Razzia in der Ukraine Mitarbeiter schürften Bitcoins im Atomkraftwerk

In der Ukraine haben Mitarbeiter eines Atomkraftwerks das interne Netzwerk ans Internet angeschlossen - um Bitcoins zu schürfen. Sie sind nicht die Ersten, die so die Sicherheit gefährdeter Anlagen aufs Spiel setzten.
Bitcoin-Fans, die im südukrainischen Atomkraftwerk bei Yuzhnoukrainsk arbeiteten, könnten die Sicherheit der Anlage gefährdet haben

Bitcoin-Fans, die im südukrainischen Atomkraftwerk bei Yuzhnoukrainsk arbeiteten, könnten die Sicherheit der Anlage gefährdet haben

Foto: Sergey Dolzhenko/ DPA

Der ukrainische Inlandsgeheimdienst ermittelt wegen einer Sicherheitslücke in einem Atomkraftwerk: Mitarbeiter des Kraftwerks hatten Teile eines internen Netzwerks an das Internet angeschlossen - um Bitcoins zu minen.

Der Vorfall soll sich einem Bericht von "ZDnet"  zufolge in dem Kernkraftwerk Süd-Ukraine bei Yuzhnoukrainsk ereignet haben, das rund 350 Kilometer südlich der Hauptstadt Kiew liegt und das zweitgrößte Kraftwerk des Landes ist. Am 10. Juli führte der Geheimdienst dort eine Razzia durch und beschlagnahmte im Verwaltungstrakt der Anlage Computer und andere IT-Geräte, die für die Bitcoin-Herstellung genutzt worden waren.

Die Behörden ermitteln nun wegen des potentiellen Leaks von Staatsgeheimnissen - und prüfen, ob Angreifer die Sicherheitslücke genutzt haben, um weiter in die Computernetzwerke vorzudringen und etwa Dokumente oder Informationen zur Absicherung des Atomkraftwerks abzugreifen.

Atomkraftwerke gelten als sogenannte "kritische Infrastruktur" - Anlagen, deren Funktionstüchtigkeit für einen Staat besonders relevant sind und bei denen Hackerangriffe einen enormen Schaden anrichten können. Die Computernetzwerke solcher Anlagen sind normalerweise nicht ans Internet angeschlossen und besonders gut abgesichert - zumindest in der Theorie.

Mehrere Mitarbeiter des ukrainischen Kraftwerks wurden wegen ihrer Beteiligung an der Bitcoin-Produktion angeklagt, aber noch nicht festgenommen.

Nicht das erste Mal

Es ist nicht der erste Vorfall, bei dem Fans von Kryptowährungen zum Risiko für Hochsicherheitsanlagen werden. Für die Produktion solcher Währungen sind enorme Strommengen und viel Rechnerleistung erforderlich - das brachte offenbar auch Mitarbeiter anderer großer, staatlicher Einrichtungen mit leistungsstarken Computeranlagen auf die Idee, diese nebenbei zur Bitcoin-Herstellung zu missbrauchen.

In Russland wurden der "BBC"  zufolge im Februar 2018 mehrere Wissenschaftler festgenommen, die im russischen staatlichen Atomforschungszentrum in Sarov Bitcoins geschürft hatten. Die Krypto-Schürfer wurden entdeckt, nachdem sie einen Rechner ans Internet angeschlossen hatten, der aus Sicherheitsgründen vom Netz isoliert war - das alarmierte das Sicherheitsteam.

Auch gegen einen Angestellten des Rumänischen Nationalen Forschungszentrums für Kernphysik und -technik sowie gegen zwei Schürfer aus der IT-Abteilung des australischen Wettervorhersage-Institutes wurde bereits ermittelt.

sop
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.