UFO-Hacker McKinnon verliert Prozess gegen Auslieferung in die USA

Der britische High Court hat die Einsprüche des Hackers Gary McKinnon gegen dessen Auslieferung in die USA abgelehnt. Ob ihm eine weitere Berufung erlaubt wird, ist nicht klar. McKinnon drohen in den USA 70 Jahre Haft, weil er auf Nasa-Computern nach UFOs suchte.

Düstere Aussichten für Gary McKinnon: Exzentriker auf der Suche nach UFOs oder böswiliger Hacker, der US-Regierungsserver attackierte?
dpa

Düstere Aussichten für Gary McKinnon: Exzentriker auf der Suche nach UFOs oder böswiliger Hacker, der US-Regierungsserver attackierte?


Der in Glasgow geborene Hacker Gary McKinnon hat erneut einen Prozess gegen seine von den USA geforderte Auslieferung verloren. Am Freitagmorgen urteilte der britische High Court, McKinnons Einsprüche, für seine Hacks in Großbritannien vor Gericht gestellt werden zu wollen und die Auslieferung aufgrund des bei ihm diagnostizierten Asperger-Syndroms zu verweigern, hätten keine Grundlage.

McKinnon hatte vor dem High Court gegen eine Entscheidung des Innenministeriums geklagt. Das hatte zuerst im April 2007 seinen Einspruch gegen die 2005 von den USA beantragte Auslieferung abgelehnt. McKinnon hatte sich daraufhin an das britische Oberhaus gewandt, das seine Einsprüche im Juli 2008 ablehnte. Auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte konnte im August 2008 keine Gründe finden, warum McKinnon nicht ausgeliefert werden sollte. Dem folgte dann das britische Innenministerium im Oktober 2008 mit der Genehmigung des Auslieferungsverfahrens.

McKinnons Klage vor dem High Court war als seine letzte realistische Chance gesehen worden, diese Auslieferung noch abzuwenden. Theoretisch wäre McKinnon noch eine letzte Berufung vor dem britischen Supreme Court möglich, der muss sich der Sache aber nicht annehmen: Ob ein weiteres Berufungsverfahren stattfinden wird, ist darum zurzeit unklar.

Cyberterrorist oder verirrter Exzentriker?

Bereits wenige Minuten nach dem Urteil wandten sich am Freitagmorgen Sprecher der britischen Opposition an die Presse. Das Urteil, sagte etwa Chris Grayling, innenpolitischer Sprecher der Tories, sei "sehr enttäuschend". Die Menschen in Großbritannien seien "sehr besorgt über unsere Auslieferungs-Regelungen". Gerade der Fall McKinnon solle in Großbritannien verhandelt werden, da es ernstzunehmende gesundheitliche Gründe dafür gäbe.

McKinnon, der in seinen Hacker-Tagen als "Solo" bekannt war, leidet am Asperger-Syndrom, an Depressionen und gilt als Suizid-gefährdet. In den USA drohen ihm bis zu 70 Jahre Haft wegen des Dateneinbruchs in Computernetze der US Army (1997), der Nasa und des Pentagon (2001 und 2002). Vor allem letztere Schnüffelaktionen, in deren verlauf McKinnon nach eigener Aussage nach geheimen Beweisen für die Existenz von UFOs suchte, sollen Schäden in Höhe von über 700.000 Dollar verursacht haben.

Sie erfolgten kurz nach den Terrorattacken des 11. September, was sich auf die Klage auswirkte, die das US-Justizministerium bereits im November 2002 erhob: Die USA hatten unter dem Eindruck der Terroranschläge ihre Gesetze gerade massiv verschärft. Die US-Kläger beharren darauf, dass McKinnon bewusst und mit böswilligen Absichten in die Regierungsnetze eingedrungen sei.

In Großbritannien wird McKinnon von Oppositionsparteien und Lobbyorganisationen von Autismus- und Asperger-Kranken unterstützt. Seine Anwälte hatten vor dem High Court argumentiert, McKinnon sei nicht bösartig, sondern "exzentrisch". Seine Suche nach UFO-Beweisen in Computernetzen begann McKinnon Ende der 90er, sie soll zunehmend obsessive Züge gehabt haben.

pat

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