzustellen, dass sie für Fremde und Suchmaschinen nicht erreichbar seien.

Und der verordnete Schutz der Jugendlichen scheint nötig zu sein: Nach einer Umfrage der EU-Kommission, bei der europaweit rund 25.000 Kinder und Jugendliche zu ihren Online-Aktivitäten befragt wurden, wissen insbesondere Jüngere oft nicht, wie sie sich gegen Einblicke von Fremden schützen. Knapp 40 Prozent der deutschen Elf- und Zwölfjährigen wissen demnach nicht, wie sie ihre Privatsphäre-Einstellungen verändern können.

Bei Facebook heißt es, man fördere "die Kommunikation zwischen den Eltern und den Kindern" über den Umgang mit dem Internet. "Genauso wie die Eltern ihren Kindern immer wieder beibringen und sie daran erinnern, wie man sicher die Straße überquert, sollte es eine ebenso wichtige Lektion sein, über Sicherheit im Internet zu sprechen", sagte Facebook-Sprecher Andrew Noyes.

Alterskontrollen im Netz sind leicht zu umgehen

Doch bereits bei der Anmeldung patzen die meisten sozialen Netzwerke. Denn um sich anzumelden, geben viele junge Anwender einfach ein falsches Geburtsdatum an. Es gebe "keine Lösung, die garantiert, dass jüngere Kinder das System nicht umgehen oder ein falsches Alter eingeben", sagt Andrew Noyes. Und auch bei SchülerVZ ist man sich dieses Problems bewusst. "Wir können nicht hundertprozentig garantieren, dass sich Kinder unter zwölf Jahren anmelden", sagte eine VZ-Sprecherin gegenüber SPIEGEL ONLINE. Die Betreiber des SchülerVZ sind darauf angewiesen, dass Nutzer es melden, sobald ihnen ein verdächtiges Profil auffällt.

"Consumer Reports" rät den Eltern, die Facebook-Accounts ihrer minderjährigen Kinder zu löschen. Sobald die Kinder alt genug für Facebook sind sind, sei es empfehlenswert, die Aktivitäten der Teenager zu beobachten - entweder selbst als Facebook-Kontakt oder über den Account von Geschwistern und Freunden.

jbr/AFP/dpa
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