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08. Mai 2013, 07:46 Uhr

Bürgerkrieg

Syrien vom Internet abgeschnitten

Die Menschen in Syrien haben keinen Zugang mehr zu Internet und Telefon. Die Opposition geht von einer absichtlichen Störung durch die Regierung aus. Google und andere Internetunternehmen bestätigen den Blackout. Es gebe keine Hinweise auf technische Ursachen, heißt es.

Amman/Damaskus - Die Menschen im Bürgerkriegsland Syrien haben seit Dienstagabend keinen Zugang mehr zum Internet. Auch die Telefone funktionierten nicht mehr, berichteten Flüchtlinge, die seither die Grenze überquerten, sowie Revolutionsaktivisten, die Satellitenverbindungen nutzen. Sie glaubten nicht an ein technisches Problem, sondern vermuteten, die Regierung von Präsident Baschar al-Assad habe die Kommunikation absichtlich gestört.

Die Internet-Präsenz der syrischen Staatsmedien war am Mittwochmorgen ebenfalls unterbrochen.

Auch aus Daten von Google und anderen Internetunternehmen geht hervor, dass die Verbindungen seit Dienstagabend gekappt sind. "Wir haben das zweimal zuvor gesehen", sagte die für Meinungsfreiheit zuständige Google-Managerin Christine Chen: "Das ist in Syrien im November passiert und in Ägypten während des Arabischen Frühlings."

Der Grund für den Blackout ist bislang unbekannt. In der Vergangenheit seien derartige Ausfälle entweder von der Regierung angeordnet worden, die Zugang zu den entscheidenden Servern habe, oder es habe technische Probleme bei wichtigen Datenkabeln gegeben, sagte Dan Hubbard vom Infrastruktur-Dienstleister OpenDNS.

Der Internet-Blackout sei aber auf Syrien beschränkt, die Nachbarländer seien nicht betroffen, sagte Jim Cowie von der US-Firma Renesys, die den weltweiten Internetverkehr aufzeichnet. Es gebe keine Anzeichen für einen technischen Defekt.

Bei dem Bürgerkrieg in Syrien, der als Aufstand gegen Präsident Assad begann, sind in den vergangenen zwei Jahren mehr als 70.000 Menschen getötet worden. Am Dienstagabend wurde bekannt, dass Russland und die USA zur Beendigung des blutigen Kampfs stärker an einem Strang ziehen wollen. Man habe sich auf die Einberufung einer internationalen Konferenz noch im Mai verständigt, hieß es nach einem Treffen des russischen Außenministers Sergej Lawrow mit seinem US-Kollegen John Kerry in Moskau.

fab/dpa/Reuters

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