Reaktion auf NSA-Überwachung "Internetfirmen sind nicht die Opfer"

Web-Firmen häufen Daten an, Regierungen greifen darauf zu: Auf dem SXSW-Festival in Texas streiten Internetaktivisten aus Europa und den USA über Wege aus der Überwachung. Vor allem sehen sie die Firmen in der Pflicht.
Technikfestival South by Southwest Interactive: Jährliches Treffen der Branche

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Foto: Larry W. Smith/ dpa

Die Firmen können nicht einfach weitermachen wie bisher: Denelle Dixon-Thayer von der Mozilla Foundation fordert von Firmen maximale Transparenz als Antwort auf die NSA-Affäre. "Die Affäre hat viel Misstrauen ausgelöst. Wir müssen sehr offen damit umgehen, wie wir Daten sammeln", sagt die Mozilla-Managerin.

Auf dem SXSW-Festival in Texas sucht die Branche nach Antworten auf die Internetüberwachung und den daraus resultierenden Vertrauensverlust. Mozilla-Managerin Dixon-Thayer traf am Sonntag auf Internetaktivisten aus den USA und Europa, die das Reeperbahn Festival und SPIEGEL ONLINE nach Austin eingeladen hatten.

"Wir Internetfirmen sind nicht die Opfer", sagt Dixon-Thayer. Firmen müssten wissen, welche Gesetze es für den Datenzugriff durch Behörden gibt, und vor diesem Hintergrund überlegen, welche Daten überhaupt erst für wie lange gespeichert werden.

US-Firmen gegen europäischen Datenschutz

"Vielleicht interessiert Nutzer nicht, was mit ihren Daten passiert. Aber sie sollten es trotzdem wissen", sagt Dixon-Thayer. Einige Firmen hätten Angst davor zu verraten, was sie alles sammeln. Schließlich könnte eine solche Offenlegung Nutzer verschrecken. Sie aber glaube, dass nur so das Vertrauen der Nutzer zurückgewonnen werden könne.

Joe McNamee von European Digital Rights (EDRi), einem Zusammenschluss von Bürgerrechtsorganisationen, kritisiert die Haltung großer Web-Firmen in der NSA-Affäre. "Dieselben Unternehmen, die sich geschockt von den Snowden-Enthüllungen gaben, haben in Europa sehr erfolgreich gegen besseren Datenschutz lobbyiert."

Einerseits Daten anhäufen, andererseits die Regierung vom Datenschatz fernhalten wollen, das passt für McNamee nicht zusammen. Mehr Transparenz findet auch er gut, zweifelt aber daran, dass Unternehmen freiwillig die, wie er findet, erschreckende Datensammelei offenlegen.

Facebook kündigt man nicht einfach

Der Netzaktivistin Elizabeth Stark geht die Transparenz noch nicht weit genug. "Was kann ich als Nutzer tun? Mein Facebook-Konto kündigen? Das hätte Folgen für mein Privatleben." Stark hält es für möglich, dass die anlasslose Massenüberwachung politisch gestoppt wird, zumindest in den USA. Das allein reiche aber nicht aus.

"Wir brauchen Technologie gegen Überwachung", sagt Stark. Selbst Informatikstudenten vom MIT bräuchten 30 Minuten, um E-Mail-Verschlüsselung einzurichten. "Wie soll meine Mutter, wie sollen meine Großeltern das hinbekommen?", fragt Stark. Die Internet-Community müsse sich nun um einfachere Programme kümmern. Designer und Entwickler müssten dazu eng zusammenarbeiten.

Verschlüsselung als letzte Möglichkeit, als Selbstverteidigung? Im Gegenteil, die Internetaktivisten auf der South by Southwest sprechen von einer Offensive. "Wir müssen das Internet zurückerobern", sagt McNamee. Mozilla-Managerin Dixon-Thayer will Politikern das Internet erklären, damit bessere Gesetze geschrieben werden, und Stark will sich dafür einsetzen, dass Technologie einfacher wird.

Die Rolle der Silicon-Valley-Firmen und ihre Wechselwirkung mit der NSA-Überwachung war auch ein zentrales Thema des Live-Chats mit Edward Snowden beim SXSW-Festival. Lesen Sie hier das Minutenprotokoll des gespannt erwarteten Video-Auftritts des Whistleblowers in Texas.

ore
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