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Attacke auf Telekom-Router

29-jähriger Brite spricht vom "schlimmsten Fehler seines Lebens"

Ein Cyberangriff legte im November die Internetrouter Hunderttausender Telekom-Kunden lahm. In Köln steht deswegen jetzt ein 29-jähriger Brite vor Gericht, der angeblich einen Auftrag aus Liberia ausführte.

DPA

Der 29-jährige Angeklagte

Freitag, 21.07.2017   15:36 Uhr

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Rund acht Monate nach einem Onlineangriff unter anderem auf Router der Deutschen Telekom hat vor dem Kölner Landgericht am Freitag der Prozess gegen den mutmaßlichen Hacker begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft einem 29-jährigen Briten versuchte gewerbsmäßige Computersabotage vor. Bei einer Verurteilung drohen dem im Ermittlungsverfahren weitgehend geständigen Angeklagten zwischen sechs Monaten und zehn Jahren Haft.

Laut Anklage soll der Mann Ende November 2016 durch eine gezielte Attacke massenweise "Speedport"-Router lahmgelegt haben. Als Folge waren bei rund 1,25 Millionen Telekom-Kunden Internet, Telefon und Fernsehen gestört. Der Angriff hatte aber nicht nur für Telekom-Kunden Konsequenzen. So waren neben dem Bonner Konzern zum Beispiel die Internetprovider TalkTalk und KCom in Großbritannien betroffen.

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Vor Gericht ließ der Brite am Freitag über seinen Anwalt eine Erklärung verlesen, in der er sich als schuldig bekannte. Mit Hilfe einer Dolmetscherin sagte er anschließend selbst aus. Die Aktion sei "der schlimmste Fehler seines Lebens" gewesen. Als Motiv nannte "Spiderman" - wie er sich im Netz nannte - Geldsorgen. Er wolle seine Verlobte heiraten. Für einen "guten Start ins Eheleben" habe er sich ein gewisses Polster zulegen wollen.

Gehandelt hat der Mann nach eigenen Aussagen im Auftrag eines liberianischen Telekommunikationsunternehmens, für sein Vorgehen habe er 10.000 Dollar bekommen. Das IT-Wissen habe er sich selbst angeeignet, "ein paar Programmierkurse" habe er auch noch belegt. Dass sich nach seinem Angriff Router in Deutschland abschalteten, habe er erst aus den Medien erfahren, sagte der Mann. Da habe er gedacht: "Oh Shit".

Zwei Millionen Euro Schaden

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Der zuletzt auf Zypern wohnhafte Angeklagte wollte die Router offenbar zum Teil eines Botnets machen. In Botnets werden internetfähige Geräte über das Internet zusammengeschaltet, um sie dann beispielsweise für Überlastungsattacken (DDoS) einzusetzen. Konkret soll es in einem Fall des Briten um einen Angriff auf eine Konkurrenzfirma des angeblichen Auftraggebers in Liberia gegangen sein.

Die Attacke auf die Telekom-Router hatte im November zwar keinen durchschlagenden Erfolg - wohl auch, weil auf den Routern ein Betriebssystem installiert war, auf das das Angriffsprogramm nicht vorbereitet war. Den Schaden durch den zeitweisen Ausfall von Endkunden-Anschlüssen bezifferte die Telekom aber dennoch auf gut zwei Millionen Euro.

Ein Informatiker der Telekom sagte am Freitag im Zeugenstand aus, die deutschen Geräte seien "immun" gegen den Angriff gewesen. Da die Schadsoftware wiederholt versucht hatte, sich auf den Routern auszubreiten, hätten sich die Geräte aber unter der Last abgeschaltet.

Der Brite war im Februar in London festgenommen worden und sitzt seit seiner anschließenden Auslieferung nach Deutschland in Untersuchungshaft. Auf die Spur des Briten kamen die Ermittler durch technische Nachforschungen der Telekom und des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnologie (BSI).

Für den Prozess in Köln sind bislang zwei Verhandlungstage geplant. Das Urteil könnte schon kommenden Freitag, am 28. Juli, gesprochen werden.

mbö/dpa/AFP

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