Riesiges Datenleak Türkische Justiz leitet Ermittlungsverfahren ein

Ein Online-Datensatz, der Informationen zu 50 Millionen türkischen Bürgern enthält, sorgt weiter für Aufregung. Nach anfänglicher Zurückhaltung der Regierung gibt es jetzt ein Ermittlungsverfahren.

Ein Beispiel aus dem veröffentlichten Datensatz

Ein Beispiel aus dem veröffentlichten Datensatz


Die türkische Justiz ermittelt wegen der Verbreitung persönlicher Daten von fast 50 Millionen Bürgern im Internet. Die Staatsanwaltschaft in der Hauptstadt Ankara habe ein entsprechendes Verfahren eingeleitet, berichtet die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Auch persönliche Angaben zu Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan und anderen Spitzenpolitikern waren im Netz verbreitet worden.

Justizminister Bekir Bozdag sagte, die Zahl von fast 50 Millionen Betroffenen entspreche in etwa der Zahl der Wähler in der Türkei. Möglicherweise könnten deshalb Daten der Wahlkommission widerrechtlich ins Internet gestellt worden sein.

Die Datenbank mit exakt 49.611.709 Einträgen enthält unter anderem den Namen, die Namen der Eltern, das Geburtsdatum, die Adresse und die nationale Identifikationsnummer der Betroffenen.

Die türkische Regierung hatte zunächst versucht, den Fall auf sich beruhen zu lassen. Kommunikationsminister Binali Yildirim hatte gesagt, es handele sich um alte Vorwürfe, die lediglich neu aufgewärmt würden. Es habe keinen Datenklau gegeben.

"Schon länger im Netz verfügbar"

Vier Analysen hatten die Angaben unabhängig voneinander für echt erklärt: Der englische Sicherheitsexperte Carl Gottlieb, der türkische Softwareentwickler Eren Türkay, die Nachrichtenagentur AP und der deutsche Datenjournalist Sebastian Mondial haben die Daten mit anderen Quellen abgeglichen.

Carl Gottlieb sagte SPIEGEL ONLINE, er gehe davon aus, dass es sich um Daten aus dem Melderegister von 2008 handelt. "Diese Datenbank ist schon länger im Netz verfügbar - bisher aber niemals vollständig und nie im Klartext."

Wer die Datenbank ins Netz gestellt hat, ist noch immer unklar. Auf der Download-Seite wird die türkische Regierung für ihre Politik und mangelnde Datensicherheit kritisiert.

mbö/AFP



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