Spionage Chinesische Hacker zapften US-Handelskammer an

Die mächtige US-Handelskammer ist Opfer eine Hacker-Attacke geworden: Ein halbes Jahr lang sollen Unbekannte aus China eine Hintertür zum Server genutzt und Daten kopiert haben, berichtet das "Wall Street Journal". Die Ermittler entdeckten ein interessantes Muster bei den Spähaktionen.

US-Handelskammer in Washington (Archivbild): Ziel von Hacker-Angriffen
AFP

US-Handelskammer in Washington (Archivbild): Ziel von Hacker-Angriffen


Mindestens sechs Hintertüren sollen chinesische Hacker im Rechnernetz der US-Handelskammer installiert haben - und die Lobby-Organisation der US-Wirtschaft in Washington über Monate systematisch ausgeforscht haben. Über die Sicherheitslücke, die bereits im Mai 2010 entdeckt und geschlossen wurde, berichtet nun das "Wall Street Journal" unter Berufung auf mehrere mit der Sache vertraute Personen.

Dem Bericht zufolge soll es sich um eine ausgeklügelte Operation gehandelt haben, bei der vier mit Asien betraute Mitarbeiter ausgespäht wurden. Was genau die Hacker alles kopieren konnten, ist bisher unklar. Der E-Mailverkehr von sechs Monate der Asien-Experten soll aber dazu gehören. Die Handelskammer mit ihren rund 300.000 Mitgliedern gab an, dass maximal 50 ihrer Mitglieder von der Spähattacke betroffen seien und ein Schaden bisher nicht erkennbar sei.

Außerdem sollen die Angreifer ein Programm installiert haben, das Dokumente automatisch auf bestimmte Stichwörter hin durchsuchte. Alle ein bis zwei Wochen sei automatisch eine Verbindung zu Computern in China hergestellt worden.

Das "Wall Street Journal" berichtet, dass die US-Bundespolizei FBI die Lobbyorganisation auf den Einbruch aufmerksam gemacht hat. Es soll Hinweise geben, dass die Hacker von November 2009 bis Mai 2010 Zugriff auf das System hatten. Dem Bericht zufolge handelt es sich bei den Angreifern um eine bekannte Hacker-Gruppierung aus China.

Ein Sprecher des chinesischen Außenministerium sagte, ihm sei der Vorfall nicht bekannt und verwies darauf, das Hacker-Angriffe gesetzlich verboten seien. China bezeichnet sich selbst als Opfer von Spähattacken. Experten wie Washingtons langjähriger Anti-Terror-Chef Richard Clarke gehen aber davon aus, dass die Regierung Hacker-Angriffe mindestens toleriert, wenn nicht sogar verdeckt in Auftrag gibt. Zwischen China und den USA herrscht ein regelrechter Hacker-Krieg, oft geht es dabei um Industriespionage.

Die Professionalität der Angreifer zeigt sich nicht nur in den gewählten Angriffstechniken. Wie das "Wall Street Journal" berichtet, hätten die Ermittler geregelte Arbeitszeiten bei den Angreifern festgestellt - wie zuvor schon bei anderen Angriffen. Am Wochenende pausierten die Hacker offenbar. Das machten sich die Techniker der US-Handelskammer zu nutze: Sie tauschten an den Ruhetagen Computer aus und verbesserten die Sicherheitsmaßnahmen.

ore



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