Tagesschau-App Verleger kritisieren GEZ-Inhalte fürs iPhone

Die Verlage experimentieren mit Bezahlinhalten für das iPhone, der öffentlich-rechtliche Rundfunk hält mit vermeintlichen Gratis-Apps dagegen. Die kosten vordergründig nichts, werden aber andererseits von allen Gebührenzahlern zwangsweise finanziert.
GEZ-Anmeldeformular: Verlage kritisieren gebührenfinanzierte iPhone-Apps

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Foto: A3386 Uli Deck/ dpa

Hamburg/Berlin - Ein gebührenfinanziertes Gratisprogramm der ARD-Tagesschau für das iPhone schadet nach Ansicht des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) der Medienbranche in ihrer Umbruchphase. Die ARD plant, ihre Online-Inhalte im neuen Jahr in einem kostenlosen Dienst für das Apple-Mobiltelefon und andere Smartphones zur Verfügung zu stellen.

Mit der Ankündigung hat der Sender in der Branche Kritik geweckt. "Damit dehnt die gebührenfinanzierte ARD erneut ihren Auftrag zu Lasten der Zeitungs- und Zeitschriftenverleger aus", heißt es in einem Brief von VDZ-Geschäftsführer Wolfgang Fürstner an Kulturstaatsminister Bernd Neumann und die Ministerpräsidenten der Länder. Kaum hätten Verlage erste Bezahlmodelle entwickelt, um in einer für sie außerordentlich schwierigen Lage die journalistische Qualität weiter finanzieren zu können, dränge das öffentlich-rechtliche Fernsehen auf dasselbe Feld, allerdings mit einem Gratisangebot. Der Axel-Springer-Verlag hatte erst vor wenigen Wochen angekündigt, einen ähnlichen Dienst kostenpflichtig anzubieten.

"Wir haben die Ankündigung der ARD, ein kostenloses Applet der Tagesschau in Apples AppStore anzubieten, mit Befremden zur Kenntnis genommen", sagte Springer-Unternehmenssprecherin Edda Fels in Berlin. Es gehöre ganz sicher nicht zum Grundversorgungsauftrag öffentlich-rechtlicher Fernsehanstalten, kostenlose Applets auf dem iPhone zur Verfügung zu stellen, sagte Springer-Sprecherin Fels weiter: "Es handelt sich hierbei um eine nicht tolerierbare Marktverzerrung."

Den Vorwürfen hält NDR-Sprecher Martin Gartzke entgegen, dass es bei dem neuen Angebot nicht um exklusive Inhalte gehe. "Vielmehr sollen bereits seit Jahren mobil verfügbare Inhalte, die schon seit langem über tagesschau.de/mobil oder wap.tagesschau.de abgerufen werden können, für eine Verbreitung über Smartphones wie das iPhone dargestellt und optimiert werden", erklärte Gartzke. Abgesehen von einem überschaubaren einmaligen Programmieraufwand und den auch sonst für tagesschau.de entstehenden Verbreitungskosten fielen für das neue Angebot keine zusätzlichen Kosten an.

Der ARD-Vorsitzende Peter Boudgoust findet die Kritik überzogen. Springer-Verlag und VDZ gehe es "offensichtlich nicht um die Umsetzung gesetzlicher Regelungen, sondern darum, uns von den Entwicklungen im Netz abzukoppeln" , sagte er SPIEGEL ONLINE. Seit Jahren seien die Inhalte von von tagesschau.de auch auf Handys oder Smartphones mobil verfügbar. Boudgoust: "Warum dies nun mit einer simplen Software zur Wahrnehmung des Angebots von tagesschau.de auf dem iPhone nicht möglich sein soll, verstehe wer will."

mb/lis/apd/dpa
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