Unesco-Bericht Regierungen greifen immer öfter zu Internetsperren

Wer das Internet kontrolliert, kontrolliert den Informationsfluss im Land: Nach dieser Maxime handeln laut einem neuen Uno-Bericht immer mehr Regierungen weltweit - und sperren unliebsame Inhalte einfach.

Büro von Al Jazeera in Doha
REUTERS

Büro von Al Jazeera in Doha


Die Unesco hat in einem aktuellen Bericht vor einer wachsenden Zahl von Internetsperren durch Regierungen gewarnt. Weltweit sei es in diesem Jahr bislang zu 61 solcher Netzblockaden gekommen, mehr als dreimal so viel wie vor zwei Jahren, heißt es in einem Papier der Uno-Kulturorganisation (pdf), das am Montag in Paris vorgestellt werden soll.

"Regierungen überwachen zunehmend den Informationsfluss, fordern die Sperrung von Inhalten oder sperren diese selber. Das ist schädlich für die Entwicklung von Gesellschaften", erklärte Wolfgang Schulz, Vorstandsmitglied der Deutschen Unesco-Kommission. "Die Kommunikations- und Informationsfreiheit steht in vielen Ländern der Welt unter Druck."

Laut der Organisation wurden seit Anfang vergangenen Jahres 116 Internetsperren durch Regierungen gezählt, die meisten davon in Asien. So gebe es etwa 54 Sperren in Indien und 11 in Pakistan.

Auch in Ägypten wurden im Mai dieses Jahres 21 Internetseiten gesperrt, darunter die des arabischen Nachrichtenkanals Al Jazeera. Nicht mehr zugänglich waren auch der Internetauftritt der in Ägypten verbotenen Muslimbrüder sowie anderer islamistischer Medien, meldete die Nachrichtenseite "Al-Masry al-Youm" damals. Mit Bezug auf "Quellen aus dem Sicherheitsbereich", berichtet die staatliche ägyptische Nachrichtenagentur Mena, die Seiten seien gesperrt worden, weil sie "Terrorismus unterstützen".

Ägypten geht seit dem Sturz des frei gewählten Präsident Mohammed Mursi 2013 mit harter Hand gegen Islamisten vor. In den Fokus gerät immer wieder der Sender Al Jazeera, der vom Emirat Katar finanziert wird.

Journalisten unter Druck

"Weltweit steht der Journalismus unter Beschuss", heißt es dazu in dem aktuellen Unesco-Bericht. Zwar hätten mehr Menschen Zugang zu Inhalten, aber die Kombination aus politischer Polarisierung und technologischem Wandel erleichtere die rasante Verbreitung von Hassreden, Frauenfeindlichkeit sowie unbestätigten Fake News.

In einer wachsenden Zahl von Ländern seien Journalisten physischen oder verbalen Angriffen ausgesetzt, heißt es weiter. Diese schränkten ihre öffentliche Berichterstattung ein.

gru/dpa

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