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21. Mai 2014, 11:56 Uhr

Streit um E-Book-Rabatte

Börsenverein wirft Amazon Erpressung vor

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels beschuldigt Amazon, seine Marktmacht zu missbrauchen. Angeblich verzögert der Onlinehändler den Versand von Büchern, um in Verhandlungen Druck zu erzeugen.

Nutzt der Onlinehändler Amazon seine marktbeherrschende Stellung im deutschen E-Book-Markt aus und erpresst die Buchverlage? Diesen Vorwurf hat am Dienstag der Börsenverein des Deutschen Buchhandels erhoben. Der Verein fordert, das Kartellrecht an die Gegebenheiten des digitalen Marktes anzupassen. Es bestehe hier "ein klarer Auftrag an die Politik", so Vereinsgeschäftsführer Alexander Skipis. Zwar besitze Amazon vielleicht noch kein Monopol, das Unternehmen habe aber die Macht, den Markt "komplett zu verwüsten".

Hintergrund für die drastischen Worte ist Medienberichten zufolge eine Hinhaltetaktik des US-Konzerns: Amazon soll derzeit die Auslieferung von Büchern zweier großer Verlagsgruppen hinauszögern. Ziel der Aktion sei es, die Verlage in Verhandlungen dazu zu bringen, günstigere Konditionen zu akzeptieren.

Konkret ist laut der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" etwa das schwedische Medienunternehmen Bonnier betroffen, zu dem unter anderem Carlsen, Piper und Ullstein gehören. Hier wolle Amazon bei E-Books höhere Rabatte durchsetzen. Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, würden seit Anfang Mai zahlreiche Titel von Bonnier-Verlagen sowohl in Deutschland als auch in den Vereinigten Staaten nur mit langen Lieferfristen verkauft. Dabei seien die Bücher vorrätig.

Der Börsenverein kritisiert, dass die Auseinandersetzung von Amazon auf dem Rücken von Kunden und Autoren ausgetragen würde. Es gehe dem Unternehmen allein um den Ausbau seiner Marktmacht. Laut "Handelsblatt" hat Amazon bislang keine Stellungnahme abgegeben.

meu

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