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03. Juni 2014, 12:08 Uhr

Netzzensur

China blockt Google-Dienste

Das Massaker auf dem Tiananmen-Platz jährt sich zum 25. Mal - und China verschärft seine Internetzensur. Dienste von Google sind nicht zu erreichen, Millionen Nutzer können nicht auf Informationen zugreifen.

Die Dienste des amerikanischen Internetriesen Google sind in China im Moment fast vollständig blockiert. Die Sperrung steht vermutlich im Zusammenhang mit dem 25. Jahrestag der blutigen Niederschlagung der Proteste auf dem Tiananmen-Platz am Mittwoch.

Betroffen sind ausländische Versionen der Google-Homepage, der E-Mail-Dienst Gmail, die Such- und Übersetzungsfunktionen sowie die Bilderdatenbank, berichtet die Gruppe GreatFire.org, die chinesische Webzensur dokumentiert. Google sei in China damit "kaum noch nutzbar".

Ein Google-Sprecher sagte, das Unternehmen habe mit der Blockade nichts zu tun. Bei einer umfangreichen Überprüfung sei herausgekommen, dass "auf unserer Seite alles gut ist". Seinen Angaben zufolge sind die Google-Dienste in China zumindest teilweise zu erreichen.

Viele Millionen Nutzer dürften betroffen sein

Der Internetriese verschlüsselt seit März alle Suchen aus China, doch stören die chinesischen Behörden die Verbindungen zu Googles Internetprotokoll-Adressen, wie Greatfire.org berichtet. Seit sich Google 2010 aus China zurückgezogen hat, um sich nicht weiter selbst zensieren zu müssen, wurden Nutzer automatisch auf die Google-Suchseite in Hongkong umgeleitet, was jetzt auch nicht mehr funktioniert.

Zwar hat Google ohnehin keinen großen Marktanteil in China, doch dürften laut Experten viele Millionen chinesische Internetnutzer von den massiven Störungen betroffen sein. Marktführer in China ist die Suchmaschine Baidu, die ihre Suchen zensiert. Ohnehin sind in China soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter sowie YouTube geblockt, auch Webseiten von Menschenrechtsorganisationen und ausländischen Medien wie der "New York Times" oder der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Nichts soll an den blutigen Militäreinsatz erinnern

Vor dem Tiananmen-Jahrestag wurden die Sicherheitsmaßnahmen drastisch verschärft. Dutzende Kritiker wurden landesweit festgenommen, unter Hausarrest gestellt, verhört oder verwarnt, um jede Erinnerung an die Opfer des brutalen Militäreinsatzes zu verhindern, wie Menschenrechtsgruppen kritisierten. Das Massaker hat es offiziell nie gegeben, die Erinnerung daran soll verblassen, erneuter Protest wird im Keim erstickt.

In der Nacht zum 4. Juni 1989 war die chinesische Armee mit Panzern gegen Studenten vorgegangen, die auf dem Platz des Himmlischen Friedens für mehr Demokratie demonstriert hatten. Dabei wurden hunderte Menschen getötet. Die Führung in Peking begründete das Vorgehen mit der Notwendigkeit, das "Chaos" zu beenden.

juh/afp/dpa

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