Interne Unterlagen Provider speichern auch SMS-Inhalte

Ihr Provider weiß, was Sie schreiben - sieben Tage lang: Anders als bislang bekannt werden bei SMS neben den Verbindungsdaten auch die Inhalte gespeichert. Angesichts der Debatte um die Vorratsdatenspeicherung ist dieser Fakt brisant.

Frau mit Smartphone: Verkehrsdaten und Inhalt werden nicht getrennt
REUTERS

Frau mit Smartphone: Verkehrsdaten und Inhalt werden nicht getrennt


Die Vorratsdatenspeicherung (VDS) ist zurück. Während die VDS-Befürworter betonen, das neue Gesetz passe zu allen rechtlichen Vorgaben, halten Datenschützer das Vorhaben für einen Angriff auf die Bürgerrechte und für verfassungswidrig. Eine neue Steilvorlage für ihre Argumentation bekamen sie nun am Freitagmorgen durch eine Veröffentlichung des Arbeitskreises Vorratsdatenspeicherung (AK Vorrat).

Die Initiative, die das Gesetz ablehnt, kommt zu der Erkenntnis, dass Deutschlands Mobilfunkanbieter den Inhalt jeder versandten SMS-Kurznachricht abfangen und diesen zur "Fehlererkennung" abspeichern. Die Aufsichtsbehörden seien seit Jahren informiert, "haben die Praxis aber weder unterbunden noch die Öffentlichkeit informiert".

Als Beleg hat der AK Vorratsdatenspeicherung interne Schriftverkehre und Gesprächsprotokolle ins Netz gestellt, in denen etwa Bedenken des Bundesdatenschutzbeauftragten dokumentiert werden. Die hier als PDF einsehbaren Unterlagen, in denen die Telekom, Vodafone und Telefónica namentlich auftauchen, lassen tatsächlich die Vermutung zu, dass die Provider nicht nur die Verbindungsdaten zu den SMS ihrer Kunden sieben Tage lang speichern, sondern auch die Inhalte der Nachrichten.

Keine Trennung von Verkehrsdaten und Inhalten

In einem Schreiben der Telekom - Seite 9 im PDF - aus dem Juni 2014 beispielsweise heißt es, die zuständige Fachabteilung habe mitgeteilt, dass "eine Trennung der Verkehrsdatenanteile und der Inhaltsanteile nicht stattfindet. Daher werden die kompletten SMS bis zum Ablauf der Speicherfrist aufbewahrt." Der Zugriff auf die SMS sei jedoch "stark eingeschränkt". Im selben Dokument heißt es aber auch: "Eine Speicherung des SMS-Inhaltes erfolgt nur, wenn die Nachricht nicht zustellbar ist."

Konkurrent Telefónica sagte der "Süddeutschen Zeitung" auf Anfrage, dass die Trennung der Daten bis heute technisch unmöglich sei, es handle sich um ein branchenweites Problem. "Anders als etwa bei dem populären Internetdienst WhatsApp werden bei der SMS die Inhalte sozusagen in denselben Container gepackt wie die Signalisierungsdaten, die für den Weg durchs Netz erforderlich sind", erklärt die "Süddeutsche Zeitung" die technische Herausforderung.

Gespeichert wird einiges

Dass die Provider schon vor Wiedereinführung der VDS manche Daten ihrer Kunden für Tage oder gar Monate speichern, war bereits bekannt. Relevant ist die Enthüllung vor allem, weil die Unterstützer der VDS stets betonen, dass nur Verbindungs- und Standortdaten, jedoch keine Kommunikationsinhalte gespeichert werden.

Nun, da man um die Speicherung der SMS-Inhalte weiß, ist diese Pauschalaussage eigentlich nicht mehr zu halten. Wenn durch die VDS alle Verbindungsdaten zehn Wochen lang gespeichert werden, werden künftig auch die SMS-Inhalte zehn Wochen lang bei den Providern lagern.

Der "Süddeutschen Zeitung" zufolge werden die Daten bei den Providern übrigens "technisch 'maskiert'", so dass zumindest nicht jeder Service-Mitarbeiter Zugriff darauf hat. Auch bei Anfragen der Polizei dürften Provider lediglich die Verbindungsdaten herausgeben, andernfalls würden sie sich strafbar machen.

Update, 16. Oktober: Gegenüber "Heise Online" haben am Freitagnachmittag zwei Provider der Darstellung aus der "Süddeutschen Zeitung" widersprochen. Ein Telekom-Sprecher sagte demnach, grundsätzlich werde der Inhalt einer SMS nach erfolgreicher Zustellung auf dem Endgerät im Kurzmitteilungscenter unmittelbar gelöscht. Eine Speicherung der Inhalte von Kurzmitteilungen erfolge nur, wenn die Nachricht dem Empfänger nicht zugestellt werden könne. Diese Speicherung dauere maximal zwei Tage.

Ein Telefónica-Sprecher wird mit der Aussage zitiert, der Datenverkehr werde lediglich zur Störungssuche mitunter ungefiltert mitgeschnitten und sieben Tage lang gespeichert. In solchen Fällen lägen dann auch SMS samt Inhalt vor.

mbö



insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
bluemetal 16.10.2015
1. Unerheblich
Nachdem aber eh niemand mehr SMS zur Kommunikation nutzt scheint mir das Problem unerheblich. Meinetwegen können auch Telegrafien und Rauchzeichen gespeichert werden. Schnee von vorgestern...
andreas.schafhauser.5 16.10.2015
2. Orwell 1984 wir kommen
Hab ich es mir doch gedacht, dass es bei der bloßen Metadatenspeicherung nicht bleiben wird.´ Was ist die Politikerkaste die diesen verfassungswidrigen Unsinn durchwinkt für eine kriminelle Bande? Man kann ja nur hoffen dass diese Schweinerei von Bundesverfassungsgericht gestoppt wird, denn dafür ist das Gericht ja da.
pterodactylus 16.10.2015
3. Vollkommen ohne Bezug
hat ein Whistleblower der USA dieser Tage zugegeben, dass mit Hilfe der Telefon-Metadaten Zielerfassungen für Tötungen durch Drohnen in Kriegsgebieten durchgeführt wurden. Auch wenn das hier unmittelbar keine Auswirkungen hat, lässt einen das doch darüber nachdenken, wie ungezwungen Freundschaft zu anderen Nationen unter den Umständen der Sammelwut denn sein kann. Ganz zu schweigen davon, wie unverfolgt man sich generell noch fühlen darf.
nolabel 16.10.2015
4. Textsecure!
Die beliebte Verschlüsselung Textsecure ist auch für Nicht-Nerds einfach zu installieren, man braucht keinerlei Spezialwissen. Die App erkennt, ob auf der Gegenseite ebenfalls Ts oder etwas kompatibles ist und verschlüsselt dann automatisch.
melaw 16.10.2015
5. Sms
wird 7 Tage gespeichert, internetbasierte Kurznachrichten auf immer und ewig. Kann sich jeder selbst raussuchen, womit er brisante Inhalte transportiert...
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