Urheberrecht Google lehnt Leistungsschutz für Verlage ab

Google hält nichts vom Leistungsschutzrecht. Ein Justiziar des Konzerns hat sich deutlich gegen eine von Verlagen geforderte Neuregelung des Urheberrechts ausgesprochen, die Suchmaschinen an die Leine legen würde. Das helfe nur Einzelnen, und am Ende leide vor allem die Internetwirtschaft.

Internet-Gigant Google: Hält Leistungsschutz für Verlage für gaga
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Internet-Gigant Google: Hält Leistungsschutz für Verlage für gaga


Berlin - Der Internetkonzern Google hat einen eigenen Leistungsschutz für deutsche Verlage im Netz abgelehnt. Es sei "systemwidrig" und "dreist", wenn Pressehäuser noch Geld für die kostenlose "Hilfestellung" haben wollten, die Suchmaschinen wie Google Chart zeigen leisten, schreibt der Google-Justiziar für Nord- und Zentraleuropa, Arnd Haller, in einem Beitrag auf carta.info.

Kein Verlag sei gezwungen, Inhalte überhaupt ins Netz zu stellen, noch sie kostenlos anzubieten. Wenn aber eigene Inhalte über Suchmaschinen verlinkt werden, sei es abwegig, dafür andere zur Kasse bitten zu wollen.

Suchmaschinen wie Google leiten mit erheblichen Investitionen die Leser im Internet auf die Seiten der Verlage und damit auf die dort platzierte Werbung, schreibt Haller. Den Verlegern gehe es nicht um Urheberschutz, sondern um eine zusätzliche Erlösquelle. Schon heute reichten die Gesetze aus, um die Medienunternehmen vor unerlaubten Zugriffen zu bewahren. "Im Ergebnis würde ein Leistungsschutzrecht nur den Interessen einiger weniger Großverlage nutzen, aber vielen schaden", so Haller, nicht zuletzt der Internetwirtschaft im Allgemeinen, "da die Internetnutzung abnehmen würde".

Seit Monaten fordern Verlage und ihre Verbände einen Schutz für ihre Angebote im Netz. Damit sollen schwindende Werbeerlöse ausgeglichen und Qualitätsjournalismus gesichert werden. Auch im schwarz-gelben Koalitionsvertrag wird ein Leistungsschutzrecht für Medien in Aussicht gestellt. Zuletzt hatte etwa Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) das Bedürfnis eines Leistungsschutzrechts für Presseverlage bekräftigt und die Allmacht von Netz-Unternehmen wie Google als "nicht fair" bezeichnet.

Wie schon bei der Musikindustrie bekämen mit einer solchen Neuregelung Presseunternehmen Rechte an ihren Inhalten über das bisherige Urheberrecht hinaus. Suchmaschinen könnten dann nicht mehr ungehindert auf Verlagsseiten zugreifen, sondern müssten um Erlaubnis bitten und gegebenenfalls dafür bezahlen. Auch Gerätehersteller, Online-Netzwerke und Blogger müssten gegebenenfalls Geld an die Verlage überweisen.

can/dpa



insgesamt 13 Beiträge
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MartinHa 04.08.2010
1. ...
Können sie doch heute schon haben. Einfach eine kleine Datei namens robots.txt mit folgendem Inhalt auf den eigenen Webserver legen: User-agent: * Disallow: / Damit wird Suchmaschinen verboten, die Seite zu indizieren, und die Leistung des Verlages ist geschützt. Dann einen Vertrag mit einzelnen Suchmaschinen abschließen und Geld dafür verlangen, in der robots.txt-Datei die Suchmaschine zu erlauben. Daher ist kein Gesetz nötig.
bismarck_utopia 04.08.2010
2. Zensur mal anders
Es wäre schön gewesen, wenn der Artikel erklärt hätte, warum Gerätehersteller und Blogger Geld an die Verlage überweisen müssten. Für mich hört sich das Ganze jedenfalls so an, als ob die Verlage den Suchmaschinen eine Ausweitung der Zensur aufzwingen möchten. Technisch lässt sich das aber schon heute einigermaßen umgehen, durch Ausweichen auf ausländische Suchmaschinen oder Nutzung von Webdiensten wie alernia, mit der Option, zensurreduziert zu recherchieren. Erst wenn internationale Zusammenschlüsse dieser Ich-möchte-einmal-arbeiten-und-millionenfach-abräumen-Spezies auf globaler Ebene bei solchen Vorhaben lückenlosen Erfolg haben, sieht es schlecht aus. Das liegt nach meiner Ansicht aber noch in weiter Ferne.
pseudokater 04.08.2010
3. Journalismus
Die meisten Informationsseiten kopieren doch nur noch Agenturmeldungen und schreiben ein oder zwei Worte dazu. Es wird sich nur noch auf das NEUigkeiten konzentriert, nicht mehr auf die NACHrichten die qualitativen Journalismus erfordern. So etwas erfordert kein Leistungsschutz. Da reicht eine einfache Robots.txt-Einstellung der jeweiligen Websites.
Europa! 05.08.2010
4. Aber hallo!
Natürlich steht Autoren, Künstlern, Filmern, Fotografen und Journalisten ein Leistungsschutz zu! Und der wird nun mal am besten von den Verlagen wahrgenommen. Es ist unerträglich, dass sich dieser amerikanische Großkonzern an der Arbeit Zehntausender hart arbeitender Menschen bereichert und sie dann mit "Werbeeinnahmen" abspeisen will.
A.Lias 05.08.2010
5. Das bedeutet also...
... dass BILD und all' die anderen Springer-Produkte nicht noch mehr Geld dafür fordern können, dass sie aus Blogs abschreiben, ohne ihre Quellen zu nennen. Im umgekehrten Fall müsste dann z.B. BILD für YouTube-Videos, die sie auf ihre Seiten stellen, mit vorgeschalteter Werbung, an die ursprünglichen Uploader Zahlen. Hat sich das Herr Döpfner gut überlegt, bevor er Leistungsschutzrecht forderte? Und was ist mit all' den fast wörtlich wiedergegebenen Pressemitteilungen, die sich nicht nur auf Springer-Seiten finden, oder Agenturmeldungen, die nahezu unverändert übernommen werden, teilweise ohne als solche gekennzeichnet zu werden? Würden die deutschen Pressehäuser dafür zahlen? Nein, natürlich nicht, nur Google, dafür, dass G ihnen traffic bringt.
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