Onlinebanking bei der Sparkasse Die Mär von der Soester Klick-Abzocke

Jeder Klick auf der Website kostet extra? Die Sparkasse Soest wird für ein ungewöhnliches Bezahlmodell beim Onlinebanking attackiert. Der Haken an der Geschichte: Ganz so schlimm ist es nicht.
Website der Sparkasse Soest

Website der Sparkasse Soest

Bei der Sparkasse Soest, in der Nähe von Dortmund, ist viel los am Freitagmorgen. Die Pressestelle wird von Anfragen überhäuft, der Vorstand wird einbezogen, schließlich werden alle Journalistenanfragen abgeblockt und an den Sparkassenverband weitergeleitet. Der Grund für den Aufruhr: Die Standardgebühr eines ungewöhnlichen Bezahlmodells beim Onlinebanking soll von ein auf zwei Cent erhöht werden.

Über die Klickgebühren hatte zunächst der "Soester Anzeiger" berichtet , mit der Überschrift "Sparkasse Soest bittet Kunden für jeden Klick zur Kasse". Zahlreiche Medien haben die Geschichte daraufhin aufgegriffen und betiteln sie teils mit Schlagzeilen wie "Sparkasse Soest spinnt! Onlinebanking-Nutzer müssen pro einzelnem Klick zahlen!" .

Der Tenor vieler Artikel: Wer Onlinebanking bei der Sparkasse Soest nutzt, der muss sich jeden Klick gut überlegen. Schließlich würde die Bank bei Kontoführungsgebühren von 3,50 Euro im Monat jedes Mal einen Cent abkassieren, wenn Kunden beim Online-Banking auf ihre Maustaste drücken. Und künftig soll sie pro Klick sogar zwei Cent verlangen.

Doch ein solches Pay-per-Click-Modell wäre ziemlich ungewöhnlich für eine Bank. Um den Standardtarif von fünf Euro nicht zu überschreiten, dürften die Kunden der Sparkasse bald nicht öfter als 75 Mal auf die Website der Sparkasse klicken. Das wäre ganz schön wenig, wenn zu den Klicks für den Abruf des Kontostands noch welche etwa für den Blick auf die Öffnungszeiten einer Filiale hinzukommen.

"Keine Sonderlösung für die Sparkasse Soest"

Und tatsächlich gibt es eine solche Klickzählung nach Angaben des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) gar nicht. "Es ist Unsinn, dass jeder Klick auf die Website Geld kostet", sagt DSGV-Sprecher Alexander von Schmettow SPIEGEL ONLINE. Das gebe es bei keiner Sparkasse, da alle Banken auf den gleichen IT-Dienstleister beim Online-Banking setzen. "Es gibt keine Sonderlösung für die Sparkasse Soest."

Alles, was Geld koste beim Spartarif, seien einzelne, konkrete und ausgewählte Aktionen wie die Anzeige des Kontostands, Einrichten eines Dauerauftrags und Überweisungen. Dafür zahlen die Kunden bislang jeweils einen und künftig zwei Cent. Eine solche Abrechnung sei bei einigen Banken üblich, damit die Kosten gedeckt werden, die der Dienstleister in Rechnung stellt.

Nach Angaben des Verbands nutzen rund zehn Prozent der 50.000 Kunden der Sparkasse Soest den günstigeren Kontoführungstarif, der 1,50 Euro weniger kostet als das Paket mit komplett kostenlosem Onlinebanking. Bei diesen Kunden sei aber nicht viel zu holen, sagt von Schmettow, da es sich größtenteils um Menschen handle, die auf Onlinebanking sowieso komplett verzichten und die ihre Kontoauszüge lieber am Bankautomaten ausdrucken würden. So skandalös wie in manchem Artikel beschrieben ist das Soester Modell also wohl eher nicht.

Gebühren fürs Onlinebanking sehen Verbraucherschützer aber trotzdem generell sehr skeptisch. "Das Girokonto ist als Umsatzbringer in den Fokus der Banken gerückt", sagt Markus Feck von der Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfalen SPIEGEL ONLINE: "Es ist schon paradox, dass Banken die Kunden zum Onlinebanking drängen, um Geld zu sparen - und dann Gebühren durch die Hintertür einführen."

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