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Stuxnet-Wurm: Heimlich entwickelt in Israel und den USA?

Foto: REUTERS/ Presidential official website

Stuxnet Israel soll iranische Atomanlage nachgebaut haben

Der Angriff des Stuxnet-Wurms auf die iranische Atomanlage in Natans war noch raffinierter eingefädelt als bislang bekannt. Israel hat laut "New York Times" Irans Zentrifugen eigens nachgebaut, um die Schadsoftware dafür zu optimieren. Die Sabotageaktion gilt inzwischen als großer Erfolg.

Der Computer-Schädling Stuxnet hat Sicherheitsexperten gleichermaßen erschreckt und fasziniert. Im Juli 2010 wurde erstmals öffentlich über den mysteriösen Wurm berichtet, der sich sogar in Windows-Systemen einnisten konnte, die mit allen aktuellen Patches abgesichert waren. Zunächst sprachen alle von Industriespionage, aber dann wurde klar, was das eigentliche Ziel von Stuxnet war: Die Steuerungstechnik von Anlagen zur Urananreicherung.

Schadsoftware-Experten haben den Wurm inzwischen ausgiebig analysiert, es gibt kaum noch Zweifel, dass Stuxnet eine Art Undercover-Agent war, der die Uranzentrifugen in der iranischen Atomanlage Natans sabotieren sollte. Stuxnet nistete sich ganz gezielt in den dortigen Siemens-Industriecomputern ein und steigerte die Drehzahlen der Zentrifugen in einen kritischen Bereich - offenbar zunächst unbemerkt von den iranischen Technikern. Die Folge: Nach und nach fielen immer mehr Zentrifugen aus, wie schließlich auch Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad einräumen musste.

Hinter dem ausgeklügelten Cyberangriff können nur Israel und die USA stecken - da waren sich alle Beobachter schnell einig. Wie raffiniert die Aktion vorbereitet wurde, enthüllt nun ein Bericht der "New York Times" . Die Israelis haben demnach in ihrer eigenen Atomanlage in der Negev-Wüste in Dimona die in Iran eingesetzten Zentrifugen nachgebaut, um die Schadsoftware dafür zu optimieren.

"Um den Wurm zu testen, muss man die Maschinen kennen", zitiert das Blatt einen namentlich nicht genannten Atom-Experten. "Der Wurm war deshalb so effektiv, weil die Israelis ihn getestet haben."

Schwerer Schlag für Teherans Atomprogramm

Obwohl weder Amerikaner noch Israelis sich zur Herkunft von Stuxnet äußern wollen, werten sie sein Wirken inzwischen als Erfolg - zumindest indirekt. Der gerade erst in Rente gegangene Mossad-Chef Meir Dagan und US-Außenministerin Hillary Clinton hatten kürzlich erklärt, dass sie davon ausgingen, dass Teherans Atomprogramm um mehrere Jahre zurückgeworfen worden sei. Laut Dagan soll Iran frühestens 2015 in der Lage sein, eine Atombombe zu bauen. Clinton hatte in ihrer Erklärung auch auf die Anstrengungen der USA verwiesen, den Kauf von wichtigen Komponenten zu Urananreicherung weltweit zu erschweren.

An der Stuxnet-Entwicklung war laut "New York Times" auch das Idaho National Laboratory beteiligt, das dem US-Energieministerium unterstellt ist und an dem unter anderem Atomanlagen erforscht werden. Dabei, so legt es der Bericht nahe, hätten die Sicherheitsexperten auch Lücken in den Steuerungscomputern identifizieren können, die Stuxnet später bei seinem Angriff nutzte.

Experten des IT-Sicherheitsunternehmens Symantec hatten bereits im November herausgefunden, dass Stuxnet die Frequenzumrichter der Anreicherungsanlage heimlich manipuliert. Diese steuern die Drehzahl der Zentrifugen, in denen die Uranisotope voneinander getrennt werden. Normalerweise arbeiten die Umrichter im Frequenzbereich bis zu 1210 Hertz (Hz), Stuxnet erhöhte diesen Wert jedoch auf 1410 Hz, um ihn Tage später wieder auf nur 2 Hz zu senken und danach wieder auf 1064 Hz hochzufahren.

Ziel dieser Aktion könnte sein, minderwertiges Uran zu erzeugen, das für Atombomben nicht tauglich sei, vermuteten die Symantec-Experten. Offenbar sollte die heimliche Manipulation aber auch die sensiblen Zentrifugen nach und nach beschädigen, was tatsächlich gelang. Ab August 2009 nahm die Zahl der betriebsbereiten Zentrifugen in Iran dramatisch ab - während gleichzeitig die Gesamtzahl an Zentrifugen erhöht wurde. Laut einem Bericht des Institute for Science and International Security (ISIS) hat Stuxnet bis zu tausend Zentrifugen zerstört.

Der Cyber-Angriff auf das iranische Atomprogramm geht laut "New York Times" noch auf Ex-Präsident George W. Bush zurück. Der jetzige Präsident Barack Obama sei schon vor seiner Amtsübernahme eingeweiht gewesen und habe das Programm weiter vorangetrieben.

Anfang 2008 sollen Experten des Heimatschutzministeriums und des Idaho National Laboratory gemeinsam den Siemens-Steuerungscomputer Process Control System 7 (P.C.S.-7) untersucht haben, um mögliche Einfallstore zu finden. Schließlich brachten israelische Atomexperten noch jene Zentrifugen zum Laufen, die der Vater der pakistanischen Atombombe, Abdul Qadir Khan einst entwickelt hatte. Die Zentrifugen mit dem Namen P-1 waren illegal an Libyen und Nordkorea verkauft worden - aber auch an Iran. Damit hatten die Sicherheitsexperten alle Komponenten zusammen, um Stuxnet zu programmieren.

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