Dating-App Russische Behörden wollen Zugriff auf Tinder-Daten

Der russische Staat kann Tinder-Nutzer zukünftig auch beim Flirten überwachen: Die Dating-App muss Nutzerdaten an die Polizei, den Inlandsgeheimdienst und andere Stellen weitergeben.

Tinder-Nutzerin
Johannes Schmitt-Tegge / DPA

Tinder-Nutzerin


Russische Behörden fordern vom Betreiber der amerikanischen Dating-App Tinder die Herausgabe von Nutzerdaten. Neben der Polizei dürfen etwa der russische Inlandsgeheimdienst FSB sowie das Innenministerium zukünftig Daten von dem Onlinedienst verlangen.

Die Betreiber von Tinder, das zur Match Group mit Hauptsitz im texanischen Dallas gehört, sind der russischen Medienaufsichtsbehörde Roskomnadsor zufolge verpflichtet, Informationen mindestens ein halbes Jahr zu speichern und den Behörden auf Anfrage bereitzustellen. Wie die Behörde am Montag mitteilte, habe die Firma bereits Informationen über die Firma zur Verfügung gestellt und befinde sich nun auf einer Liste von Websites und Apps, von denen eine Zusammenarbeit mit dem Inlandsgeheimdienst FSB und anderen Stellen erwartet wird.

Wer sich nicht an das Gesetz hält, wird gesperrt

Seit 2016 dürfen die russischen Behörden per Gesetz auf Daten zugreifen, wenn sie kriminelle Machenschaften vermuten oder einem Terrorverdacht nachgehen. Kritiker sehen dies jedoch als Möglichkeit, das Internet zu überwachen und zum Beispiel gegen die Opposition vorzugehen.

Dienste, die sich nicht an die Regeln halten, werden gesperrt: Den Messengerdienst Telegram hatte Russland etwa im vergangenen Jahr zeitweise blockiert - allerdings nicht besonders erfolgreich. Das Unternehmen wurde außerdem zu einer Geldstrafe verurteilt, da es sich geweigert hatte, seine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung aufzugeben.

Russland hat die Internetregulierung und die Zensur von Inhalten in den vergangenen Jahren zunehmend verschärft. Das Land plant zudem, sich nach dem Vorbild Chinas mit einem "souveränen Internet" vom globalen Netz unabhängig zu machen und den innerrussischen Datenverkehr über staatlich kontrollierte Knotenpunkte zu leiten. Kritiker warnen vor einer Isolierung des sogenannten RuNets, das so besser von den Behörden kontrolliert und zensiert werden könne.

sop/dpa



insgesamt 9 Beiträge
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der_k 03.06.2019
1. Unbestritten Sinnvoll
...so ein weltweites Internet, dass nur im eigenen Land besteht... Die Welt vollzieht gerade einen "Wahnsinns" Wandel...!
mumuwilli1975 03.06.2019
2. Die Welt
ist bereits verrückt. Normale Menschen gibt es nur noch selten.
erespondek 03.06.2019
3. Vielleicht überlegen sich
in Russland jetzt ein paar mehr "ich hab nichts zu verbergen" Bürger ob der Date mit dem man in die Kiste hüpft möchte der Grund sein könnte wegen dem man plötzlich Probleme bekommt. Nichts zu verbergen, nichts gewusst, aber mitgegangen und dann mit gehangen.
newblade 03.06.2019
4. Können wir auch
Ist ja nicht so, dass Herr Seehofer das gleiche von WhatsApp, Telegram und Co. verlangen möchte... Die Neulandregierung hat vermutlich nur noch nicht von Tinder gehört, sonst stünde das sicher auch bereits auf der Wunschliste.
dippegucker 04.06.2019
5. @mumuwilli1975: Sie haben möglicherweise etwas...
...falsch verstanden. "Normale Menschen gibt es nur noch selten." ist ein Widerspruch in sich, Etwas Seltenes ist per Definition nicht die Norm. Der erste Satz ist auch überlegenswert: Was soll das "bereits" aussagen ? Folgt man der Urknalltheorie, dehnt sich die "Welt" aka "Universum" seit dem Urknall kontinuierlich aus, ist folglich zu keinem Zeitpunkt an einem Ort den sie schon einmal innehatte. Was haben die beiden Sätze miteinander zu tun ?
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