Terroranschlag in Suruc Türkische Provider blockierten Twitter

Nach einer Sperre durch mehrere türkische Internetanbieter ist der Zugang zum Kurznachrichtendienst Twitter wieder freigeschaltet. Ein Gericht hatte zuvor angeordnet: Bilder des Attentats in Suruc dürfen nicht verbreitet werden.
Twitter-Logo vor türkischer Flagge: Ein weiterer Versuch, die Verbreitung von Bildern durch eine Komplett-Sperre zu verhindern

Twitter-Logo vor türkischer Flagge: Ein weiterer Versuch, die Verbreitung von Bildern durch eine Komplett-Sperre zu verhindern

Foto: Karl-Josef Hildenbrand/ dpa

Update, 22. Juli: Nach einer mehrstündigen Sperre hat ein türkisches Gericht den Zugang zu Twitter wieder freigegeben. Die Nachrichtenagentur DHA meldete am Mittwoch, das Gericht habe die zuvor verhängte Blockade des Kurzmitteilungsdienstes aufgehoben. Allerdings berichteten am Nachmittag noch einige Nutzer von Zugangsproblemen. (dpa)

Es folgt die ursprüngliche Meldung:

Seit Mittwochvormittag ist in der Türkei der Zugang zu Twitter blockiert. Grund dafür ist die Anordnung eines Gerichts, das die Veröffentlichung von Fotos und Videos vom Selbstmordanschlag in Suruc untersagt.

Bei dem Terrorangriff am Montag waren 32 Menschen getötet und mehr als hundert verletzt worden. Die Opfer, überwiegend Studenten, wollten von Suruc weiter in das wenige Kilometer entfernte Kobane in Syrien reisen, um dort beim Wiederaufbau der völlig zerstörten Stadt zu helfen.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu heißt es in der Entscheidung des Gerichts in Suruc, die "Publikation von visuellem Material in Bezug auf den Terrorangriff" sei in Zeitungen und im Fernsehen untersagt. Ebenso seien Seiten im Internet, die Material von dem Anschlag zeigen, zu sperren. Weshalb nur Twitter gesperrt wurde, blieb indessen unklar.

Mehrere Internetprovider seien der Anordnung gefolgt, meldeten verschiedene türkische Nachrichtenagenturen unter Berufung auf Vertreter von Behörden. Die staatliche Telekommunikationsbehörde BTK sei nicht involviert, heißt es, es seien vielmehr Bemühungen im Gange, die Sperre wieder aufzuheben.

Blogger beschwerten sich, die Blockade sei lediglich ein erneuter Versuch der türkischen Behörden, gegen Twitter vorzugehen. Der Kurznachrichtendienst war in der Vergangenheit mehrfach in der Türkei gesperrt worden.

In der Türkei ist es üblich, dass Gerichte Nachrichtensperren über bestimmte Themen verhängen. So durfte über Waffenlieferungen durch die Türkei an Extremisten in Syrien nicht berichtet werden. Ebenso wurde eine Nachrichtensperre über die Geiselnahme türkischer Diplomaten im irakischen Mossul verhängt. Nach Angaben der Zeitung "Hürriyet" wurde seit 2010 die Berichterstattung über mehr als 150 Themen untersagt, darunter auch über Korruptionsvorwürfe gegen Regierungsmitglieder sowie das Bergwerksunglück in Soma, bei dem 301 Menschen ums Leben gekommen waren.

Am Dienstag, einen Tag nach dem Anschlag von Suruc, hatte die Kommunalverwaltung von Sanliurfa auch Demonstrationen, Protestkundgebungen und Trauermärsche untersagt.

kaz
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