Blauer Haken Prorussische Konten kaufen sich offenbar Twitter-Verifikation
Logo der Twitter-App: »gegen Gender-Pronomen, einfach nur Anti-Imperialismus«
Foto: Matt Rourke / APProrussische Twitter-Profile haben sich in den vergangenen Wochen das blaue Verifikationssymbol für ihre Twitter-Konten gekauft. Das berichtet die »Washington Post« unter Berufung auf eine Studie der US-Forschungsgruppe Reset, die die Zeitung vorab einsehen konnte.
Das Abo kostet acht Euro pro Monat. Laut Elon Musk sollen die Beiträge von Abonnentinnen und Abonnenten des »Twitter Blue« genannten Angebots besonders gut platziert und mehr Nutzerinnen und Nutzern angezeigt werden.
Dem Bericht zufolge verbreiteten Profile Falschinformationen auf Kreml-Linie über den Angriffskrieg in der Ukraine und machten Stimmung gegen westliche Unterstützung für das Land. Die Konten geben offiziell an, dass sie nicht aus Russland agieren. So würden sie das Verifikations-Abo wahrnehmen können, ohne gegen US-Sanktionen zu verstoßen, schreibt die »Washington Post«.
Eines der Konten bezeichne sich demnach als »nicht woke, gegen Black Lives Matter, gegen Gender-Pronomen, einfach nur Anti-Imperialismus.« Ein anderer Account beschreibe sich als: »Ich trage meinen Teil dazu bei, die westliche Unterstützung für die ukrainische Kriegsmaschine zu stoppen«, heißt es weiter.
Vor der Übernahme des sozialen Netzwerks durch Elon Musk wurden die blauen Häkchensymbole für verifizierte Accounts von Twitter erst nach einer Prüfung an Prominente, Politiker, Journalisten und Unternehmen vergeben. Der Techmilliardär hingegen hat ein Bezahlmodell für die blauen Haken eingeführt, das das alte System ersetzen soll.
Für die Zukunft ist angekündigt, dass Beiträge von Abokunden bei Twitter besser sichtbar platziert werden sollen. Teilweise, so heißt es in Berichten, geschehe das schon heute. Bei Twitter kann man sich Tweets nicht nur chronologisch anzeigen lassen, sondern auch von Algorithmen ausgewählt. In dieser Ansicht können auch Beiträge von Accounts vorkommen, denen man nicht folgt.
Musk kommentiert Desinformations-Tweet
Mit einem der von den Reset-Forschern untersuchten Konten, das einen blauen Haken hat und Falschinformationen verbreitet, hat Elon Musk selbst interagiert. Der Milliardär hatte einen Tweet, in dem fälschlicherweise behauptet wurde, dass im Ukrainekrieg 157.000 ukrainische Militärangehörige und 2458 Nato-Soldaten getötet worden seien mit den Worten kommentiert: »ein tragischer Verlust von Leben«.
A tragic loss of life
— Elon Musk (@elonmusk) February 6, 2023
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Später rief er Twitter-Nutzer zu einem Faktencheck der Zahlen auf. Nato-Soldaten nehmen nicht am Krieg teil. Durch Musks Antwort auf den Tweet wurden die falschen Informationen mehr Nutzerinnen und Nutzern der Plattform angezeigt, als wenn er nicht damit interagiert hätte.
Als Friedenslösung hatte Musk vor einigen Monaten vorgeschlagen, in den von Russland völkerrechtswidrig annektierten ukrainischen Gebieten unter Uno-Aufsicht Abstimmungen über die künftige Zugehörigkeit zu Russland oder der Ukraine abzuhalten. Dabei regte er an, die rechtswidrig von Russland besetzte Krim als Teil Russlands anzuerkennen. Zugleich versorgen Starlink-Systeme seiner Firma SpaceX einige Gebiete in der Ukraine nach russischen Attacken auf die lokale Infrastruktur mit Internetverbindungen. Musk sprach sich vor Kurzem allerdings gegen eine militärische Nutzung dieser Technik aus.