NSA-Affäre Snowden-Helferin aus Hongkong erhält Asyl in Kanada

Auf der Flucht vor den US-Behörden versteckten Flüchtlingsfamilien Edward Snowden in Hongkong - für ihren Beistand zahlten sie jedoch einen hohen Preis. Eine Helferin bekommt jetzt die Chance auf ein neues Leben.

Vanessa Rodel
AFP

Vanessa Rodel


Die Philippinerin Vanessa Rodel, die dem Whistleblower Edward Snowden 2013 Unterschlupf in ihrer Wohnung in Hongkong gewährte, hat mit ihrer Tochter in Kanada Asyl erhalten. Die 42-Jährige und ihre siebenjährige Tochter sind am Montagabend in Toronto angekommen und wollen in Montreal ein neues Leben beginnen.

Der Ex-Geheimdienstmitarbeiter Snowden war 2013 von Hawaii nach Hongkong geflogen, dort gab er Journalisten Informationen und Dokumente zu den Überwachungsprogrammen des US-Geheimdienstes NSA. Weil Snowden entschied, seine Identität offenzulegen, wurde er schlagartig weltweit bekannt.

Der Whistleblower wohnte in Hongkong zunächst im Hotel. Als er sich aber vor Sicherheitsbehörden und Medienvertretern verstecken wollte, beherbergte ihn Vanessa Rodel zeitweise in ihrer Wohnung in einem ärmeren Viertel in Hongkong - dort, wo ihn niemand erwartete. Rodel war selbst als Flüchtling von den Philippinen nach Hongkong gekommen.

Erst als sie auf der Titelseite einer Zeitung sein Gesicht sah, wurde ihr bewusst, dass sie den meistgesuchten Mann der Welt bei sich versteckt hatte. "Überall in Hongkong war sein Bild zu sehen, in jeder Zeitung", sagte Vanessa Rodel der "Zeit". "Ich dachte, das Beste, was ich tun kann, ist, mich um ihn zu kümmern." Fast zwei Wochen versteckte sie Snowden bei sich.

Leben in Angst

Auch eine Familie aus Sri Lanka mit zwei Kindern sowie ein Ex-Soldat von den Philippinen halfen dem Untergetauchten während seines Aufenthaltes in Hongkong. 2016 wurde die Identität der Helfer, die auch als "Snowden Refugees" bekannt wurden, durch Recherchen zu Oliver Stones Film "Snowden" öffentlich.

Seitdem leben die vier Erwachsenen und drei Kinder in Angst, sie wurden wiederholt von lokalen wie internationalen Behörden und Ermittlern befragt und unter Druck gesetzt. Den Snowden-Helfern wurden auch Beihilfen zum Lebensunterhalt gekürzt.

Auf der Webseite der kanadischen gemeinnützigen Organisation "For the Refugees", die eine Gruppe von Anwälten 2016 zur Unterstützung der Snowden-Helfer gegründet hatte, heißt es: "Als ihre Rolle bei der Unterbringung von Edward Snowden an die Öffentlichkeit gelangte, unterbrach Hongkong ihre mageren Unterstützungszahlungen und verfolgte sie, um eine sofortige Abschiebung in ihre Heimatländer Sri Lanka und die Philippinen durchzusetzen, wo sie Risiken wie Verfolgung, Folter und Tod ausgesetzt wären."

Mit Unterstützung der Organisation soll nun auch das neue Leben von Vanessa Rodel und ihrer Tochter in Kanada finanziert werden, wie Ethan Cox, ein Sprecher von "For the Refugees" der Nachrichtenagentur dpa sagte.

Sechs Jahre nach den ersten NSA-Enthüllungen auf Basis der Snowden-Dokumente haben Mutter und Tochter nun in Kanada einen Flüchtlingsstatus zuerkannt bekommen. "Die Uhr tickt weiterhin für drei andere Flüchtlinge und ihre zwei kleinen Kinder", sagte Christina Rogov, eine Anwältin von "For the Refugees".

sop/mit Material von dpa



insgesamt 2 Beiträge
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oalos 26.03.2019
1. Schönes Beispiel.
Auch wer Whistleblowern nur hilft, wird verfolgt u. bedroht. Der lange Arm der Demokratie No. 1.
hanfbauer2 26.03.2019
2. Kanada hilft - wenn auch sehr dürftig...
...aber ich wette dass die deutschen Politiker - vor allem der Groko - sich lieber nicht mit dem Großen Bruder anlegen werden. So wenig wie Snowden hierzulande Asyl bekommt, so wenig werden die Helfer von Snowden bei uns auf offene Ohren hoffen können. Leider kann ich mich aktuell nur fremdschämen - aber bald sind ja Europawahlen...
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