Kurznachrichtendienst Twitters Nutzerzahl steigt – und Donald Trump bleibt dauerhaft gesperrt

Wird das Interesse an Twitter ohne Trump-Tweets abflauen? Diese Frage will der Dienst mit neuen Zahlen beantworten – zu seinen Gunsten. Für Trump soll es auf der Plattform kein Comeback geben.
Gesperrter Trump-Account auf Twitter: Verbannt erst kurz vor dem Ende der Amtszeit

Gesperrter Trump-Account auf Twitter: Verbannt erst kurz vor dem Ende der Amtszeit

Foto: Christophe Gateau / dpa

Nach dem Sturm auf das Kapitol durch seine Anhängerinnen und Anhänger erteilten viele soziale Netzwerke dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump einen virtuellen Maulkorb. Unter anderem Twitter, Facebook und YouTube sperrten oder blockierten Trumps Konten. Manche Sperren galten zunächst nur vorübergehend.

Nun stellte Twitter klar: Für den von der Plattform verbannten Ex-Präsidenten wird es keinen Weg zurück geben. »Unsere Regeln sollen dafür sorgen, dass niemand zur Gewalt anstiftet. Wenn jemand das tut, entfernen wir ihn von der Plattform – und unsere Regeln erlauben es Leuten nicht zurückzukommen«, sagte Finanzchef Ned Segal am Mittwoch im TV-Sender CNBC.

Twitter hatte Trump Anfang Januar rund zwei Wochen vor dem Ende seiner Amtszeit gesperrt. Auslöser waren neben der Erstürmung des US-Kapitols auch Trumps wiederholte unbelegte Behauptungen, der Sieg bei der Präsidentenwahl sei ihm durch massiven Betrug gestohlen worden. »Wenn man von der Plattform entfernt wurde, wurde man von der Plattform entfernt – egal, ob man ein Kommentator, ein Finanzchef oder ein früherer oder amtierender Staatsdiener ist«, sagte Segal.

Trumps wichtigster Social-Media-Kanal

Der Twitteraccount mit mehr als 80 Millionen Abonnenten war für Trump über Jahre der wichtigste Kommunikationskanal. Nach kontroversen Tweets des Präsidenten war der Kurznachrichtendienst von Kritikern immer wieder aufgefordert worden, Trump zumindest zeitweise zu sperren. Twitter schreckte bis zur Attacke auf das Kapitol davor zurück und beschränkte sich auf Warnhinweise unter anderem bei falschen Behauptungen über den Ausgang der US-Präsidentenwahl und das Coronavirus.

Über die Frage, inwiefern eine Trump-Sperre das Interesse an Twitter abflauen lassen oder auch erhöhen könnte, war viel spekuliert worden. Twitter lieferte nun erstmals Zahlen zum Thema. In diesem Januar sei die Nutzerzahl schneller gewachsen als im Durchschnitt der vergangenen vier Jahre, so der Dienst.

Dass Twitter Informationen über die Entwicklung in einem einzelnen Monat preisgibt, ist untypisch – aber der Dienst verwies auf die »ungewöhnlichen Umstände«.

Twitter-Chef Jack Dorsey betonte, der Dienst hänge nicht allein von News und Politik ab. »Wir sind eine Plattform, die ganz offensichtlich größer als jedes einzelne Thema und jeder einzelne Account ist«, sagte er in einer Telefonkonferenz mit Analysten zu aktuellen Quartalszahlen. Wichtig seien unter anderem auch Sportevents, große Preisverleihungen und Unterhaltung.

Anpassungen im Sinne der Werbekunden

Im vergangenen Vierteljahr beschleunigte sich der Zuwachs bei der Nutzerzahl wieder etwas. Twitter nennt seit einiger Zeit nur noch die Zahl der Nutzer, die der Dienst in seinen eigenen Apps oder in der Web-Version täglich mit seiner Werbung erreichen kann. Sie stieg binnen drei Monaten von 187 auf 192 Millionen.

Twitter war im US-Wahlkampf und in der Coronakrise härter gegen extremistische Ansichten und Falschinformationen über das Virus und Impfstoffe vorgegangen. Einige der Maßnahmen hätten einen »kleinen, aber messbaren« negativen Effekt auf die Nutzerzahlen gehabt, hieß es. Twitter hatte unter anderem Tausende Accounts von Unterstützern der Verschwörungsbewegung QAnon gesperrt.

Zugleich seien solche Schritte aber gut bei Werbekunden angekommen, betonte Finanzchef Ned Segal. Sie hätten dadurch ein besseres Gefühl, wenn sie Anzeigen bei Twitter schalten wollen, sagte er dem »Wall Street Journal«.

Twitters Umsatz stieg im Jahresvergleich um 28 Prozent auf rund 1,29 Milliarden Dollar. Der Quartalsgewinn sprang von knapp 119 Millionen Dollar auf 222 Millionen Dollar. Für das laufende Quartal rechnet Twitter mindestens mit einem Umsatzplus von 16 Prozent auf 940 Millionen Dollar.

Twitter verdient sein Geld hauptsächlich mit Anzeigenprodukten – wie etwa der Möglichkeit, Tweets in Timelines der Nutzer zu platzieren. Zugleich soll künftig auch mit nicht näher umschriebenen Abo-Ideen experimentiert werden. Sie würden aber nicht vor kommendem Jahr einen spürbaren Umsatzbeitrag leisten, so das Unternehmen.

mrc/mbö/dpa
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