US-Gouverneur kritisiert Schülerin verweigert Entschuldigung für Tweet

Das Publikum war klein, aber der Gouverneur von Kansas ist trotzdem sauer: Eine Teenagerin aus dem US-Staat hatte sich bei einer Veranstaltung mit dem Politiker via Twitter abfällig über Sam Brownback geäußert. Nun soll sie sich entschuldigen, verlangt ihr Rektor. Die Schülerin protestiert.
Twitter: Verschwimmende Grenze zwischen Privatkommunikation und Publikation

Twitter: Verschwimmende Grenze zwischen Privatkommunikation und Publikation

Foto: Armin Weigel/ dpa

Die aus Sicht der alten Medienwelt verwirrendste Eigenschaft von Twitter ist diese: Der Kurznachrichtendienst macht die Grenze zwischen privater Kommunikation und öffentlicher Publikation so unscharf, dass sie oft kaum noch zu erkennen ist. Einem US-Politiker bringt das nun den Vorwurf ein, er nehme es mit der Meinungsfreiheit nicht so genau.

65 Follower hatte die 18-jährige Emma Sullivan, als sie vergangene Woche einer Veranstaltung mit ihrem Gouverneur Sam Brownback beiwohnte. Sullivan hält nicht viel von Brownback, und das tat sie via Twitter ihren 65 Followern kund: "Ich habe gerade gemeine Kommentare zu Gouverneur Brownback abgegeben und ihm gesagt, dass er nichts taugt." Für letztere Formulierung gebrauchte Sullivan die umgangssprachlich sehr gängige, aber nicht besonders höfliche Formulierung "he sucked". Garniert war der Tweet  mit dem Hashtag "#heblowsalot", was in etwa bedeutet "er ist wirklich Mist", allerdings in einer Formulierung, die man als Verweis auf Oralsex verstehen kann.

Es gibt viele Menschen, die wenig von Brownback halten: Der katholische Republikaner ist ein Rechtsaußen, Anhänger kreationistischer Ideen, Vertreter der Meinung, dass "Wissenschaft und Glauben" nicht sinnvoll voneinander zu trennen sind, radikaler Abtreibungsgegner, jemand, der Homosexualität als "unnatürlich" ablehnt.

"Ich stehe hinter meiner Tochter"

In Sachen Social Media aber ist zumindest Brownbacks Mannschaft offenbar ganz up to date. Sein Stab überwacht Twitter auf Nennungen des Gouverneurs und stieß so auch auf Sullivans Tweet. Die Mitarbeiter des Republikaners nahmen Kontakt zu einem Programm namens "Youth in Government" auf, in dessen Rahmen Sullivan der Rede Brownbacks beigewohnt hatte. In ihrer Schule wurde Sullivan daraufhin ins Gebet genommen, sie wurde aufgefordert, dem Politiker einen Entschuldigungsbrief zukommen zu lassen. Sullivan zufolge machte ihr Schulrektor sogar Vorschläge, was genau denn in den Brief stehen könnte.

Doch die 18-Jährige sieht all das gar nicht ein: Sie habe nur "mit Freunden herumgealbert" und werde ganz sicher keinen Entschuldigungsbrief an Brownback schicken, weil so eine Entschuldigung ohnehin nicht aufrichtig wäre.

Seit Sullivans ältere Schwester über die Sache mit Medienvertretern gesprochen hat, ist die rebellische Teenagerin ein bisschen berühmt. Nicht nur Politblogs berichten über den Fall, auch das lokale Fernsehen, "Forbes" und sogar "CNN". Inzwischen hat die Schülerin auf Twitter  mehr als 5500 Follower. Sie hoffe, der Fall könne helfen "einen Dialog zu beginnen" über Redefreiheit in den sozialen Medien.

Die Mutter der Teenagerin ist auf der Seite ihrer Tochter. Sie hätte vielleicht "eine andere Formulierung wählen können", sagte Julie Sullivan über den Tweet ihrer Tochter, aber "sie hat nur mit 65 Freunden gesprochen. Und so reden die Leute heute eben. Aufmerksamkeitsheischend. Ich habe meine Kinder erzogen, starke, unabhängige Denker zu sein. Wenn sie ihre Meinung über Gouverneur Brownback twittern will, soll sie das tun, ich stehe absolut hinter ihr."

cis/AP
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