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05. November 2010, 18:39 Uhr

Street-View-Testlauf

Datenschützer wirft Google Vertragsbruch vor

Pixel-Problem bei Google: Erst waren beim Test von Street View zum Teil Häuser zu erkennen, deren Eigentümer das untersagt hatten, dann erklärte Google das mit einer technischen Panne. Hamburgs Datenschützer wundert die Erklärung: Google habe sich verpflichtet, die Daten so erst gar nicht zu speichern.

Der Probelauf des Straßenfotodienstes Street View im Provinzstädtchen Oberstaufen lief gut für Google: Anfang der Woche gab es Begrüßungstorten und warme Worte im Allgäu für die von Politikern immer wieder gern und heftig kritisierten Straßenpanoramen. Schließlich war Oberstaufen die erste deutsche Gemeinde, die bei Street View zu sehen war. Dann stellte sich heraus, dass die Verpixelung nicht perfekt funktionierte, die Häuser im Netz unkenntlich machen sollte, deren Besitzer der Veröffentlichung widersprochen hatten. Von dem Fehler waren laut Google in Oberstaufen fünf Häuser betroffen.

Nun wirft auch noch Hamburgs Datenschutzbeauftragter Johann Caspar Google vor, das Unternehmen habe mit der Oberstaufen-Veröffentlichung gegen eine Vereinbarung verstoßen.

Das Problem: Laut Google waren bei der Oberstaufen-Veröffentlichung die eigentlich zu verpixelnden Aufnahmen auf bestimmten Endgeräten wie iPhone und iPad, nicht aber im Web klar zu sehen, weil Google zwei Datensätze vorhält - die Rohdaten und die Auslieferungsdaten, also die Bilder, die man letztlich im Browser zu sehen bekommt. Wird ein Antrag auf Löschung gestellt, werde zunächst das Gebäude in den Auslieferungsdaten unkenntlich gemacht. Die Rohdaten blieben vorerst unberührt, um mögliche Fehler bei der Bearbeitung korrigieren zu können. Binnen zwei Monaten jedoch würden die Änderungen auch auf die Rohdaten übertragen.

Dieses Vorgehen verstößt laut dem Hamburger Datenschützer gegen eine Vereinbarung, die Google im Juni 2009 unterzeichnet hat. Darin verpflichtet sich das Unternehmen zu diesem Vorgehen bei der Verpixelung:

"Die Löschung oder Unkenntlichmachung dieser Daten in den Rohdaten wird bereits vor der Veröffentlichung vorgenommen, wenn der Widerspruch bis zu einem Monat vor Veröffentlichung der Bilder bei Google eingeht. Später oder auch nach Veröffentlichung eingehende Widersprüche führen zu einer Löschung in den Rohdaten binnen 2 Monaten."

Im Klartext: Google hätte bei den Aufnahmen in Oberstaufen die Rohdaten löschen oder verpixeln müssen, das hat das Unternehmen selbst zugesagt. Datenschützer Caspar kritisiert Google: "Bei einem Launch des Dienstes nach dem 15. November ist daher eine vorab erfolgte Umsetzung der Löschung aller Rohdaten zwingend erforderlich. Von einer zweimonatigen Löschungsfrist kann daher nicht die Rede sein."

Google-Sprecher Kay Oberbeck erklärt, man habe auch die Rohdaten verpixeln wollen, aufgrund eines Software-Fehlers sei das nicht umgesetzt worden. Das Werkzeug zur Unkenntlichmachung der Bilder von den fünf Häusern in Oberstaufen sei aber ein anderes als jenes, das für die Bearbeitung der Bilder der 20 größten deutschen Städte eingesetzt werde. Der Google-Sprecher erklärt: "Bei letzteren kann der im Fall von Oberstaufen aufgetretene Fehler nicht passieren und es ist sichergestellt, dass die Rohdaten der Bilder, für die ein Antrag auf Unkenntlichmachung innerhalb der Frist eingereicht wurde, zum Zeitpunkt der Veröffentlichung unkenntlich gemacht sind."

lis

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