Apple-Chef Tim Cook fordert Gesetz gegen Datenhändler

Der Apple-Chef kritisiert, dass Datenhändler weitgehend unkontrolliert Nutzerprofile zusammenstellen und weiterverkaufen, ohne dass die Nutzer etwas davon mitbekämen. Der US-Regierung macht er einen konkreten Vorschlag.
Tim Cook in Brüssel

Tim Cook in Brüssel

Foto: Virginia Mayo/ dpa

Apple-Chef Tim Cook fordert die US-Regierung auf, Datenhändler gesetzlich schärfer zu regulieren. In einem Gastbeitrag für das "Time Magazine"  schreibt Cook: "Konsumenten sollten kein weiteres Jahr tolerieren müssen, in dem Unternehmen auf unverantwortliche Weise riesige Nutzerprofile ansammeln, in dem Datenpannen außer Kontrolle zu geraten scheinen und in dem die Möglichkeit verschwindet, unser digitales Leben zu kontrollieren".

Bereits vergangenen Oktober hatte Cook vor Datenschützern in Brüssel von "Überwachung" durch Unternehmen und einem "datenindustriellen Komplex" gesprochen, in dem Daten "mit militärischer Effizienz gegen uns gewendet" würden. Dass er mit seiner Kritik vor allem Facebook und Google meinte, war offensichtlich, auch ohne dass er sie namentlich erwähnte. Die europäische Datenschutz-Grundverordnung lobte Cook als vorbildlich.

Nun greift er andere Firmen an: "Vielleicht haben Sie etwas bei einem Onlinehändler gekauft - die meisten von uns haben das schon getan. Aber was der Händler Ihnen nicht sagt, ist, dass er Informationen über Ihren Einkauf an Datenhändler verkauft oder weiterleitet. Solche Datenhändler existieren einzig zu dem Zweck, Ihre Daten zu sammeln, zusammenzuführen und einer weiteren Firma zu verkaufen."

Derzeit existiere dieser Zweitverwertungsmarkt "in einer Schattenwirtschaft, die weitgehend unkontrolliert bleibt - außerhalb der Sichtweite von Konsumenten, Regulierungsbehörden und Politikern".

Bürger sollen den Weiterverkauf ihrer Daten stoppen können

Konkret schlägt Cook nun eine per Bundesgesetz geregelte Einrichtung einer Abrechnungsstelle (engl. clearing house) durch die US-Handelsaufsicht FTC vor. Dort müssten sich alle Datenhändler registrieren und Konsumenten die Möglichkeit bieten, den Weiterverkauf ihrer Daten zu verfolgen und diese auch kostenlos und dauerhaft löschen zu lassen.

Apple setzt in seinen Produkten und Diensten an vielen Stellen auf Datenvermeidung und Anonymisierung. Das Unternehmen betrachtet das als Wettbewerbsvorteil und nutzt den Ansatz, um sich von anderen großen Unternehmen im Silicon Valley zu distanzieren.

Apples Geschäftsmodell ist allerdings auch ein anderes als etwa das von Facebook und Google: Apple verkauft in erster Linie Hardware. Außerdem verdient das Unternehmen an Apps, iTunes-Inhalten und Diensten wie Apple Music, nicht jedoch mit zielgerichteten, auf Nutzerdaten basierenden Anzeigen. Andererseits wären Geräte wie das iPhone oder das iPad ohne die Dienste und Inhalte von Google, Facebook und anderen nicht so von zentraler Bedeutung für das Leben ihrer Nutzer.

pbe
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