Soziales Netzwerk Twitter sperrt Konten zum Osteuropa-Konflikt – und spricht von »Versehen«

»Kleine Anzahl menschlicher Fehler«: Twitter hat Accounts blockiert, die über russische Truppenbewegungen rund um die Ukraine berichten. Dem Konzern zufolge wurden die Nutzer falsch eingeschätzt.
Foto: Thomas White / REUTERS

Bewusste und unbewusste Falschinformationen sind ein massives Problem in den sozialen Netzwerken. Erst recht, wenn es um Krieg und Frieden geht – wie derzeit in Osteuropa. Die Anbieter stellt der Kampf gegen manipulierte Informationen vor eine erhebliche Aufgabe. Manchmal kommt es dabei zu Pannen.

So hat Twitter zuletzt laut eigenen Angaben einige Konten, die über russische Militärbewegungen berichten, »versehentlich« gesperrt. Das soziale Netzwerk beobachte »aufkommende Geschichten, die gegen unsere Regeln verstoßen« genau und habe in diesem Fall »versehentlich Maßnahmen ergriffen«, sagte ein Sprecher des Internetkonzerns der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch.

Der Westen warnt aufgrund zunehmender russischer Militäraktivitäten an der Grenze zur Ukraine vor einem kurz bevorstehenden Angriff.

Zuvor hatte ein hochrangiger Vertreter von Twitter Fehler bei der Arbeit des Konzerns gegen Desinformation zugegeben. Eine »kleine Anzahl menschlicher Fehler im Rahmen unserer Arbeit, proaktiv gegen Medienmanipulation vorzugehen, hat zu diesen falschen Maßnahmen geführt«, erklärte Yoel Roth, der für die Integrität der Plattform zuständig ist, auf seinem eigenen Twitteraccount. Die Plattform habe damit begonnen, die Konten wiederherzustellen.

Es hatte Vermutungen gegeben, dass die Sperrungen auf eine koordinierte Kampagne von Computerprogrammen – sogenannten Bots – im Auftrag Russlands zurückgingen. Der Unternehmenssprecher bestritt jedoch, dass die Sperrungen »aufgrund von Massenmeldungen« ergriffen worden seien.

Sanktionen gegen russische Staatsmedien verhängt

Im Zuge seiner Aggressionen gegen die Ukraine wird Russland seit Langem beschuldigt, Falschinformationen im Netz zu verbreiten, um Verwirrung zu stiften und einen Vorwand für den Einmarsch in das Land zu fabrizieren. Dieser könnte nun unmittelbar bevorstehen. Am Mittwochabend hatten die Separatistenführer in den abtrünnigen Regionen in der Ostukraine in Moskau um militärischen Beistand gebeten. Damit wäre ein Vorwand für eine Invasion durch Russland gegeben, den der Kreml für weitere Schritte zu suchen scheint.

Die EU hatte am Mittwochabend die Chefin des staatlichen Fernsehsenders Russia Today, Margarita Simonjan, und die Sprecherin des Außenministeriums in Moskau, Maria Sacharowa, wegen ihrer Beteiligung an einem »Desinformationskrieg« im Zusammenhang mit dem Ukrainekonflikt sanktioniert.

jok/AFP
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