Millionen unsichere Sim-Karten Uno will weltweit Handy-Anbieter alarmieren

Eine Uno-Organisation warnt vor Hacker-Angriffen auf Handys: Die Internationale Fernmeldeunion will Behörden und Anbieter in fast 200 Ländern alarmieren. Ein IT-Experte hatte zuvor mindestens eine halbe Milliarde Sim-Karten als gefährdet eingestuft.
Junge Frau mit Handy: iPhones, BlackBerrys, Android-Handys - alle sind gefährdet

Junge Frau mit Handy: iPhones, BlackBerrys, Android-Handys - alle sind gefährdet

Foto: Tobias Hase/ picture alliance / dpa

Boston - Es ist eine gruselige Vorstellung: Hacker kapern mit einer einzigen SMS ein Handy, um dann mit der fremden Karte zu telefonieren, Anrufe umzuleiten oder sogar Gespräche zu belauschen. Dass dieses Szenario nicht unrealistisch ist, zeigt die rasche Reaktion der Vereinten Nationen (Uno) auf eine jetzt bekanntgewordene Sicherheitslücke, worin sie vor Hackerangriffen auf unzureichend geschützte Mobiltelefone warnt.

Die Internationale Fernmeldeunion (ITU) teilte mit, sie würde in Kürze die Regulierungsbehörden und Hunderte Handy-Anbieter in fast 200 Ländern alarmieren. Eine deutsche Firma hatte zuvor eine Sicherheitslücke in Mobiltelefonen mit einer veralteten Verschlüsselungstechnologie entdeckt. Darüber könnten Hacker Zugriff auf mindestens eine halbe Milliarde Handys bekommen. Die Untersuchungsergebnisse zeigten, welche Risiken im Internet in der Zukunft noch zu erwarten seien, sagte ITU-Generalsekretär Hamadoun Toure.

Der Sicherheitsexperte Karsten Nohl hatte kurz vorher in einem Bericht von "Zeit Online"  auf diese Gefahr hingewiesen. Viele Karten nutzten demnach einen veralteten und unsicheren Verschlüsselungsstandard. Hacker könnten in manchen Fällen ganz einfach die Sim-Karten knacken, ohne dass die Betroffenen das mitbekommen. Notwendig sei dazu in manchen Fällen nur eine SMS-Kurznachricht mit Schadcode, die an das Mobiltelefon geschickt wird. Wenn Hacker die Sim-Karte geknackt haben, könnten sie wie der Handy-Besitzer telefonieren, SMS schicken und auf gespeicherte Kreditkartennummern zugreifen. Internetbetrug und Spionage würde leicht gemacht, teilte die ITU mit.

iPhones, BlackBerrys, Android-Handys - alle sind gefährdet

Betroffen seien Handys mit Sim-Karten, in denen noch die alte Verschlüsselungstechnologie DES - ein Standard aus den 1970er Jahren -eingesetzt wird, sagte Nohl. Dies sei noch in mindestens einem Achtel der Sim-Karten der Fall, was nach Branchenangaben 900 Millionen Handys entsprechen würde. Zudem seien sämtliche Handy-Typen gefährdet: iPhones von Apple genauso wie mit der Google-Software Android betriebene Telefone sowie BlackBerrys.

Der Mobilfunkverband GSMA, der weltweit fast 800 Mobilfunkanbieter vertritt, erklärte, er werde die Untersuchungsergebnisse überprüfen. So reagierte auch die Firma Gemalto, Branchenführer unter den Herstellern von Sim-Karten.

Nohl ist Geschäftsführer der Berliner Firma Security Research Labs, zu deren Kunden nach eigenen Angaben große Unternehmen zählen. Er hatte bereits mehrfach verschiedene Schwachstellen in Handy-Netzen aufgedeckt.

lgr/Reuters/dpa
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