Strahlen-Angst Europarats-Ausschuss fordert Handyverbot an Schulen

Handys raus aus den Schulen, Schnurlostelefone auch, W-Lans im Klassenzimmer abschaffen: Ein Ausschuss des Europarats erhebt in einem Arbeitspapier weitreichende Forderungen. Der Ausschuss wittert Gefahr durch elektromagnetische Strahlung - trotz mangelnder Beweise.
Kleinkind mit Handy: "Unbedachter und fortgesetzter Umgang"

Kleinkind mit Handy: "Unbedachter und fortgesetzter Umgang"

Foto: Corbis

Straßburg - Wenn man irrt, dann doch lieber in Richtung zu großer Besorgnis als zu geringer - so könnte man die Stellungnahme zusammenfassen, die ein Ausschuss des Europarates entworfen hat. Es geht um elektromagnetische Strahlung, von Hochspannungsleitungen oder Mobiltelefonen etwa, und um deren tatsächliche oder vermeintliche Wirkung auf Mensch und Umwelt. Die radikalste Forderung in der Beschlussvorlage  des Ausschusses für Umwelt, Landwirtschaft, lokale und regionale Angelegenheiten: Mobiltelefone, schnurlose DECT-Telefone und W-Lan-Systeme sollten aus Klassenzimmern und Schulgebäuden verbannt werden, zum "Schutz von Kindern und Jugendlichen".

Außerdem sollten die zuständigen Ministerien "Informationskampagnen entwickeln", um Lehrer, Eltern und Kinder über "die spezifischen Risiken frühen, unbedachten und fortgesetzten Umgangs mit Mobiltelefonen und anderen Geräten aufzuklären, die Mikrowellenstrahlung abgeben".

Der Haken an der Sache: Belege für diese vermeintlichen "Risiken" gibt es derzeit keine. Internationale Studien haben bislang nie Zusammenhänge zwischen elektromagnetischer Strahlung wie der von Handys und Krankheiten nachgewiesen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO  und andere Organisationen haben erklärt, es gebe keine Hinweise auf Krankheitsrisiken durch Mobilfunkstrahlung.

Die Vertreter des Ausschusses des EU-Rats aber ficht das nicht an - sie empfehlen vorsichtshalber höhere Grenzwerte und eben das Handy- und W-lan-Verbot für Schulen, neben einem ganzen Bündel anderer Maßnahmen. Begründung: "Darauf zu warten, dass es ein hohes Niveau klinischer und wissenschaftlicher Beweise gibt, kann zu sehr hohen gesundheitlichen und wirtschaftlichen Kosten führen, wie das in der Vergangenheit bei Asbest, verbleitem Benzin oder Tabak der Fall war."

Die Beschlussvorlage wird nun der parlamentarischen Versammlung des Europarats vorgelegt, nicht zu verwechseln mit dem Europäischen Parlament. Der Europarat hat 47 Mitgliedsstaaten und residiert in Straßburg. Er hat keinen direkten Einfluss auf die Regierungen Europas, bemüht sich aber dennoch, auf Entscheidungen und politische Entwicklungen einzuwirken.

cis
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