Streit um Messenger Telegram Russisches Gericht verhängt Geldstrafe

Der Kurznachrichtendienst Telegram in Russland muss eine Strafe zahlen. Das Unternehmen wollte keine Daten an einen Geheimdienst weitergeben.

Telegram-App
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Ein russisches Gericht hat den Messenger-Dienst Telegram zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er dem russischen Inlandsgeheimdienst FSB das Mitlesen seiner Nachrichten verwehrt. Das Unternehmen muss 800.000 Rubel (etwa 12.000 Euro) zahlen, wie die Nachrichtenagentur Tass am Montag berichtet. Die kostenlose App ist in Russland besonders beliebt, weil Nachrichten auf Wunsch verschlüsselt vom Absender zum Empfänger gelangen.

Der FSB hatte Informationen zur Entschlüsselung sämtlicher über Telegram verschickten Nachrichten verlangt, wie der Gründer der App, Pawel Durow, bereits vergangenen Monat mitgeteilt hatte. Als das Unternehmen sich weigerte, legte der FSB Durow zufolge offiziell Beschwerde ein.

Telegram hat zehn Tage Zeit, um die Geldstrafe anzufechten. Scheitert die Urteilsanfechtung, könnte die beliebte App in Russland gesperrt werden, heißt es. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow erklärte, seines Wissens sei die Sperrung der App aktuell kein Thema. Die Geldstrafe wollte er nicht kommentieren.

Weltweit nutzen 100 Millionen Menschen die App, davon zehn Millionen in Russland. Telegram wird in mehreren Ländern vorgeworfen, Dschihadisten als Kommunikationsmittel zu dienen, unter anderem wegen seiner Verschlüsselungstechnologie.

In den vergangenen Jahren hatte die russische Regierung die staatliche Kontrolle über das Internet verschärft. Der Kreml rechtfertigt sein Vorgehen als Maßnahme zum Schutz vor islamistischen Anschlägen.

tki/afp



insgesamt 8 Beiträge
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klaus64 16.10.2017
1. Kein ausschließlich russisches Problem
Meines Wissens gab es kürzlich ein ähnliches Problem in den USA. Auch in Deutschland stehen Strafverfolgungsbehörden vor ähnlichen Problemen. Es scheint so, dass unsere Gesetze im Moment einen unkontrollierbaren Freiraum lassen, der auch von weniger Gutwilligen ausgenutzt wird. Die Regierungen laufen im Moment der Informationstechnologie etwas hilflos hinterher.
d.r.c.b. 16.10.2017
2. Bullshit....
.... was @klaus64 da von sich gibt. Die typische Meinung eines Verfechters des Polizeistaats. Selber träumt man von dem großen Strafzettelverzeilen an alle Falschparker, während man es nicht mal zum Ordnungsamt geschafft hat. Bleib bitte bei den verdummenden Polizei-Soaps unserer fördernden Fernsehprogramme und halte Dich aus Themen wie "Telegram" und "Verschlüsselung" raus. Ein Freund
Flugor 16.10.2017
3. Mit der gleichen Argumentation...
Zitat von klaus64Meines Wissens gab es kürzlich ein ähnliches Problem in den USA. Auch in Deutschland stehen Strafverfolgungsbehörden vor ähnlichen Problemen. Es scheint so, dass unsere Gesetze im Moment einen unkontrollierbaren Freiraum lassen, der auch von weniger Gutwilligen ausgenutzt wird. Die Regierungen laufen im Moment der Informationstechnologie etwas hilflos hinterher.
Mit der gleichen Argumentation könnte man auch verlangen, dass sämtliche Vieraugengespräche den Strafverfolgungsbehörden zugänglich gemacht werden müssen, d.h. Sie zur Nutzung einer solchen "Wanze" verpflichtet sind. Immerhin könnte es ja sein, dass Sie und Ihr Kumpel beim Waldspaziergang einen Terroranschlag planen und entsprechende Details besprechen...
zeichenkette 16.10.2017
4. Mal zur Information
Seit über einem Jahr ist es Gesetz in Russland, dass Apps mit verschlüsselter Kommunikation sich registrieren lassen und dem Staat einen Zweitschlüssel zum Mitlesen ausstellen. Tun sie das nicht, werden sie nicht genehmigt und nicht nur der Betreiber, sondern auch die Benutzer machen sich strafbar. Wenn man mit einer solchen nicht genehmigten App auf seinem Smartphone erwischt wird, kostet das dann umgerechnet mehrere Hundert Euro Strafe! Wer meint, das wäre nix anderes als in Europa oder den USA, der weiß nicht wovon er redet.
Mach999 16.10.2017
5.
Zitat von klaus64Meines Wissens gab es kürzlich ein ähnliches Problem in den USA. Auch in Deutschland stehen Strafverfolgungsbehörden vor ähnlichen Problemen. Es scheint so, dass unsere Gesetze im Moment einen unkontrollierbaren Freiraum lassen, der auch von weniger Gutwilligen ausgenutzt wird. Die Regierungen laufen im Moment der Informationstechnologie etwas hilflos hinterher.
Nie war es für Behörden einfacher als heute, an Informationen zu kommen. Früher musste man wissen, wen man überwachen will und konnte dann Post und Telefon überwachen. Mit wem jemand telefoniert hat, war nur bei Überwachung und genau im Moment des Telefonats feststellbar - mit ziemlich großem Aufwand. Heute liegen die Beweise noch Jahre später im Rechner und auf den Smartphones. Jede Verbindung, die Menschen untereinander haben, ist irgendwo protokolliert, zumindest beim Provider. Selbst wo man sich bewegt, wird protokolliert, weildas Telefon ständig Verbindung zum nächsten Sendemast aufnimmt. Die digitale Welt ist eben gerade kein "rechtsfreier Raum", sondern ein Schlaraffenland für Strafverfolger. Das kann jeder nach Belieben positiv oder negativ sehen. Aber man sollte schon so ehrlich sein, diesen Umstand nicht zu leugnen.
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