Tim Cook Apple-Chef spricht sich für staatliche Datenschutzregeln in den USA aus

Aus eigener Kraft habe es der freie Markt nicht geschafft, sagt Tim Cook in einem Interview. Deshalb erwarte er, dass der Staat in den USA zukünftig regulierend beim Datenschutz eingreife.

In einem Interview mit der Nachrichtenseite "Axios" , das am Sonntag im US-Sender HBO ausgestrahlt wurde, hat sich Tim Cook für ein Eingreifen des Staates beim Datenschutz ausgesprochen. Er sei zwar allgemein "kein großer Fan von Regulierungen", sondern "ein großer Anhänger des freien Marktes", sagte der Apple-Chef. Doch er schränkte ein: "Wir müssen es zugeben, wenn der freie Markt nicht funktioniert. Und er hat hier nicht funktioniert."

Es sei daher "unvermeidlich", dass es für Technologiekonzerne und soziale Netzwerke ein "gewisses Maß" an Regulierung gebe, sagte Cook weiter. Der US-Kongress und die Behörden würden "irgendwann etwas Entsprechendes beschließen".

Der Apple-Chef verwies dabei auf den Datenschutzskandal bei Facebook: Im Frühjahr war ans Licht gekommen, dass die Daten von rund 87 Millionen Facebook-Nutzern unerlaubt von der britischen Firma Cambridge Analytica für den Wahlkampf des heutigen US-Präsidenten Donald Trump benutzt worden waren. Die Branche sei nun "jenseits" der Hoffnung auf Selbstregulierung, sagte Cook.

Technologiefirmen sollten eine staatliche Regulierung positiv aufnehmen, erklärte Cook weiter. Es gehe dabei nicht um "Privatsphäre statt Profit oder Privatsphäre statt technischer Innovation". Dies sei nicht die richtige Herangehensweise. Vielmehr gehe es um eine klare Trennung zwischen den Nutzerdaten, die auf einem Gerät vorhanden sein müssen, um fortschrittliche Funktionen zu ermöglichen, und denen, die beim Hersteller oder Anbieter gespeichert sein müssen.

Schon im Oktober hatte sich der Apple-Chef im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE in dieser Frage klar positioniert und Privatsphäre als einen von Apples Grundwerten bezeichnet. Zudem hatte er sich für eine starke Verschlüsselung privater Daten ausgesprochen und resümiert: "Datenschutz und Privatsphäre werden in allen Ländern der Welt ein Topthema werden. Ich glaube, dieser Komplex gehört zu den zwei oder drei wichtigsten Themen dieses Jahrhunderts."

mak/dpa
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