Springer-Chef Döpfner "Wir haben Angst vor Google"

Springer-Chef Döpfner kritisiert die Macht des Internetriesen Google. Dabei sieht er sich als Vorreiter im Kampf Davids gegen Goliath: Obwohl er von Google abhängig sei, prangert er dessen "globales Netzmonopol" an.
Matthias Döpfner (Archivbild): "Wir - und viele andere - sind von Google abhängig"

Matthias Döpfner (Archivbild): "Wir - und viele andere - sind von Google abhängig"

Foto: Michael Kappeler/ picture alliance / dpa

Frankfurt - Die Dominanz des US-Internetriesen Google macht dem Medienkonzern Axel Springer Sorgen. "Wir haben Angst vor Google", schreibt Springer-Chef Mathias Döpfner in einem Gastbeitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Von den Algorithmen von Google hänge der gesamte Werbemarkt im Internet ab. "Wir - und viele andere - sind von Google abhängig", so Döpfner.

Mit seiner Kritik sieht Döpfner sich in einer Vorreiterrolle: "Ich muss das einmal so klar und ehrlich sagen, denn es traut sich kaum einer meiner Kollegen, dies öffentlich zu tun. Und als Größter unter den Kleinen müssen wir vielleicht auch in dieser Debatte als Erste Klartext reden", erklärte der Vorstandschef des Medienkonzerns, der die Zeitungen "Bild" und "Welt" herausgibt.

Erst in der vergangenen Woche hatte Google-Verwaltungsratschef Eric Schmidt in einem Gastbeitrag für die "FAZ" bei deutschen Verlagen um eine bessere Zusammenarbeit geworben. Er verwies dabei auf die Partnerschaft mit dem Springer-Verlag zur automatisierten Werbevermarktung im Netz und auf mobilen Geräten.

Die Verlage streiten mit Google darüber, ob der Suchmaschinenkonzern für Textteile von Presseerzeugnissen den Verlagen eine Gebühr bezahlen muss. Das US-Unternehmen lehnt dies ab. Nach dem deutschen Leistungsschutzrecht dürfen Internetsuchmaschinen wie Google nur noch einzelne Wörter oder "kleinste Textteile" unentgeltlich anzeigen.

"Plant Google allen Ernstes den digitalen Suprastaat?"

In der "FAZ" kritisierte Döpfner, dass Google ein "globales Netzmonopol" darstelle, transparente und faire Kriterien im Umgang mit Wettbewerbern gebe es nicht.

Google befindet sich seit Jahren in einem Rechtsstreit mit der EU-Kommission über die Marktmacht des Internetgiganten. Mehrere Unternehmen hatten sich über Google beschwert und dem Konzern vorgeworfen, bei der Suchmaschine auf unfaire Weise eigene Dienste in den Vordergrund zu stellen. Laut Döpfner zeigt die Kommission sich dem Umgang mit diesem Problem nicht gewachsen.

Besorgt äußert sich Döpfner zudem über den jüngsten Zukauf des Internetriesen: der Drohnen-Hersteller Titan Aerospace.

Google gelte seit einiger Zeit als Unterstützer geplanter riesiger Schiffe und schwimmender Arbeitswelten, die auf offenem Meer, also in staatenlosem Gewässer, kreuzen und operieren können. Döpfner interpretiert: Der Google-Gründer und Großaktionär Larry Page "träumt von einem Ort ohne Datenschutzgesetze und ohne demokratische Verantwortung." Für Döpfner hat das Potential für ein Worst-Case-Szenario: "Plant Google allen Ernstes den digitalen Suprastaat, in dem ein Konzern seinen Bürgern selbstverständlich nur Gutes und natürlich 'nichts Böses' tut?"

Korrektur: Eine frühere Version dieses Artikels erweckte der Eindruck, Mathias Döpfner stelle in seinem Beitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" eine Verbindung zwischen dem von Google gekauften Unternehmen Titan Aerospace und "schwimmenden Arbeitswelten" her. Tatsächlich schrieb Döpfner, Google selbst gelte als Unterstützer solcher Wohn- und Arbeits-Schiffe, nicht das Drohnen-Unternehmen. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

sun/Reuters