Gezielte Fehlinformation Twitter löscht 170.000 Accounts mit chinesischer Propaganda

Fast 24.000 Profile mit Verbindung nach Peking verbreiteten laut Twitter systematisch falsche Informationen - noch viele mehr funktionierten als Verstärker. Nun ist das Unternehmen eingeschritten.
Twitter-Zentrale in San Francisco: Agenda von Chinas Regierung

Twitter-Zentrale in San Francisco: Agenda von Chinas Regierung

Foto: JUSTIN SULLIVAN/ AFP

Nicht erst seit dem höchst öffentlichen Disput mit Donald Trump ist die Verbreitung von politisch motivierter Propaganda und irreführenden Informationen auf Twitter ein Thema. Das Unternehmen hat jetzt nach eigenen Angaben mehr als 170.000 angeblich im Interesse der chinesischen Regierung gesteuerte Propaganda-Accounts von seiner Plattform entfernt.

Bei der Aktion seien 23.750 Nutzerkonten entdeckt und beseitigt worden, die sich in hohem Maße bei der Verbreitung von Fehlinformationen engagiert hätten, teilte der Kurznachrichtendienst am Donnerstag (Ortszeit) mit. Die Konten seien größtenteils früh erkannt und entfernt worden.

Zudem habe Twitter rund 150.000 Accounts stillgelegt, die Nachrichten durch Retweets und Likes weiterverbreitet und Nachdruck verliehen haben sollen, die angeblich der Agenda von Chinas Regierung dienten. Bei den Inhalten sei es etwa um die Proteste in Hongkong oder die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus gegangen. Es wurden auch dubiose Nutzerkonten beseitigt, die Twitter russischen und türkischen Regierungsinteressen zuschrieb - aber in deutlich geringerem Ausmaß.

Twitter versucht schon länger, Nutzerkonten - insbesondere gefälschte und von Bots gesteuerte Profile - abzuschalten, die Propaganda, Hetze oder Spam verbreiten. Zuletzt geriet das Unternehmen dabei auch mit US-Präsident Trump aneinander, der die Plattform als wichtigen Kommunikationskanal nutzt. Twitter prüfte einen Tweet von Trump auf seinen Wahrheitsgehalt und zog damit dessen Zorn auf sich.

Konzern kennzeichnete Nachricht des Präsidenten als gewaltverherrlichend

Nur wenig später kam es zur nächsten Eskalation. Eine Nachricht von Trump zu den Ausschreitungen in der Stadt Minneapolis nach dem Tod von George Floyd verherrliche Gewalt, so der Kurznachrichtendienst Ende Mai. Deshalb sei der Beitrag mit einer entsprechenden Notiz versehen worden. Er bleibe aber zugänglich, weil dies im öffentlichen Interesse sei.

In einigen Ansichten sah man statt des Tweets zunächst nur den Warnhinweis und muss sich erst zu dem Beitrag durchklicken. Trump hatte in dem Tweet unter anderem von "Schlägertypen" gesprochen, die das Andenken des Opfers entehrten. Bei Problemen werde man die Kontrolle übernehmen, so Trump, dazu schrieb er: "Wenn das Plündern beginnt, beginnt das Schießen."

jok/dpa