Trevor Paglen Künstler zeigt die Schattenwelt der Geheimdienste

Satelliten für Spionage, Foltergefängnisse, Drohnenstützpunkte: Der Amerikaner Trevor Paglen macht sich auf die Suche nach den geheimen Operationen von US-Militär und Geheimdiensten. Auf dem Hackerkongress 30C3 wurde er gefeiert.
NSA-Zentrale in Maryland: Der US-Künstler Trevor Paglen spürt Geheimdiensten nach

NSA-Zentrale in Maryland: Der US-Künstler Trevor Paglen spürt Geheimdiensten nach

Foto: Jim Lo Scalzo/ dpa

Hamburg - Trevor Paglen  jagt Geheimnisse. Er stellt den Mitarbeitern von Tarnfirmen des Geheimdiensts CIA bis in ihre Vorgärten nach, späht mit Teleskopen den Spionagesatelliten der NSA aus und fotografiert militärische Drohnen auf dem Weg zu ihren tödlichen Einsätzen.

Der New Yorker Künstler sucht nach den Spuren des amerikanischen Überwachungsstaats, der mit Jets, Drohnen und Satelliten noch den letzten Winkel der Erde kontrolliert. Mit seinen Bildern holt er das, was eigentlich unsichtbar bleiben soll, an die Öffentlichkeit. "Sie können kein geheimes Flugzeug in einer unsichtbaren Fabrik bauen", sagt Paglen.

Am Samstagabend sprach Paglen vor mehreren tausend Hackern auf dem Jahrestreffen des Chaos Computer Clubs in Hamburg. "Seeing The Secret State"  heißt sein Vortrag. Dazu recherchierte Paglen jahrelang, wühlte sich durch Akten, ließ sich von Programmierern helfen, damit sein Teleskop genau im richtigen Moment an einer bestimmten Stelle steht.

Besuch im "Salt Pit"

Oft unterscheidet sich Paglens Arbeit nicht von der eines Journalisten. 2006 veröffentlichte er zusammen mit dem investigativen Reporter Adam Clay Thompson das Buch "Torture Taxi", das nachzeichnet, wie die CIA weltweit Terrorverdächtige entführt. "Wir wussten, dass Menschen auf der ganzen Welt verschwinden", sagt Paglen. Ausgangspunkt ihrer Überlegungen: Als normaler Passagier könne man mit einem gecharterten Flugzeug ohne Probleme nach Pakistan fliegen, nicht aber mit einer Militärmaschine.

Also sahen sie sich die Firmen genauer an, die mit kleinen Flugzeugen an ungewöhnliche Orte fliegen: zu Militärbasen, nach Guantanamo, in Kriegsgebiete. Bei einigen davon handele es sich ganz offenbar um Tarnfirmen: Von den angeblichen Geschäftsführern finde sich keine Spur, die Adressen führten zum Teil ins Nichts.

An Orten, an denen sie besonders häufig geheime "Rendition Flights", Überstellungsflüge, ausmachen konnten, vermuteten sie Geheimgefängnisse. Einem dieser Gefängnisse im Nordosten von Kabul in Afghanistan, Codename "Salt Pit", stattete Paglen einen Besuch ab.

Abzeichen mit Aliens und Blitzen

Auf der Straße davor blieb das Taxi in einer Ziegenherde stecken, erzählt der Konzeptkünstler. Der Hirte habe eine Baseballkappe mit den Initialen der Firma Kellogg, Brown & Root getragen, einem Militärdienstleister, der bis 2007 zum Reich des Halliburton-Konzerns gehörte. "Da war dieser Ziegenhirte mit einer Baseballkappe von Dick Cheney", sagt Paglen. Vor seiner Amtszeit als US-Vizepräsident war Cheney Vorstandsvorsitzender von Halliburton.

Die Spuren der geheimen Infrastruktur finden sich nicht nur in der Landschaft oder am nächtlichen Himmel - auch auf den Uniformen von Militärs findet Paglen Hinweise auf den geheimen Staat. Die Stoffabzeichen zeigen geheime Programme von Spionagesatelliten und Spähflugzeugen. Monster sind da zu sehen, Halbgötter mit Blitzen, Aliens.

Eine eigene Sprache sei das, sagt Paglen. Die Blitze würden für elektronische Kriegsführung stehen, sechs Sterne, von denen einer weiter von den übrigen entfernt ist, für "Area 51", die geheime Luftwaffenbasis in der Wüste von Nevada. Ein Soldat habe ihm erklärt, es sei einfach noch komischer, wenn sie gar keine Abzeichen hätten, sagt Paglen.

Solche Details sorgen bei den Hackern für Begeisterung. Immer wieder unterbrechen sie Paglen mit Applaus. Auch, als er erst zeigt, wie er mit Hilfe von Teleskopen erst streng geheime Spionagesatelliten fotografiert und dann dieselbe Technik nutzt, um sich verborgenen Abhörstationen von Militär und Geheimdienst zu nähern.

Über eines will er dann aber lieber doch nicht reden: wie seine Gegenspionage beim Geheimdienst und beim Militär ankommt. "Ich mache mich lieber über die lustig", sagt Paglen.

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