Wettbewerb in digitalen Märkten US-Kongress nimmt Internetkonzerne ins Visier

Missbrauchen große Tech-Firmen ihre Macht? Das will der US-Kongress nun offiziell untersuchen lassen. Zudem ermitteln Behörden offenbar unter anderem gegen Facebook und Google - die Aktien geben deutlich nach.

Kapitol in Washington, Sitz des US-Kongresses
Lucas Jackson/ REUTERS

Kapitol in Washington, Sitz des US-Kongresses


Der US-Kongress will herausfinden, ob große Technologiefirmen ihre Monopolstellungen ausnutzen oder wettbewerbsfeindliche Maßnahmen ergriffen haben: Dafür solle eine umfassende Untersuchung eingeleitet werden, sagte der demokratische Vorsitzende des Unterausschusses für Wettbewerb, David Cicilline.

"Eine kleine Zahl von marktbeherrschenden, unregulierten Plattformen hat eine außergewöhnliche Macht über Onlinehandel, -kommunikation und -informationen", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung von Demokraten und Republikanern im Justizausschuss des Repräsentantenhauses. Namen von Unternehmen wurden dabei nicht genannt. In den USA macht sich parteiübergreifend ein Gefühl breit, dass bei Technologieriesen wie Apple oder Google zu viel Macht und Einfluss bei zu wenig Regulierung gebündelt sein könnte.

Die Nachrichtenagentur Reuters hatte zuvor unter Berufung auf namentlich nicht genannte Insider berichtet, dass das US-Justizministerium und die US-Branchenaufsicht Federal Trade Commission (FTC) die Marktmacht und Praktiken der vier Technologieriesen Facebook, Apple, Google und Amazon untersuchen wollen.

Auch die Nachrichtenagentur Bloomberg meldete, dass Facebook und Google zum Ziel von Untersuchungen der US-Behörden geworden seien. Sie berief sich dabei auf mit der Sache vertraute Personen. Demnach ermittle die FTC gegen Facebook; mit der Untersuchung gegen die Google-Sparte von Alphabet sei das Justizministerium betraut. In beiden Fällen gehe es um die Marktmacht der Konzerne.

Das "Wall Street Journal" hatte über beide Entwicklungen zuerst berichtet: Hintergrund sei, dass die beiden staatlichen Stellen ihre Zuständigkeiten für die beiden Konzerne neu geordnet hätten. Laut der "New York Times" ermittelt das Justizministerium sowohl gegen Google als auch gegen Apple und die FTC gegen Facebook und Amazon.

Bisher gibt es weder von den Behörden noch von den Unternehmen Stellungnahmen zu den Berichten.

Die Meldungen belasteten am Montag bereits die Kurse von Google Chart zeigen und Facebook Chart zeigen - und damit auch die US-Technologiebörse Nasdaq. Der Nasdaq 100 Index, in dem beiden Aktien enthalten sind, fiel um 2,1 Prozent auf 6978,02 Punkte, das ist der niedrigste Stand seit Februar. Facebook-Aktien büßten 7,5 Prozent ein und lagen am Ende des Nasdaq 100 - gefolgt vom Kurs des Google-Mutterkonzerns Alphabet Chart zeigen mit einem Minus von 6,1 Prozent.

aar/dpa/Reuters



insgesamt 4 Beiträge
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der_rookie 04.06.2019
1. Hm
Natürlich missbrauchen mindestens 3 dieser Konzerne ihre Macht. Alleine die Lizenzbestimmungen, die Facebook beim Nutzer durchdrückt sind ohne Monopol kaum denkbar. Amazon kann es sich erlauben IP und Verbraucherschutz-Gesetze im Einzelhandel zu ignorieren und auch bei AWS den Kunden keine Wahl zu lassen (erst neuerdings gibt es mit Microsofts Azzure eine Alternative). Last but not least Alphabet: Mal erlebt, dass Konzernangebote bei der Googlesuchmaschine nicht direkt auf Seite 1 aufzufinden sind? Der Wettbewerb dagegen - wo ist der? Bei Apple wäre mir nicht klar in welchem Marktsegment die eigentlich noch Nummer 1 sind. Allerdings verlangt Apple unverschämt hohen Provisionen von App-Entwicklern im AppStore.
sven2016 04.06.2019
2. Das Justizministerium ermittelt?
Campaign-Scheck an die GOP und die Sache ist erledigt. Herr Barr und Konsorten sind politisch so korrupt, dass höchstens wegen Verbindungen der Konzerne mit Demokraten gesucht werden wird.
thomas_linz 04.06.2019
3. Mich würde
brennend interessieren, was der Hintergrund ist. Geht es wirklich um Demokratie, oder fuehlt sich jemand anders auf den Schlips getreten
isi-dor 04.06.2019
4.
90% der Gewinne könnte man problemlos wegbesteuern zu Gunsten der Bürger der Welt.
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