Mammutprojekt US-Kongressbibliothek gibt Archivierung aller Tweets auf

Sie gilt als größte Bibliothek der Welt und wollte sämtliche Tweets für die Nachwelt erhalten - nun muss die US-Kongressbibliothek den Plan aufgeben. Wer noch verewigt werden will, muss sich beeilen.

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Die US-Kongressbibliothek will nicht mehr jede Twitter-Botschaft archivieren, die jemals verschickt wurde. Die als größte Bibliothek der Welt geltende Institution teilte mit, ab 1. Januar würden nur noch ausgewählte Tweets archiviert. Die Begründung: Die Masse an Tweets, Fotos und Videos übersteige die Speicherkapazitäten.

Die Kongressbibliothek hatte ihr Twitter-Archiv 2010 gestartet. Twitter hatte der Bibliothek damals eine Datenbank übergeben, die alle Tweets enthält, die jemals gepostet wurden. Der erste wurde am 21. Mai 2006 von Gründer Jack Dorsey veröffentlicht. Der Inhalt: "Richte gerade mein twttr ein."

Der Zugang zum Archiv ist derzeit eingeschränkt, weil die Bibliothek noch nach effizienten und kostengünstigen Zugangsmöglichkeiten sucht. Nach eigenen Angaben will die Bibliothek ab 2018 "auf einer sehr selektiven Basis" weiter Twitter-Botschaften archivieren. Die Sammlung werde vermutlich "themen- und ereignisbezogen" sein, mögliche Themen seien beispielsweise Wahlen oder wichtige Gesetze.

Senkt Trump das Twitter-Niveau?

Die Zahl der Tweets ist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen. Vor sechs Jahren wurden eine halbe Milliarde Tweets innerhalb von zwei Wochen verschickt, mittlerweile sind es genauso viele an nur einem Tag.

Die Entscheidung der Kongressbibliothek wurde eifrig kommentiert - vor allem auf Twitter. "Nicht gut", twitterte die Fernsehjournalistin Mariam Amin. "Ich will, dass jeder einzelne Tweet archiviert wird. In 40 Jahren will ich meine Enkelin in die Kongressbibliothek mitnehmen und ihr zeigen, welchem Wahnsinn ich als Journalistin ausgesetzt war."

Andere Twitter-Nutzer beklagten, US-Präsident Donald Trump als eifriger Nutzer habe das Niveau auf Twitter gesenkt: "Trump hat es geschafft, den Wert von Twitter zu senken", lautete ein Kommentar. "Jetzt wird die Kongressbibliothek nicht mehr jeden Tweet archivieren. Wahrscheinlich, weil die meisten seiner Tweets dem Rest des Landes peinlich sind."

koe/AFP

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